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HandelAfrika

Wer profitiert von Afrikas neuem Goldrausch?

Cai Nebe
8. Februar 2026

Der Goldpreis hat schwindelerregende Höhen erreicht - und weltweit Begehrlichkeiten geweckt. Afrika fördert mehr Gold als jeder andere Kontinent - doch die hohe Nachfrage ist Chance und Risiko zugleich.

Ein Gold-Nugget und ein Bauxit-Brocken liegen auf einer altertümlichen Landkarte, auf der der Name Africa zu lesen ist
In Afrika liegt mehr Gold als auf jedem anderen Kontinent der ErdeBild: IMAGO/Pond5 Images

Der Goldpreis erklimmt an den Weltmärkten derzeit schwindelerregende Höhen: Über das Jahr 2025 stieg er um 65 Prozent; Ende Januar 2026 wurde das Edelmetall kurzzeitig zu einem Rekordpreis von 5.589 US-Dollar (4.705 Euro) pro Feinunze gehandelt. Anschließend rutschte der Kurs wieder etwas ab; wohl auch wegen Käufern, die sich ihre Kursgewinne auszahlen lassen wollten. Gerade erholt sich der Preis wieder etwas.

"Die Unsicherheiten im Markt und in der Welt sind einfach größer geworden", sagte Salah-Eddine Bouhmidi, Online-Broker der IG Bank am Finanzplatz Frankfurt, Ende Januar der DW. "Dementsprechend wird Gold als sicherer Hafen angesteuert, wie die immense Nachfrage gerade zeigt."

Trotz einiger Schwankungen: Die weltweite Nachfrage nach Gold motiviert nicht zuletzt auch Afrikas Goldproduzenten, ihre Fördermengen zu erhöhen. So hat Burkina Faso mit 94 Tonnen im Jahr 2025 so viel Gold gefördert wie nie zuvor - das sind mehr als 30 Tonnen mehr als im Vorjahr.

Der neue Goldrausch als Chance für Afrika

Afrika fördert mehr als ein Viertel des weltweiten Ertrags - und damit mehr als jeder andere Kontinent. Marvellous Ngundu vom südafrikanischen Institut für Sicherheitsstudien (ISS) sagte der DW, Afrika könnte von den Einnahmen aus Exporten, Steuern und Devisen profitieren. "Dafür müssen aber die illegalen Abflüsse und verdeckten Geldströme im Zusammenhang mit Gold trockengelegt werden", sagte Ngundu.

Aktuell reformiert Ghana sein Bergbaugesetz, um einen größeren Anteil der Goldgewinne in die Staatskassen umzulenken. Denn aktuell verdient der Staat nur wenig durch Steuern und Lizenzgebühren.

In Ghana sind ausländische Bergbauunternehmen wie Newmont, AngloGold Ashanti und Gold Fields aktiv. Bislang läuft das über sogenannte Stabilitäts-Vereinbarungen: Sie setzen Lizenzgebühren über Zeiträume zwischen fünf und 15 Jahren fest. Unternehmen investieren meist zwischen 300 Millionen und 500 Millionen US-Dollar, um neue Minen zu erschließen oder bestehende auszubauen.

Isaac Tandoh, kommissarischer Geschäftsführer der ghanaischen Mineralienkommission, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Lizenzen würden nicht automatisch erneuert, sondern dies seien an Bedingungen geknüpft. Läuft eine Stabilitäts-Vereinbarung aus, müssen Unternehmen sich verpflichten, die Mine mindestens weitere drei Jahre offenzuhalten. "Wir haben beobachtet, wie Firmen ihre Gewinne aus Ghana nutzten um im Ausland Minen zu kaufen, während sie hier grundlegende Zahlungen etwa an lokale Gremien verweigerten. Das darf so nicht weitergehen", sagte Tandoh.

In Tansania machen Goldexporte mehr als 90 Prozent der gesamten Mineralien-Ausfuhren ausBild: Luis Tato/AFP/Getty Images

Mehr staatliche Kontrolle über Bodenschätze - das sehen auch Gesetzesänderungen in Mali, der Demokratischen Republik Kongo sowie Tansania vor. Denn die Goldvorkommen wecken Begehrlichkeiten: So investieren etwa auch China und Russland verstärkt in Goldminen, auch in den Sahel-Staaten. Im vergangenen Jahr schloss die Junta in Burkina Faso einen Vertrag mit dem russischen Bergbauriesen Norgold, der nun die Goldmine Bissa-Bouly nördlich der Hauptstadt Ouagadougou ausbeuten darf.

Wegen solcher Entwicklungen sieht ISS-Analyst Ngundu im hohen Goldpreis ein zweischneidiges Schwert für Afrika: "Zufallsgewinne durch Gold können zur Überbewertung von Währungen führen und andere Exporte verdrängen, wenn sie nicht reguliert werden. Am Ende dieses Quartals werden wir hohe afrikanische Exportgewinne sehen, vor allem aus Gold exportierenden Ländern."

Afrikas Paradoxon: Unterirdischer Reichtum, leere Staatskassen

Von Afrikas riesigen Goldvorkommen ist in den Tresoren der Zentralbanken wenig zu sehen: Insgesamt halte der Kontinent nur zwei Prozent der Goldreserven, sagt Ngundu: "Gold ist eine eigenständige Währung. Es bestimmt die monetäre Autonomie eines Landes."

Zum Vergleich: Die größten Goldreserven besitzen mit 8133 Tonnen die USA, gefolgt von Deutschland, Italien und Frankreich. Afrikas größte Goldreserven liegen in Algerien, nämlich 174 Tonnen. Das im Goldbergbau traditionsreiche Südafrika hat 125 Tonnen Gold eingelagert.

Als weiteres Problem macht Ngundu aus, dass das Gold oft im Rohzustand exportiert wird und die Wertsteigerung andernorts stattfindet. "Der eigentliche Wert liegt dann in anderen Ländern, die den Reinheitsgrad erhöhen und das Gold als Reserven behalten", sagte der ISS-Experte. Als Ausweg dafür schlägt er eigene Raffinerien vor, um Feingold in Afrika herzustellen. Außerdem müsste der illegale Goldbergbau gestoppt werden, durch den Profite komplett an den afrikanischen Bevölkerungen vorbeigeschleust werden.

Der "Ressourcen-Fluch": Wie Gold lokale Spannungen anheizt

Wie auch andere afrikanische Länder leidet Ghana unter illegalem Bergbau jenseits staatlicher Aufsicht. Oft unter desaströsen Umwelt- und Arbeitsbedingungen wird heimlich Gold abgebaut, ohne dass der Staat und letztlich die lokale Bevölkerung an den Profiten beteiligt wird. Der illegale Bergbau hat durch den Rekord-Goldpreis ebenfalls neue Höhenflüge angetreten.

Illegaler Goldabbau in Ghanas Upper East RegionBild: Maxwell Suuk/DW

Und vom illegalen Bergbau ist es oft nicht weit hin zu organisiertem Verbrechen und wachsender Unsicherheit. In Südafrika nehmen gewalttätige Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und sogenannten "Zama Zamas" zu, also Arbeitern in illegalen Minen, die oft von Gangs kontrolliert werden.

Die Goldminen sind auch ein Faktor im seit 2023 andauernden sudanesischen Bürgerkrieg. Sie wecken Begehrlichkeiten bei den Kriegsparteien und bei ihren internationalen Unterstützern, während die Arbeitssicherheit im Sudan immer prekärer wird. Kürzlich berichtete die Nachrichtenagentur AFP über einen Arbeitsunfall mit 13 Toten. Die staatliche Bergbaugesellschaft SMRC erklärte, einige Arbeiter hätten illegal in verlassenen Schächten gearbeitet.

Mapped Out: Wie Gold den Krieg im Sudan anheizt

16:09

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Der Konflikt zwischen Sudans regulärer Armee und der früheren Spezialeinheit RSF bremst die Aktivitäten insgesamt keineswegs aus: Für 2025 vermeldete die SMRC ein Fünf-Jahres-Hoch bei der Goldproduktion; die Fördermenge betrug demnach 70 Tonnen. Analysten zufolge werden große Teile illegal außer Landes geschmuggelt, und zwar hauptsächlich in die Vereinigten Arabischen Emirate - die Nummer Zwei im weltweiten Goldhandel.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

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