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Politik

Gewalt in Nahost reißt nicht ab

15. Mai 2021

Die Raketenangriffe zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen dauern unvermindert an. Amerikanische und arabische Diplomaten versuchen, die Situation zu beruhigen.

Gaza Luftangriff Israel
Raketeneinschlag in Gaza-StadtBild: Ashraf Amra/Zuma/picture alliance

Zuletzt wurde in einem Vorort von Tel Aviv ein Israeli durch Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen getötet. Der 50-Jährige sei bei dem Angriff militanter Palästinenser auf Ramat Gan am Samstagmittag schwer verletzt worden und habe nicht mehr wiederbelebt werden können, teilten die israelische Polizei und Rettungskräfte mit.

Seit Montag wurden mehr als 2000 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Vor dem Tod des Mannes in Ramat Gan hatten die israelischen Behörden von mindestens neun Todesopfern und mehr als 560 Verletzten in Israel berichtet.

Ramat Gan bei Tel Aviv: Raketen aus dem Gazastreifen schlugen in dem Wohngebiet einBild: Nir Elias/REUTERS

Das israelische Militär griff seinerseits seit Montag rund 800 Ziele im Gazastreifen an. 139 Menschen wurden nach Angaben palästinensischer Behörden getötet, darunter 39 Kinder. Fast 1000 weitere Menschen erlitten Verletzungen.

USA schicken Sondergesandten

Regionale Bemühungen um ein Ende der Kampfhandlungen blieben bisher erfolglos. Nun setzen sich die USA für eine Deeskalation ein. Der Gesandte von US-Präsident Joe Biden, Hady Amr, stellvertretender Staatssekretär für israelische und palästinensische Angelegenheiten, kam am Freitag in Israel an. Zunächst will er in Jerusalem mit israelischen Regierungsvertretern sprechen.

Im Anschluss will er für ein Treffen mit palästinensischen Verantwortungsträgern ins Westjordanland weiterreisen. Amr werde bei beiden Seiten für "nachhaltige Ruhe" werben, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums in Washington. Außenminister Antony Blinken hatte Amr gebeten, sich mit Vertretern beider Seiten zu treffen.

Der US-Gesandte Hady Amr traf am Freitag in Israel ein Bild: U.S. Palestinian Affairs Unit

Biden telefoniert mit Netanjahu und Abbas 

In einem Telefonat mit Biden betonte der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu, seine Regierung tue "alles", um in dem Konflikt Schaden für Unbeteiligte zu vermeiden. Biden telefonierte erstmals seit seinem Amtsantritt im Januar auch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Ein Sprecher des palästinensischen Präsidialamts nannte das Telefonat "wichtig", machte dazu aber keine inhaltlichen Angaben. 

Zuvor hatte sich Ägypten als Vermittler für eine Feuerpause angeboten. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus ägyptischen Sicherheitskreisen erfuhr, lehnte Israel das ägyptische Angebot jedoch ab. Israel und Ägypten halten den Gazastreifen unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen. Die dort herrschende islamistische Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Ihr erklärtes Ziel ist die Zerstörung Israels.

Ägypten nimmt verletzte Palästinenser auf

Aus Medizinerkreisen hieß es, Ägypten habe die Grenze zum Gazastreifen wieder geöffnet, um verletzte Palästinenser aufzunehmen. Zehn Krankenwagen wurden über den Rafah-Grenzübergang in das Gebiet geschickt, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet. Die bei israelische Luftangriffen verletzten Palästinenser sollen in ägyptischen Krankenhäusern behandelt werden.

Bei den israelischen Luftangriffen in der Nacht zu Samstag wurde nach Armeeangaben ein "Einsatzbüro" der Hamas nahe dem Zentrum von Gaza getroffen. Auch unterirdische Abschussanlagen wurden demnach bombardiert. Bei einem Angriff im Westen des Gazastreifens wurden nach Angaben von Ärzten zehn Familienmitglieder getötet: Acht Kinder und zwei Frauen starben demnach, als ein dreistöckiges Gebäude im Flüchtlingslager Al-Schati einstürzte.

Ziel dieses Angriffs war nach Militärangaben ein hochrangiger Führer der Hamas. Oberstleutnant Jonathan Conricus, Sprecher des israelischen Militärs, sagte der Deutschen Welle, den Namen des Hamas-Kommandeurs könne er nicht bekannt geben. Zugleich machte Conricus die Strategie der Hamas für den Tod von Zivilisten verantwortlich, die von den Terroristen als "menschliche Schutzschilde" missbraucht würden. 

Ashkelon: Die meisten Raketen der Hamas werden vom israelischen Abwehrsystem abgefangenBild: Amir Cohen/REUTERS

Auch ein 14-stöckiges Hochhaus, in dem Medienunternehmen wie Associated Press ihre Büros hatten, wurde am Samstag zerstört. Berichten zufolge waren die Bewohner zuvor aufgefordert worden, das Gebäude zu verlassen. Den Angaben zufolge hatte auch der katarische TV-Sender Al-Dschasira ein Büro dort. Die israelische Armee teilte mit, Kampfjets hätten ein Hochhaus angegriffen, in dem der Militärgeheimdienst der islamistischen Hamas über "militärische Ressourcen" verfügt habe. "In dem Gebäude liegen Büros ziviler Medien, hinter denen die Terrororganisation Hamas sich versteckt." Die Hamas positioniere ihre militärischen Mittel absichtlich im Herzen dicht besiedelter Wohngebiete im Gazastreifen.

uh/se (dpa, rtr, afp, DW)

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