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Was piept denn da?

Jennifer Seitz10. März 2015

Mit Fernglas und Bestimmungsbuch ziehen Vogelkundler durch Wald und Wiesen. “Birding” ist weltweit ein sehr beliebtes Hobby. Drei leidenschaftliche “Birder” erklären, was an den gefiederten Freunden so besonders ist.

Ein Vogel in einem Baum
Viele Vogelbeobachter versuchen innerhalb eines Jahres so viele verschiedene Vogelarten zu sichten wie möglichBild: Ruth Miller / Alan-Davies

Es ist 4:30 Uhr am Morgen, kurz vor Sonnenaufgang. Warmer Wind bläst aus südöstlicher Richtung über die Nordspitze der niederländischen Nordseeinsel Texel. Direkt neben dem Zelt singt sich eine Nachtigal die Seele aus dem Leib. Zeit zum Aufstehen. Vor dem Zelt pfeift und fiept es, Sperlingsvögel, wohin man schaut. Trauerschnäpper, Rotschwänzchen, Baumpieper und Braunkehlchen. Sie sind überall.

So stellt sich #link:http://arjandwarshuis.com/:Arjan Dwarshuis# den perfekten Start in den Tag vor. Seit seinen frühesten Kindertagen ist der junge Archäologie-Student aus Amsterdam leidenschaftlicher Vogelbeobachter.

"Als Kind starrte ich voller Ehrfurcht auf diese gefiederten Wunder, wenn sie zur Futterstelle in unserem Garten kamen", schwärmt Arjan.

Das erste Vogelbestimmungsbuch und ein altes Fernglas seines Großvaters waren für ihn eine Offenbarung. Nun sah er im Garten nicht mehr nur hübsche bunte Vögel. Plötzlich hatten sie Namen: Blaumeisen, Drosseln und Buntspechte. Seitdem vergeht kaum eine freie Minute, die er nicht der Vogelbeobachtung widmet.

In den vergangenen 20 Jahren hat er beinahe die Hälfte der rund 10.000 weltweit bekannten Vogelarten gesehen und er ist sich sicher, dass er diesem Hobby für den Rest seines Lebens nachgehen will. Vielleicht, so hofft er, gelingt es ihm irgendwann mit seiner Leidenschaft Geld zu verdienen. Sein bislang größtes Abenteuer könnte ihm den Weg dorthin ebnen.

5000 Arten, 22 Länder, 1 Rekord

Denn Arjan bereitet sich gerade auf ein so genanntes ‘Big Year’ vor, Traum eines jeden Vogelforschers. Ziel ist es, innerhalb eines Jahres so viele verschiedene Vogelarten zu sichten wie möglich. 2016 soll es los gehen. Arjan hat sich vorgenommen, im Laufe des Jahres 22 Länder auf der ganzen Welt zu durchqueren und ganze 5000 Vogelarten zu finden.

So will er den Weltrekord der Briten #link:http://www.birdwatchingtrips.co.uk:Alan Davies und Ruth Miller# brechen. 2008 bekamen sie 4341 verschiedene Arten zu Gesicht. Auch sie sind Vogel-Fans seit sie denken können und konnten dieser Leidenschaft sogar beruflich nachgehen; beide arbeiteten für die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB).


Wie der Name vermuten lässt, ist das Ziel dieser Organisation der Schutz von Vögeln. Und das geht nur, wenn deren Lebensräume geschützt werden. Dazu zählen Flüsse, Seen, Wälder, Sümpfe oder Küstenklippen.

Arjan Dwarshuis findet die Vögel überallBild: Friso Boven

"Die RSPB schützt diese Landschaften vor der Zerstörung oder Bebauung. Damit ist nicht nur den Vögeln geholfen, sondern der kompletten Artenvielfalt, die diese Habitate beherbergen", so Ruth und Alan.

Obwohl sie gern für RSPB arbeiteten, merkten sie bald, dass sie zu viel Zeit in Meetings verbrachten und nur noch selten Vögel beobachteten. Sie entschieden sich, ein Jahr lang Urlaub zu machen, gemächlich die Welt zu durchstreifen und ein paar Vögel zu sehen.

"Erst ein Freund brachte uns auf die Idee, ein Big Year zu machen und einen neuen Weltrekord aufzustellen. Er sagte, wenn wir diese Reise schon planen, könnten wir wenigstens etwas 'Sinnvolles' daraus machen", erklären Alan und Ruth.

Die beiden gaben also ihre Jobs auf und verkauften ihr Hab und Gut. Von der ersten Idee bis zum Start brauchten sie ganze 18 Monate zur Vorbereitung der Reise. Die führte sie dann durch 27 Länder und bescherte ihnen unglaubliche Abenteuer. Denn, wer denkt, Vogelbeobachtung wäre eine langweilige Beschäftigung, der habe sich getäuscht, sagen sie. Es kann sogar lebensgefährlich werden.

Freude und Leid liegen nah beieinander

"In Südafrika wurden wir von einem Buschfeuer eingeschlossen. Der Wind trieb die Flammen so schnell voran, dass wir nicht mehr entkommen konnten. Wir suchten in einem Gebäude Schutz. Es war von Flammen umgeben, die Luft war voller Rauch, und es fiel uns schwer zu atmen. Wir dachten wirklich wir sterben", erzählen Alan und Ruth. "Als der Wind drehte, waren wir in Sicherheit. Doch 14 andere Menschen starben in den Flammen."

Es war das schlimmste Erlebnis, das die beiden während ihres Weltrekordversuchs durchmachten. Doch nichts ist kraftvoller als die Erinnerung an die schönen Stunden. Das weiß auch Arjan Dwarshuis.

"Als ich auf 4500 Höhenmetern in den Peruanischen Anden, gebeutelt von Höhenkrankheit, endlich diesen unwahrscheinlich schönen Diademregenpfeifer sah, habe ich vor Freude geweint. Das war eine unglaubliche Erfahrung", sagt er.

Vogelbeobachtung als Meditation

So wie Ruth, Alan und Arjan empfinden Millionen Menschen weltweit. Allein die USA zählten 2011 47 Millionen Vogelbeobachter. Und es werden immer mehr. Für Arjan ist das ganz plausibel.

"Es ist das coolste Hobby überhaupt. Es bringt dich an die tollsten Plätze der Erde, und du weißt nie, was dich erwartet. Es bringt dir bei, dich besser auf dich und deine Umwelt zu fokussieren. Für mich ist es eine Art Meditation, eine entspannende Pause vom hektischen Stadtleben", erklärt er begeistert.


Und auch Alan und Ruth sehen viele Vorteile in ihrer Leidenschaft. Sie leisten einen großen Beitrag für den Umweltschutz. Denn wenn ein Habitat geschützt werden soll, ist es wichtig, dass die Menschen sich dafür interessieren. Aber sie werden sich nur dafür interessieren, wenn sie es kennen. Und kennen lernen können sie es nur, wenn sie lernen es zu sehen, so ihre Überzeugung.

Ein Baumpieper macht eine PauseBild: Frank Vassen /CC BY 2.0

"Wenn du einmal die Erfahrung gemacht hast, einen wunderschönen Vogel in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten, wirst du viel mehr darauf achten, diese Umgebung zu schützen", erklären die beiden weiter.

Es wird teurer, als du denkst

Und auch Arjan hat sich in Sachen Umweltschutz viel für seine kommende Reise vorgenommen. Während seines Big Year wird er 50 verschiedene Projekte besuchen, die sich mit den meist bedrohten Vogelarten und Ökosystemen der Welt beschäftigen. In seinem Blog will er über diese Projekte und seine Erlebnisse berichten. So können alle Interessierten an seinem Abenteuer teilhaben und auch helfen.

Eine Gruppe von VogelbeobachternBild: Menxiu Tong

"Ich werde den Menschen zeigen, dass die Natur sie braucht, um erhalten zu bleiben. Und, dass sie auch deren Geld braucht", erklärt Arjan entschlossen.

Ein Jahr der Vorbereitung und Reiseplanung liegt nun noch vor ihm. Alan und Ruth raten ihm vor allem, viel mehr Geld einzuplanen, als ursprünglich veranschlagt. Ihnen selbst ist das Geld nämlich während ihrer Reise ausgegangen und sie mussten einige Länder auslassen, die sie gern besucht hätten. Das Allerwichtigste sei aber, dass Arjan seine Reise und die wundervollen Vögel genießt.

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