Geteiltes Echo auf US-Angriffe im Iran und Tod Chameneis
1. März 2026
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht nach der Tötung von Ajatollah Ali Chamenei die Chance für einen Neubeginn. Mit dem Tod des obersten Führers keime neue Hoffnung für das iranische Volk auf, schrieb von der Leyen auf der Plattform X. "Wir müssen dafür sorgen, dass es seine Zukunft selbst gestalten kann." Gleichzeitig berge "dieser Moment die reale Gefahr einer Instabilität, die die Region in eine Spirale der Gewalt stürzen könnte".
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bezeichnete den Tod Chameneis als "entscheidenden Moment" in der Geschichte des Irans. Zwar sei die Zukunft ungewiss, doch sei nun der Weg frei für einen "anderen Iran", den die Menschen mit größerer Freiheit gestalten könnten, betonte sie.
Zur Reaktion des Irans auf die Attacken der USA und Israels erklärte EU-Ratspräsident António Costa: "Ich verurteile die Angriffe des Irans auf mehrere Länder in der Region scharf." Das Vorgehen stelle eine gefährliche Eskalation der militärischen Lage im Nahen Osten dar. Den betroffenen Staaten sprach er seine "volle Solidarität" aus. Der Iran hatte als Vergeltung Israel und zahlreiche US-Militäreinrichtungen in der Golfregion angegriffen.
Erklärung von Merz, Macron und Starmer
"Wir verurteilen die iranischen Angriffe auf Staaten in der Region auf das Schärfste", heißt es auch in einer in Berlin verbreiteten gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Großbritanniens Premier Keir Starmer. Der Iran müsse "seine willkürlichen Militärschläge unterlassen".
Darüber hinaus forderten die drei Politiker den Iran zu neuen Verhandlungen auf. Letztendlich müsse es dem iranischen Volk erlaubt sein, seine eigene Zukunft zu gestalten. Man habe wiederholt an den Iran appelliert, sein Nuklearprogramm einzustellen, von destabilisierenden Aktivitäten abzusehen und die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung zu beenden.
Spanien kritisiert US-Militäraktion
Ganz anders klingt die Reaktion des spanischen Ministerpräsidenten: "Wir lehnen die einseitige Militäraktion der USA und Israels ab, die eine Eskalation darstellt und zu einer noch unsichereren und feindseligeren internationalen Ordnung beiträgt", schrieb Pedro Sánchez auf X.
Sánchez betonte, dass er ebenso die "Aktionen des iranischen Regimes und der Revolutionsgarde" verurteile. Eine "weitere langwierige und verheerende Kriegssituation im Nahen Osten könne man sich nicht leisten. "Wir fordern eine sofortige Deeskalation und die uneingeschränkte Achtung des Völkerrechts", fügte der spanische Regierungschef hinzu. Es sei an der Zeit, den Dialog wieder aufzunehmen und eine dauerhafte politische Lösung für die Region zu erreichen.
Auch der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Store, dessen Land zwar nicht der EU angehört, aber NATO-Partner der USA ist, kritisierte beide Seiten: Die Angriffe in der Region hätten "eine gefährliche Situation geschaffen". Weder die Angriffe noch die Ausweitung des Konflikts auf die Nachbarländer des Irans stünden im Einklang mit dem Völkerrecht.
Putin: "Zynische Missachtung des Völkerrechts"
Der russische Präsident Wladimir Putin verurteilte die Tötung Chameneis bei den US-israelischen Angriffen. Diese sei "in zynischer Missachtung aller Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts" erfolgt, schrieb Putin in einem vom Kreml veröffentlichten Brief an den iranischen Präsidenten Massud Peseschkian. Er brachte darin zudem sein "tiefes Beileid für den Mord" an Chamenei zum Ausdruck. Chamenei werde als "außergewöhnlicher Staatsmann" in Erinnerung bleiben.
Das chinesische Außenministerium teilte mit, das Vorgehen der USA und Israels verletze die Souveränität des Irans in schwerwiegender Weise und missachte die Ziele und Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen. Peking lehne ein solches Vorgehen entschieden ab.
Papst Leo XIV. forderte ein Ende der Gewalt im Nahen Osten. "Angesichts der Möglichkeit einer Tragödie riesigen Ausmaßes rufe ich alle Seiten auf, der moralischen Verantwortung gerecht zu werden, die Spirale der Gewalt zu stoppen, bevor sie zu einer unüberbrückbaren Kluft wird", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche vor einer Menschenmenge auf dem Petersplatz in Rom.
gri/fab (dpa, afp, rtr)
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