Wie die Mirabal-Schwestern den Orange Day inspirierten
24. November 2025
Am 25. November 1960 wurden die drei Schwestern Patria, Minerva und María Teresa Mirabal und ihr Fahrer tot am Fuß einer Schlucht in der Nähe des Bergdorfs La Cumbre aufgefunden. Der Jeep, in dem sie auf der kurvigen steilen Straße unterwegs gewesen waren, war 150 Meter in die Tiefe gestürzt. Es sah nach einem Unfall aus - wären ihre Leichen nicht mit Blutergüssen übersät gewesen. Außerdem sah man an den Hälsen der Toten deutliche Würgemale.
Die Heimat der jungen Frauen, die Dominikanische Republik, wurde damals von Rafael Leónidas Trujillo Molina regiert. Die Schreckensherrschaft des Diktators, auch "El Jefe" genannt, dauerte damals schon über 30 Jahre an. Zensur, Überwachung und brutale Unterdrückung waren an der Tagesordnung. Dissidenten wurden zum Schweigen gebracht - ohne dass die Täter eine Strafe befürchten mussten.
Auch die Mirabal-Schwestern erlitten dieses Schicksal. Sie stammten aus einer angesehenen, kleinbürgerlichen Familie, und ihr politisches Bewusstsein wurde früh geweckt, weil das Regime auch sie ins Visier nahm.
Minerva, die erste Frau des Landes mit einem Juraabschluss, hatte einst Trujillos Annäherungsversuche abgewehrt. Daraufhin wurde sie schikaniert, erhielt keine Zulassung als Anwältin und stand unter ständiger Beobachtung.
Die Historikerin Nancy P. Robinson schrieb 2006: "Trujillos Hass auf die Schwestern war nicht nur politischer, sondern auch persönlicher Natur: Er war wütend auf Minerva, weil sie seine sexuellen Avancen zurückgewiesen hatte, und empfand dies als Affront gegen den Machismo, der seine autoritäre Führung auszeichnete."
Der Aufstieg der "Schmetterlinge"
Zusammen mit ihren Schwestern und deren Ehemännern unterstützte Minerva das "Movimiento Revolucionario 14 de Junio" (auf Deutsch: "Revolutionäre Bewegung 14. Juni") - ein geheimes Netzwerk, das Widerstandszellen organisierte, die Verbrechen des Regimes aufdeckte und Flugblätter verteilte.
Der Codename der Schwestern lautete "Las Mariposas" ("Die Schmetterlinge"). Minerva und María Teresa wurden wegen ihrer Widerstandsaktivitäten mehrmals verhaftet und wieder freigelassen. Am Tag ihres Todes waren die Schwestern auf dem Rückweg von einem Besuch bei ihren inhaftierten Ehemännern. Ihr Auto wurde von Trujillos Geheimpolizei abgefangen: Die Frauen wurden zu Tode geprügelt. Ihre Leichen wurden dann in den Jeep gelegt, der von einer Klippe gestoßen wurde, um einen Unfall vorzutäuschen.
Obwohl Trujillo sich selbst als Vorreiter für Frauenrechte darstellte - er hatte Frauen 1942 das Wahlrecht gewährt und eine der ersten weiblichen Delegierten zur UN entsandt -, hatten die Frauen in seiner Regierung in Wirklichkeit weder echte Macht noch wurden sie anerkannt. Im Land wurde nach wie vor das Bild weiblicher Unfähigkeit, Häuslichkeit und Unterwerfung der Frau gegenüber dem Mann gestärkt. Jede Illusion eines angeblichen gesellschaftlichen Fortschritts wurde endgültig zunichte gemacht, als "Las Mariposas" von seinem Regime ungestraft aus dem Weg geschafft wurden.
Trujillo wurde sechs Monate später erschossen. Der Mord an den Schwestern gilt vielen als Wendepunkt, der den Sturz seines Regimes einleitete. Minerva Mirabal hatte oft prophetisch gesagt: "Wenn sie mich töten, werde ich meine Arme aus dem Grab strecken und stärker sein."
Von einer lokalen Tragödie zur globalen Mobilisierung
1981 versammelten sich in Kolumbiens Hauptstadt lateinamerikanische Feministinnen und schlugen den 25. November als Tag zur Ehrung der Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt vor. Es war die Geburtsstunde des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Ziel war es nicht nur, der Mirabal-Schwestern zu gedenken, sondern auch zu betonen, dass Gewalt gegen Frauen mit umfassenden politischen und sozialen Macht- und Unterdrückungssystemen zusammenhängt.
Zehn Jahre später startete das erste Women's Global Leadership Institute die Kampagne "16 Days of Activism Against Gender Violence". Seitdem finden jedes Jahr vom 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, Aktionen statt, um auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen.
Das legte den Grundstein für zukünftige Kampagnen, darunter die 2014 ins Leben gerufene Initiative "Orange the World" der Vereinten Nationen. Die Farbe Orange steht dabei symbolisch für eine gewaltfreie Zukunft. Sie ist zum Erkennungszeichen geworden - sei es auf Bannern, in sozialen Medien oder auf bekannten Gebäuden, die in orangefarbenes Licht getaucht sind.
Weltweites Muster der Unterdrückung
Der Femizid an den Mirabal-Schwestern ist Teil einer kontinuierlichen globalen Gewalt gegen Frauen. Im Jahr 2006 prägte die US-Aktivistin Tarana Burke den Begriff "MeToo", um auf die Opfer sexueller Gewalt aufmerksam zu machen. Mehr als ein Jahrzehnt später verbreitete sich der Hashtag #MeToo weltweit, nachdem Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein bekannt geworden waren. Millionen Frauen teilten daraufhin online ihre Erfahrungen und forderten die Täter zur Rechenschaft.
Im Jahr 2022 starb die 22-jährige kurdische Iranerin Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen angeblichen Verstoßes gegen das iranische Kopftuchgesetz, das zum Tragen des Hidschabs verpflichtet, verhaftet wurde. Ihr Tod löste unter dem Slogan "Frau, Leben, Freiheit" die größten Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik aus. Sowohl Amini als auch die Bewegung wurden 2023 vom Europäischen Parlament mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit ausgezeichnet.
Frauenfeindliche Gewalt im Netz
Zu Lebzeiten der Mirabal-Schwestern gab es zwar noch keine sozialen Medien, aber sie wussten, was es bedeutet, beobachtet, bedroht und bestraft zu werden, wenn man seine Meinung sagt. Das Gleiche gilt für Generationen von Frauen und Mädchen, die Gewalt ausgesetzt waren und sind - sei es zu Hause, am Arbeitsplatz, auf der Straße oder in Krisengebieten.
Heute sind sie auch mit digitaler Gewalt konfrontiert - dem Schwerpunkt-Thema der Orange Days 2025. Technologiegestützte geschlechtsspezifische Gewalt im Internet wird zunehmend als Waffe eingesetzt, um Frauen zu belästigen, zum Schweigen zu bringen und ihnen zu schaden. KI-generierte Deepfakes, Cyberstalking, Doxxing und Online-Drohungen schüren Ängste und gefährden Leben.
Lucina Di Meco, Expertin für Geschlechtergleichstellung bei UN Women, hat geschlechtsspezifische Desinformation im Internet als "die Verbreitung irreführender oder unrichtiger Informationen und Bilder über weibliche Politikerinnen, Journalistinnen und weibliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens" beschrieben, die sich auf Frauenfeindlichkeit und gesellschaftliche Stereotypen stützt und "sie als unzuverlässig, unintelligent, emotional/wütend/verrückt oder sexualisiert darstellt".
Gewalt gegen Frauen hält an
Auf den Philippinen war die Journalistin Maria Ressa wegen ihrer Berichterstattung über Korruption unter dem damaligen Präsidenten Rodrigo Roa Duterte (2016-2022) anhaltenden digitalen Angriffen durch Bots, Fake-Accounts und Hasskampagnen ausgesetzt.
Ihre Kollegin in Brasilien, die investigative Journalistin Patricia Campos Mello, wurde nach ihrer Berichterstattung über die Präsidentschaftskampagne von Jair Bolsonaro vielfach online belästigt. Sie wurde sexuell beleidigt und mit Vergewaltigung bedroht. Außerdem kursierten im Netz diffamierende Videos, in denen sie als Prostituierte bezeichnet wurde.
Im September 2025 wurde der Femizid an zwei jungen Frauen und einer Teenagerin in Argentinien nach einem Streit mit einer Drogenbande über eine private Social-Media-Gruppe live an etwa 45 Personen übertragen. Das Video sollte Berichten zufolge als "Warnung" vor Drogendiebstahl dienen.
Der Vorfall löste weltweit Entsetzen aus und spiegelte - über Grenzen und Plattformen hinweg - die anhaltende geschlechtsspezifische Gewalt wider. 65 Jahre nach dem Mord an den Mirabal-Schwestern ist der 25. November weiterhin ein Tag, an dem weltweit an diese Realität erinnert wird.
Adaption aus dem Englischen: Suzanne Cords