Geschenke auf Welreise
21. Dezember 2013
Joseph Couve de Murville hält eine Packung Lebkuchen in der Hand und grinst. Mit den klebrigen Schokoladenkuchen verbindet der Südafrikaner eine besondere Weihnachtsgeschichte. Der 32-Jährige hat an der Universität Hildesheim gerade sein Studium der angewandten Sprachwissenschaft abgeschlossen und lebt seit mehr als vier Jahren in Deutschland.
"Als ich nach Deutschland kam, habe ich als Wirtschaftsenglisch-Lehrer gearbeitet. Direkt nach Weihnachten musste ich nach Südafrika fliegen und meine Schüler haben mich gefragt, ob ich etwas typisches Deutsches mitnehme. Ich habe gesagt: Lebkuchen!" Die Schüler hätten gelacht, denn in Südafrika sei Sommer und im Sommer könnte man doch keine Lebkuchen essen. "Meine Familie fand das großartig, seitdem schicke ich jedes Jahr Lebkuchen nach Hause."
Weihnachten mit deutschen Würstchen
Etwas typisch Deutsches hat auch die polnische Studentin Alicja Lasak im Gepäck, wenn sie über Weihnachten zu ihrer Familie nach Polen fährt. "Ich möchte auf jeden Fall Würstchen im Glas mitbringen", lacht sie. Weihnachtsgeschenke seien ihr aber eigentlich nicht so wichtig. Viel wichtiger sei es, bei der Familie zu sein. Deshalb könne sie sich auch nicht vorstellen, über die Feiertage in Deutschland zu bleiben.
Die Vietnamesin Thi Anh Nguyet Pham hat sich genau dafür entschieden. Sie verbringt die Feiertage in Hildesheim. "Ich bin nicht nur für das Studium nach Deutschland gekommen, sondern auch, um die Kultur hier kennenzulernen", sagt die 26-Jährige. Seit dem Wintersemester studiert sie Pädagogische Psychologie an der Uni Hildesheim und hat auch schon einige Kontakte zu deutschen Kommilitonen geknüpft. Die meisten ihrer Freunde fahren über Weihnachten zwar nach Hause, Thi Anh Nguyet hat aber schon einen anderen Plan: "Ich habe mich mit anderen Studenten von der katholischen Hochschulgemeinde verabredet. Wir werden ein bisschen zusammen feiern."
Jetzt muss es nur noch pünktlich zu Weihnachten schneien. "Jedes Mal, wenn ich mit meiner Mutter telefoniere, fragt sie mich, ob Schnee liegt. Ich möchte ihr unbedingt ein Foto vom verschneiten Hildesheim schicken", erklärt Thi Anh Nguyet. Für den Fall, dass das mit dem Schnee nicht klappt, hat sie aber schon typisch deutsche Weihnachtskarten an ihre Familie und Freunde in Vietnam geschrieben.
Ob es aber auch üblich ist, Freunde in Deutschland zu beschenken - da war sich Thi Anh Nguyet unsicher. Vorsichtig fragte die 26-Jährige nach und strickt jetzt ihrer besten deutschen Freundin einen Schal. Ihre Mitbewohnerin soll ein vietnamesisches Armband bekommen. "Das ist aber noch eine Überraschung", betont sie.
Früchtetee für Südkorea
Den deutschen Stress um Weihnachtsgeschenke kann Myeong Jae Go aus Südkorea nicht ganz verstehen. Sie macht gerade ihren Master in Informationstechnologie an der Uni Hildesheim. Normalerweise kaufen sie und ihre drei Geschwister jeweils nur ein Geschenk, das wird dann verpackt und jeder darf eins ziehen – fertig. Dieses Jahr wird ihre Familie aber wohl wissen, von wem das Paket aus Deutschland stammt.
"In Korea trinken wir normalerweise nur grünen Tee oder Kaffee", erzählt die Studentin. Sie ist begeistert von den vielen verschiedenen Teesorten, die es in Deutschland gibt. "Und jetzt habe ich für meine Familie Früchtetee mit Vanillegeschmack, Apfel – und Melissentee gekauft." Eher praktisch geht auch der polnische Informatikstudent Jakub Zakrzewski an das Thema Weihnachtsgeschenke heran. Seinem Großvater schenkt er jedes Jahr Kräuterlikör; sein Vater und sein Bruder bekommen ein Ladegerät für Batterien.
Kein Weihnachtsmann für Türken
Die türkische Studentin Belcan Gonzalez kann es mit Weihnachtsgeschenken ruhig angehen lassen. Als muslimisches Land feiert die Türkei kein Weihnachten. Dafür gibt es an Silvester Geschenke. Doch das musste die 25-Jährige erst einmal lernen.
"Bis ich sieben Jahre alt war, habe ich immer auf den Weihnachtsmann aus den Trickfilmen gewartet", erzählt sie. "Die Filme kamen alle aus Europa, und da gab es eben einen Weihnachtsmann und der brachte tolle Geschenke für die Kinder." Nach sieben Jahren, so sagt sie lachend, habe sie dann endlich die Wahrheit erfahren: "Es gibt keinen Weihnachtsmann für Türken."