1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Gibt es schon bald eine Impfung gegen Krebs?

7. November 2023

In wenigen Jahren wollen Biotech-Firmen Impfungen gegen Krebs auf den Markt bringen. Möglich wurde dies durch die mRNA-Technologie.

mRNA Impstoff / Symbolfoto Impfung
mRNA-Impfstoffe könnten CAR-T-Zellen unterstützen, um Tumorzelle leichter zu finden und zu bekämpfen.Bild: Steven Heap/Zoonar/picture alliance

Die mRNA-Technologie hat in wenigen Jahren die Medizin revolutioniert. In der Corona-Pandemie konnten dank dieser Technologie innerhalb weniger Monate hochwirksame Impfstoffe gegen den SARS-CoV2-Erreger entwickelt werden.

Und selbst wenn das Virus weitere aggressive Mutationen entwickelt, könnten in kurzer Zeit dank der mRNA-Technologie erneut passgenaue Impfstoffe entwickelt werden. Aber die jüngst mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnete Technologie kann eben noch so viel mehr.

Gibt es bald Krebs-Impfstoffe?

Die mRNA-Technologie hat auch der Krebs-Forschung ganz neue Impulse verliehen. So will der CEO (Chief Excecutive Officer) des Biotech-Unternehmens Curevac, Alexander Zehnder, bereits in spätestens fünf Jahren eine mRNA-basierte Krebs-Impfung auf den Markt bringen.

Wenn ein Impfstoff gegen bestimmte Krebsarten entwickelt werden sollte, würde ein Menschheitstraum wahr. "An Krebsimpfstoffen wird schon seit 20 Jahren geforscht. Aber die aktuellen Fortschritte sind enorm", so Zehnder. "In der Pandemie haben wir viele Erfahrungen gesammelt und die künstliche Intelligenz ist inzwischen so gut, dass sie viele Probleme bei der Programmierung der mRNA löst", erklärt der Curavac-Chef im Interview mit der "Bild am Sonntag".

Die RNA-Technologie

02:21

This browser does not support the video element.

Die Krebsimpfungen regen das Immunsystem an, damit das körpereigene Abwehrsystem gezielt gegen die Tumorzellen ankämpft. "Das Tödliche am Krebs ist ja, dass er immer weiter wächst. Die Krebsimpfung soll das Wachstum beenden, auch wenn der Krebs schon Metastasen gebildet hat. Krebs würde dann zu einer chronischen Krankheit, mit der man noch Jahrzehnte weiterleben kann. Krebs wird kein Todesurteil mehr sein", prognostiziert Zehnder.

Wettrennen bei Impfstoffentwicklung

An einem Impfstoff gegen Krebs forschen neben Curevac auch andere Unternehmen mit Hochdruck. Anfang Oktober 2023 veröffentlichte etwa das Biotechnologieunternehmen BioNTech sehr vielversprechenden Zwischenergebnisse einer laufenden klinischen Studie. In dieser klinischen Studie wird der BioNTech-mRNA-Krebsimpfstoff CARVac bereits bei Probanden auf seine Wirksamkeit hin getestet.

Entsprechend optimistisch verkündete der BioNTech-Vorstandsvorsitzende Şahin, dass es nach seiner Schätzung bereits in den kommenden Jahren Impfstoffe gegen Krebs geben werde. "Wir glauben, dass dies in größerem Umfang für Patienten vor 2030 möglich sein wird", sagte Ugur Şahin im "Spiegel"-Interview.

Längerfristig sollen die Krebsimpfungen herkömmliche Krebs-Therapien ersetzen. Auch das wäre ein unglaublicher Segen, denn sehr häufig sind die bisherigen Strahlen- oder Chemotherapien extrem belastend für Krebs-Patienten.

"Chemo- oder Strahlentherapien bekämpfen nie nur den Tumor, sondern auch gesundes Gewebe. Deshalb gibt es da so viele Nebenwirkungen", so Zehnder. "Der Vorteil beim Einsatz von mRNA ist, dass das Immunsystem selbst stimuliert wird, gezielt nur den Krebs bekämpft und sonst nichts."

Längerfristig sollen die Impfungen herkömmliche Krebs-Therapien wie die belastenden Strahlen- oder Chemotherapien ersetzenBild: picture-alliance/dpa/W. Grubitzsch

Wie funktionieren Krebs-Impfstoffe?

T-Zellen helfen dem Körper, Infektionen zu bekämpfen, indem sie erkrankte Zellen zerstören oder andere Immunzellen zum Angriff anregen. Allerdings können T-Zellen die Krebszellen nur schwer erkennen. Das können allerdings CAR-T-Zellen.

Die CAR-T-Zell-Therapie ist in Europa seit 2018 zugelassen und wird bislang vor allem zur Behandlung von Leukämie, also Blutkrebs eingesetzt. Noch ist diese sehr wirksame Form der Immuntherapie weitgehend unerschwinglich. Die Hersteller verlangen laut Deutschem Krebsforschungszentrum bis zu 320.000 Euro für die Produktion der Immunzellen für einen Patienten.

Bei dieser Krebsimmuntherapie werden aus den Leukozyten, also aus den weißen Blutkörperchen des Patienten, die sogenannten T-Zellen herausgefiltert. Anschließend werden die T-Zellen gentechnologisch so verändert, dass sie Chimären Antigen-Rezeptor (CAR) auf der Oberfläche bilden. Es entsteht also ein Rezeptor, dessen unterschiedliche Bestandteile eigentlich nicht zusammenpassen.

Impfstoffe machen Tumorzellen sichtbar

Werden die so hergestellten CAR-T-Zellen dem Patienten wieder injiziert, docken sie gezielt an die Krebszelle an. Das Immunsystem wird aktiviert und attackiert die Tumorzellen. Künftige Impfstoffe könnten diesen Prozess unterstützen, wenn die CAR-T-Zellen die Tumorzelle nicht finden oder zu schwach sind, um sie effektiv zu bekämpfen.

Um die Krebszellen sichtbarer zu machen, wird das Protein Claudin-6 mit Hilfe der mRNA-Technologie in die Krebszelle eingeschleust. Dadurch entsteht in der Krebszelle ein Antigen, das an die Oberfläche der Tumorzelle andockt. So sind die Tumorzellen für die CAR-T-Zellen leichter zu erkennen und zu bekämpfen.

Bisher bekämpfen die modifizierte T-Zellen nur Blutkrebsarten. Die schnellen Fortschritte bei der mRNA-Technologie machen aber Hoffnung, dass neben Leukämie künftig auch wirksame und schonendere Therapien bei anderen Krebsarten möglich werden. Vielversprechende Ansätze beinhalten etwa Impfstoffe gegen Hautkrebs (Melanom), Lungenkrebs, Brustkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs. 

 

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen