Nach US-Iran-Gesprächen: Pakistan als Friedensstifter?
13. April 2026
Die Verhandlungen am vergangenen Wochenende zwischen dem Iran und den USA gingen zwar ohne konkrete Ergebnisse zu Ende. Pakistan, das für das Treffen die Räume und Logistik in seiner Hauptstadt Islamabad zur Verfügung stellte, wurde aber für seine proaktive Vermittlungsrolle gewürdigt. Nicht nur die iranische Delegation dankte seinem Nachbarland, auch US-Präsident Donald Trump lobte den pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif und Feldmarschall Asim Munir für ihre Bemühungen.
Um sein Image als Friedensstifter aufzubessern, muss Pakistan aber noch an weiteren Stellschrauben drehen. Allem voran müssten die Beziehungen zu Afghanistan und dem Erzrivalen Indien wieder normalisiert werden, sagen Politikwissenschaftler. Die Regierung in Islamabad sieht sich in einem "offenen Krieg" mit den Taliban als Machthabern in Kabul. "Ironischerweise hat China eine einwöchige Gesprächsrunde zwischen Kabul und Islamabad moderiert, während Pakistan zwischen den USA und dem Iran vermittelte", sagt der pakistanische Politologe Farooq Sulehria gegenüber der DW.
Die Beziehungen zwischen Kabul und Islamabad haben sich verschlechtert, seit die islamistischen Taliban 2021 die Macht in Afghanistan übernommen hatten. Pakistan beschuldigt die nun regierenden Islamisten, dass sie den sogenannten pakistanischen Taliban (TTP) in der gebirgigen Grenzregion zu Pakistan Unterschlupf gewähren würden. Die TTP will durch zahlreiche Anschläge in Pakistan die Regierung in Islamabad stürzen. Beide Gruppierungen sind nach eigenen Angaben weder strukturell noch personell vernetzt.
Regionale Konflikte
Auch mit Indien kam es immer wieder zu bewaffneten Konflikten. Nach dem Terroranschlag in dem von Indien verwalteten Teil der Himalaya-Region Kaschmir in 2025 nahmen die Spannungen spürbar zu. Damals hatten mehrere Bewaffnete in dem Urlaubsort Pahalgam 26 mehrheitlich hinduistische Touristen getötet. Indien warf Pakistan vor, die Angreifer unterstützt zu haben. Die Attentäter hätten der pakistanischen Islamistengruppe Lashkar-e-Taiba (LeT) angehört, die von den UN als Terrororganisation eingestuft wurden. Sie lehnt die indische Kontrolle über Kaschmir ab.
Pakistan sei kein typischer Friedensstifter, sagt Sulehria. "Die ideologische Grundlage des pakistanischen Staates beruht auf der Feindseligkeit gegenüber Indien. Die derzeitigen Spannungen mit Kabul sind teilweise eine Fortsetzung dieses auf Indien ausgerichteten Ansatzes, da sich das Taliban-Regime mit Neu-Delhi anfreundet, was Islamabad Unzufriedenheit auslöste."
Zwar erkennt Indien das Taliban-Regime nicht als die legitime Regierung von Afghanistan an, dennoch besuchte der von den Taliban zum Außenminister ernannten Amir Khan Muttaqi im Oktober vergangenen Jahres die Regierung in Neu-Delhi.
"Unterschiedliche Reaktionen auf unterschiedlichen Druck"
So stelle sich Pakistan auf der einen Seite als einen ehrlichen Vermittler bei dem Konflikt zwischen dem Iran und den USA dar, auf der anderen Seite seien seine Beziehungen zu den wichtigsten Nachbarländern feindselig.
"Diese Situation ist nicht so widersprüchlich, wie sie scheint", meint Fatemeh Aman, Politikwissenschaftlerin der US-Denkfabrik Atlantic Council in Washington. "Pakistan hat es mit zwei unterschiedlichen Realitäten zu tun. Bei seinen Beziehungen zum Iran und zu den USA geht es um Diplomatie und darum, bei geringem Risiko Relevanz zu ergattern. Afghanistan hingegen ist ein unmittelbares Sicherheitsrisiko, bei dem es um Extremismus, Instabilität und innenpolitischen Druck geht. Es handelt sich also weniger um einen Widerspruch als vielmehr um einen zweigleisigen Ansatz: Einfluss im Ausland, Kontrolle im Inland."
Der Politologe Raza Rumi sieht das ähnlich: Der Widerspruch sei in der Realität das Ergebnis unterschiedlicher politischer Notwendigkeiten. Die Länder müssten ihre Politik auf der Grundlage von Geografie, Bedrohungslage und Einflussmöglichkeiten anpassen. Pakistan habe sich ohne direktes Risiko diplomatisch im US-Iran-Kontext engagieren können, während Afghanistan aktive Sicherheitsrisiken mit sich bringe und daher einen anderen Ansatz erfordere.
Mitarbeit: Haroon Janjua
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan