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Gerd Faltings erhält als erster Deutscher den Abel-Preis

19. März 2026

Die Auszeichnung gilt inoffiziell als Mathematik-Nobelpreis. Der gebürtige Gelsenkirchener bekommt sie für bahnbrechende Leistungen auf dem Gebiet der arithmetischen Geometrie.

Deutschland Berlin 2025 | Gerd Faltings im Smoking mit Fliege und dem Orden Pour le Mérite
"Bin es nicht gewohnt, mit Königen zu speisen": Gerd Faltings (hier bei der Aufnahme in den Orden Pour le Mérite im Juni 2025 in Berlin)Bild: Fabian Sommer/dpa/picture alliance

Als erster Deutscher wird Gerd Faltings vom Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn mit dem Abel-Preis geehrt. Er erhält die Auszeichnung, die inoffiziell auch als Nobelpreis für Mathematik gilt, für die "Einführung mächtiger Werkzeuge in der arithmetischen Geometrie", wie die Norwegische Akademie der Wissenschaften in Oslo mitteilte.

Der 71-Jährige habe als "herausragende Persönlichkeit" mit seinen Ideen und Ergebnissen das Forschungsgebiet geprägt. Dabei sei es ihm nicht nur gelungen, seit langem bestehende Hypothesen zu beweisen. Er habe auch "neue Methoden etabliert, die nachfolgende Arbeiten über Jahrzehnte beeinflusst haben".

"Jetzt muss ich mir einen Smoking leihen"

Die erste Reaktion des emeritierten Professors war eine Mischung aus Überraschung und verschmitztem Humor. Er habe nicht damit gerechnet, sagte Faltings in einer Video-Schaltung der Überbringerin der Nachricht, wie auf einem Video des Preiskomitees zu sehen ist. Dann fügt er lächelnd hinzu, er sei es nicht gewohnt, mit Königen zu speisen - "jetzt muss ich mir einen Smoking leihen".

Prosit nach dem Anruf aus Oslo: Gerd Faltings mit Peter Scholze, Mathematiker und ebenfalls Träger der Fields-MedailleBild: Roberto Pfeil/AFP/Getty Images

Faltings war bereits 1986 mit der Fields-Medaille ausgezeichnet worden, womit er nun Träger der beiden bedeutendsten Preise in der Welt der Mathematik ist. Damals lag seine erste bahnbrechende Entdeckung erst wenige Jahre zurück: 1983 hatte der gebürtige Gelsenkirchener mit dem Beweis der Mordellschen Vermutung international für Aufsehen gesorgt.

Mit 17 Seiten zum Weltruhm

Mit gerade einmal 28 Jahren war es ihm gelungen, eine der großen, bis dahin unbewiesenen Hypothesen der algebraischen Geometrie zu untermauern. Sechs Jahrzehnte lang hatten sich Mathematiker aus aller Welt erfolglos bemüht, die Gedanken des US-britischen Mathematikers Louis Joel Mordell zu verifizieren. Faltings legte dazu eine 17 Seiten umfassende Abhandlung vor - und wurde mit einem Schlag berühmt.

Magnet für begabte Wissenschaftler: Max-Planck-Institut für Mathematik in BonnBild: Stefan Ziese/imageBROKER/picture alliance

Nach dem Beweis der Mordell-Vermutung habe Faltings zahlreiche weitere mathematische Probleme "wie Perlen auf einer Schnur" gelöst, schreibt die Norwegische Akademie in ihrer Begründung. Überdies habe er einen eigenen Werkzeugkasten mathematischer Art entwickelt, der in der Fachwelt als "Faltings' Produktsatz" bekannt ist. Seine Arbeit veranschauliche "die Kraft tiefer struktureller Einsichten".

Ruf nach Wuppertal

Der Sohn eines Physikers und einer Chemikerin gewann als Schüler zweimal den Bundeswettbewerb Mathematik; er studierte in Münster. Mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft ging er für ein Jahr an die US-Universität Harvard, ehe er sich habilitierte. Mit nur 27 Jahren erhielt er als jüngster Mathematikprofessor in Deutschland einen Ruf an die Gesamthochschule Wuppertal. Dort lernte er seine inzwischen verstorbene Frau, die Mathematikerin Angelika Tschimmel, kennen, mit der er zwei Töchter hat.

1985 übernahm Faltings eine Professur in Princeton. 1994 kehrte er aus den Vereinigten Staaten zurück. Im Jahr darauf wurde er Direktor des Max-Planck-Instituts für Mathematik in Bonn. In der Folge zog es viele begabte junge Wissenschaftler in die damalige Bundeshauptstadt. 1996 wurde Faltings mit dem Leibniz-Preis geehrt, dem höchstdotierten deutschen Wissenschaftspreis.

Gipfelbesteigung am Schreibtisch

Er selbst verglich seine Leistung bei der Arbeit an der Mordell-Vermutung mit dem Erreichen der höchsten Gipfel beim Bergsteigen. "Es war nun nicht so, dass mit so einem Beweis die halbe Mathematik umgekrempelt würde, aber es war schon eine Herausforderung - vielleicht wie der berühmte Mount Everest", sagte Faltings 2008 dem Magazin "Der Spiegel".

Ersatz für den Nobelpreis: Masaki Kashiwara erhielt 2025 den Abel-Preis aus der Hand von König Harald V. Bild: Ole Berg-Rusten/NTB/AFP/Getty Images

Der Abel-Preis, der mit 7,5 Millionen norwegischen Kronen dotiert ist, wird am 26. Mai in Oslo in Anwesenheit des norwegischen Königs Harald V. überreicht. Im vergangenen Jahr hatte der japanische Mathematiker Masaki Kashiwara die Auszeichnung erhalten. Sie wurde nach dem norwegischen Mathematiker Niels Henrik Abel (1802-1829) benannt und von der norwegischen Regierung gestiftet - praktisch als Ersatz für einen fehlenden Nobelpreis für Mathematik.

jj/se (dpa, afp, abelprize.no)

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