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KonflikteUkraine

Geheimdienstchef Budanow wird Selenskyjs neuer Büroleiter

2. Januar 2026

Mit Generalleutnant Kyrylo Budanow übernimmt erstmals ein Militär das Präsidialbüro von Wolodymyr Selenskyj. Der Leiter des Militärgeheimdienstes HUR zählt zu den bekanntesten Staatsdienern des Landes.

Ukraine Kyjiw 2025 | Selenskyj mit Geheimdienstchef Kyrylo Budanow im Mariinskyj-Palast im Gespräch mit Selenskyj, der nur unscharf von hinten zu sehen ist
Ukraine: Generalleutnant Kyrylo Budanow ist neuer Chef des Präsidialamts von Wolodymyr SelenskyjBild: Ukraine Presidency/Ukrainian Pre/Planet Pix/ZUMA/picture alliance

Wolodymyr Selenskyj hat Kyrylo Budanow zum neuen Chef des Präsidialamts der Ukraine ernannt. Der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes besetzt damit einen der Posten, der im Zuge eines Korruptionsskandals in den oberen Machtkreisen in Kyjiw frei geworden war. Sein Vorgänger Andrij Jermak war bereits Ende November zurückgetreten.

Budanow ist unter Selenskyj bereits der dritte Leiter des Präsidialamts, das als einflussreiches Machtzentrum neben dem Kabinett gilt. Jermak hatte in vielerlei Hinsicht die Rolle eines Außenministers besetzt und den Präsidenten zu allen wichtigen internationalen Treffen begleitet, darunter auch Gespräche über ein Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.

An der Spitze von Selenskyjs Büro erstmals ein General

Mit Generalleutnant Kyrylo Budanow hat Selenskyj erstmals einen Berufssoldaten zum Präsidialamtschef berufen. Als Geheimdienstchef war Budanow zu einer der populärsten Persönlichkeiten des Landes geworden. Dank eines eigenen Images gilt er als potenzieller Rivalen Selenskyjs bei den nächsten Präsidentschaftswahlen. In der Bevölkerung genießt er großes Vertrauen. Nur der Präsident selbst sowie der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und heutige Botschafter im Vereinigten Königreich, Walerij Saluschnyj, schneiden bei Umfragen besser ab.

Budanow (r.), in seiner alten Funktion als Geheimdienstchef, erstattet Präsident Selenskyj im November 2025 BerichtBild: Ukraine Presidency/ZUMA/IMAGO

Ebenso würde er nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Socis Mitte Dezember 2025 im ersten Wahlgang einer Präsidentschaftswahl mit 5,7 Prozent auf dem dritten Platz landen. Selenskyj und Saluschnyj kamen jeweils auf etwas mehr als 20 Prozent. Die Umfrage zeigte zudem, dass sowohl Saluschnyj als auch Budanow Selenskyj in einer Stichwahl schlagen könnten. Keiner von beiden hat bislang jedoch Präsidentschaftsambitionen offiziell erklärt.

Der jüngste Chef des Präsidialamts

Mit 39 Jahren ist Generalleutnant Kyrylo Budanow der jüngste Chef des Präsidialamts in Selenskyjs Amtszeit. 2020 hatte Selenskyj ihn bereits zum jüngsten Chef des Militärgeheimdienstes HUR ernannt.

Über Budanows Biografie ist gleichwohl wenig bekannt. Laut Medienberichten kommt er aus Kyjiw und hat als Offizier in einer Spezialeinheit gedient, ab 2014 Einsätze im Donbass. Unter anderem soll er Einsätze in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine, insbesondere auf der 2014 annektierten Krim, durchgeführt haben.

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Bekannt wurde er nach Beginn der umfassenden Invasion Russlands im Februar 2022. Heute ist Budanow auch im Westen vielen bekannt, nachdem der Geheimdienst mit spektakulären Drohnenangriffen auf Militärflugplätze und andere Ziele tief im russischen Territorium international Schlagzeilen machte. Es folgten Angriffe auf russische Schiffe sowie Raffinerien und Ölterminals am Schwarzen Meer. Nach der Versenkung zweier Kriegsschiffe durch den HUR verlieh Selenskyj Budanow im Februar 2024 den Titel "Held der Ukraine".

Starke Präsenz in den Medien

Bis vor Kurzem nahm Budanow immer wieder selbst an Kampfeinsätzen teil. Im November 2025 machte er Schlagzeilen, als er mit Einheiten des Militärgeheimdienstes per Hubschrauber im Raum Pokrowsk landete - einer Stadt im Westen des Gebiets Donezk, die die russische Armee zu diesem Zeitpunkt bereits als eingenommen bezeichnete. Teile von Pokrowsk stehen weiterhin unter der Kontrolle der ukrainischen Streitkräfte.

Zu seiner Bekanntheit trug Budanow auch mit seiner für einen Geheimdienstler ungewöhnlichen Informationspolitik bei. Zu Beginn der ukrainischen Gegenoffensive im Juni 2023 tauchte ein Video von Budanos auf, in dem er er eine halbe Minute lang vor laufender Kamera schweigt. Dabei wurden die Worte "Weiteres folgt, Pläne lieben Stille" eingeblendet.

In einem Video - zum Tag der Geheimdienstler - blies er die Kerzen auf einem Kuchen aus, begleitet von Explosionsgeräuschen. Später gingen Bilder einer Torte in Form einer Landkarte der Russischen Föderation viral, die Budanow zu seinem Geburtstag geschenkt bekam.

Auch für Medien war Budanow äußerst zugänglich. Unter den Vertretern der Staatsführung gab zeitweise nur Selenskyj mehr Interviews, insbesondere westlichen Journalisten.

Kritik seitens der Öffentlichkeit

In die Kritik geriet Budanow, weil er bei vielen Menschen offenbar zu hohe Erwartungen geweckt hatte. Im Herbst 2022 prophezeite er, die ukrainische Armee werde bis zum Sommer 2023 auf der Krim sei. Das gelang nicht. Inzwischen ist er mit seinen Prognosen zurückhaltender geworden.

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Auch im Gemeindienst lief nicht alles glatt: Eine der bekanntesten Operationen unter Budanow war die Anwerbung des russischen Militärpiloten Maxim, der im August 2023 mit einem Mi-8-Hubschrauber in die Ukraine flog. Allerdings wurde Kusminow ein halbes Jahr später - vermutlich vom russischen Geheimdienst - in Spanien getötet.

Ende 2024 tauchten in den ukrainischen Medien Berichte über eine mögliche Entlassung Budanows als HUR-Chefs auf, nachdem einige Einsätze zu Verlusten unter hochqualifiziertem Personal geführt hatten.

Im Fadenkreuz Moskaus

Schon vor Beginn des Ukrainekriegs 2022 war Budanow Ziel von Attentaten. In Russland ist er seit Langen zur Fahndung ausgeschrieben. Im Herbst 2023 meldete der ukrainische Militärgeheimdienst die Vergiftung von Budanows Frau und mehreren Offizieren.

Als Leiter des Präsidentenbüros wird von Budanow erwartet, dass das Amt stärker militärisch ausrichtet, als seine Vorgänger. Doch auch er wird wohl als Diplomat an den Verhandlungen teilnehmen. Ende November befand sich Budanow bereits während Verhandlungen zwischen Vertretern der USA und Russlands in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Einzelheiten dieser Gespräche sind nicht bekannt. In einem der jüngsten Interviews erklärte Budanow, er erwarte ein "Fenster der Möglichkeiten" für Verhandlungen bis Februar 2026.

Adaption aus dem Russischen: Markian Ostaptschuk