"Georgien ist dabei, einen Krieg herbeizuführen"
3. Juni 2004Anzeige
Moskau, 3.6.2004, MOSKOWSKIJ KOMSOMOLEZ, russ., Marina Perewoskina
(...) Zur erneuten Zuspitzung der Situation zwischen Georgien und Südossetien ist es angeblich wegen der Polizeiposten gekommen. Stimmt das? Der Präsident Südossetiens, Eduard Kokojty, in einem Interview für die Zeitung "Moskowskij komsomolez".
Frage:
Was ist der Grund für Ihren letzten Konflikt mit Tbilissi. Ihre Gegner behaupten, dass es sich um die Bekämpfung des Schmuggels oder etwas ähnliches handelt.Kokojty:
Das, was in der letzten Zeit um Südossetien geschieht, kann als gut durchdachte Provokation seitens der Machthaber in Tbilissi bezeichnet werden, die darauf gerichtet ist, die Lage zu destabilisieren. Deren Ziel besteht darin, das Regime zu unterstützen, das nicht imstande ist, die Aufgaben zur wirtschaftlichen Wiedergeburt Georgiens zu lösen. (...) Ein sehr gefährlicher Kurs.Frage:
Wieso stören Sie die Polizeiposten in den georgischen Dörfern?Kokojty:
Das Aufstellen von Posten in den georgischen Dörfern der Konfliktzone ohne Abstimmung mit der Gemischten Kontrollkommission widerspricht den bestehenden Abkommen. Die Posten stoppten die Lebensmittel- und Benzinlieferungen in ossetische Dörfer. Diese wurden blockiert. Unterbrochen wurde ferner der Gütertransit, was zu hohen Verlusten im Haushalt Südossetiens führt. Georgien will Südossetien durch eine Blockade erwürgen.Frage:
Wollten die russischen Friedenstruppen tatsächlich die Posten mit Gewalt vertreiben?Kokojty:
Es wurde nicht einmal andeutungsweise über die Anwendung von Gewalt gesprochen. Das Kommando der Friedenstruppen verwies lediglich darauf, dass die georgische Seite unsere Übereinkünfte verletzt. Es kann sein, dass die Vertreter Georgiens wegen ihrer schlechten Russisch-Kenntnisse etwas falsch verstanden haben. Tatsache ist jedoch, dass die Machthaber in Tbilissi diese Situation sofort genutzt haben, um eine Zuspitzung der Situation in der Konfliktzone herbeizuführen. Die haben nicht den geringsten Versuch unternommen, die Missverständnisse durch Verhandlungen zu klären. Es ist offensichtlich, das Georgien nach einem Vorwand für die Zuspitzung der Situation sucht.Frage:
Wie bewerten Sie den Standpunkt der internationalen Vermittler bei der letzten Krise?Kokojty:
Die internationalen Beobachter von der OSZE vertreten einen recht seltsamen Standpunkt. Sobald die ossetische Seite das Regime der Sicherheitszone auch nur ganz gering verletzte, waren die OSZE-Vertreter sofort an Ort und Stelle, machten Lärm in ganz Europa. Jetzt schweigen sie, obwohl alle sehen, dass Georgien das Regime aufs gröbste verletzt, einen Krieg herbeiführt.Frage:
Reichen denn Ihre Kräfte aus, um einer militärischen Aggression Georgiens zu widerstehen?Kokojty:
Wir verfügen über ausreichende Kräfte und Mittel, die dafür sorgen werden, dass ein Aggressor einen sehr hohen Preis für das Eindringen auf unser Territorium bezahlen wird. Wir werden unser Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung verteidigen. Und ich bin überzeugt, dass Südossetien nicht allein in seinem Kampf sein wird.Frage:
Suchen Sie die georgischen Dörfer auf dem Territorium Südossetiens auf? Wie ist die Stimmung dort?Kokojty:
Wir haben ständigen Kontakt zu unseren georgischen Landsleuten. Die meisten wissen, in welchen Abgrund sie von der Führung Georgiens gestoßen werden. Die jungen Politiker aus Tbilissi, die Krieg lediglich im Kino gesehen haben, denken, dass dieser lediglich aus Siegesmärschen und Trinksprüchen auf den Sieg besteht. Ganz anders denken Leute, die Angehörige verloren haben, die Blut und abgebrannte Häuser gesehen haben. Unsere georgischen Brüder in Südossetien wollen nicht Waffen in die Hände nehmen und das zerstören, was mit soviel Mühe viele Jahre aufgebaut wurde. (lr)Anzeige