Mehrere tausend Gewaltdelikte in Zügen und an Bahnhöfen
15. Februar 2026
In Zügen und auf Bahnhöfen in Deutschland hat es im vergangenen Jahr mehr als 980 Messer- und rund 2200 Sexualdelikte gegeben, die aktenkundig wurden. Das berichtet die Zeitung "Bild am Sonntag" und bezieht sich auf Zahlen der Bundespolizei. Zusätzlich wurden demnach 5660 Gewaltdelikte gegen Vollzugsbeamte der Bundespolizei im Bahnbereich registriert. Im Jahr 2024 war die Zahl mit rund 5500 geringfügig niedriger. Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte, zu diesen Zahlen kämen noch etwa 15.000 verbale Übergriffe - dazu zählt auch das Anspucken.
Hauptbrennpunkt: Bahnhof Leipzig
Besonders viel Gewalt gab es dem Bericht zufolge am Hauptbahnhof der sächsischen Stadt Leipzig. Dort wurden 859 Gewaltdelikte gemeldet. Es folgen die Hauptbahnhöfe von Dortmund (735), Berlin (654), Köln (648), Hannover (612), Hamburg (580), München (553), Nürnberg (528), Frankfurt am Main (520) und Düsseldorf (499). In dem Bericht heißt es zudem, nichtdeutsche Tatverdächtige - gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung - seien häufiger festgestellt worden als deutsche Beschuldigte.
Anfang Februar war ein Zugbegleiter bei einer Fahrscheinkontrolle in einem Regionalzug im Bundesland Rheinland-Pfalz von einem Fahrgast angegriffen worden. Der 36-Jährige verstarb kurz darauf in einem Krankenhaus an seinen schweren Kopfverletzungen. Der Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Es handelt sich laut Staatsanwaltschaft um einen 26 Jahre alten griechischen Staatsbürger, der nach eigenen Angaben in Luxemburg wohnt.
Bodycams für alle Bahnmitarbeitende
Als Konsequenz vereinbarten Spitzenvertreter von Bund, Ländern und der Deutschen Bahn bei einem Gipfel am Freitag konkrete Sicherheitsmaßnahmen. So sollen alle Beschäftigte, die Kundenkontakt haben, noch 2026 Kameras - sogenannte Bodycams - erhalten, wie Bahnchefin Evelyn Palla in Berlin mitteilte. Außerdem sollen 200 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für mehr Sicherheit an Bahnhöfen eingestellt werden.
Geplant sind auch Verbesserungen bei der Schutzausrüstung. Bahn-Mitarbeitende sollen zudem verstärkt in Verhaltens- und Deeskalationstrainings geschult werden. Ein Notfallknopf soll weiterentwickelt werden, um im Ernstfall schneller Hilfe zu bekommen. Bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz Anfang März sollen weitere Konsequenzen erörtert werden.
se/pgr (kna, afp, rtr)