Faszination Gold: Eine Toilette für 10 Millionen Dollar
18. November 2025
Eine Toilettesorgt für Schlagzeilen. Der Grund: Sie besteht aus massivem 18-karätigen Gold und wird am 18. November bei Sotheby's versteigert, mit einem Startgebot von rund 10 Millionen Dollar.
Die voll funktionsfähige Toilette wurde vom italienischen Künstler Maurizio Cattelan geschaffen. Cattelan ist auch für seine mit Klebeband befestigte Banane bekannt, die 2024 bei einer Auktion für 6,2 Millionen Dollar verkauft wurde. Das goldene Klo-Kunstwerk, das als Kommentar zu übermäßigem Reichtum gilt, trägt einen Namen, der auch zum derzeitigen US-Präsidenten führt: "America".
Denn Gold scheint im Weißen Haus gerade voll im Trend zu sein. Von den goldenen Nippesfiguren auf dem Kaminsims im Oval Office über die goldenen Wasserhähne und Armaturen im frisch renovierten Lincoln-Badezimmer bis hin zu den goldenen Schriftzügen an Wänden und Eingängen - Donald Trump kann anscheinend gar nicht genug von dem glänzenden Metall bekommen.
Auch wenn seine Stilentscheidungen nicht jedem gefallen - mit seiner offensichtlichen Begeisterung für Gold ist er nicht allein. Diese Faszination hat tiefe historische und kulturelle Wurzeln. Gold fasziniert die Welt seit Jahrtausenden. Jede Zivilisation hat es in irgendeiner Form geschätzt und ihm eine besondere Bedeutung und Kraft zugeschrieben.
Eine uralte Obsession
Die ältesten Goldfunde stammen aus der Zeit vor etwa 6.500 Jahren. Sie sind als "Goldschatz von Varna" bekannt und wurden 1972 in Bulgarien in einer Grabstätte entdeckt.
Die Goldartefakte - darunter Schmuck, Dekorationen, Werkzeuge und Waffen und sogar eine goldene Penishülle - befanden sich in nur wenigen Gräbern, was auf frühe soziale Hierarchien hindeutet. Schon damals stand Gold für Status, Macht und Reichtum.
Und nicht nur in Europa: Ähnliche Grabfunde aus dem Mapungubwe-Königreich im heutigen Südafrika, die auf die Zeit zwischen 1050 und 1270 n. Chr. datiert werden, zeigen, dass dies auch dort ein Zeichen für den sozialen Status war.
Die Inka- und Aztekenreiche schränkten sogar gesetzlich ein, wer Gold tragen durfte.
"Bei solchen Schmuckstücken ging es größtenteils darum, Identitäten zu etablieren; sie dienten dazu, Status, Privilegien, Abgrenzung und Unterschiede zu untermauern", schreibt Joanne Pillsbury, Kuratorin für antike amerikanische Kunst am Metropolitan Museum in New York City.
Gold: Das Metall der Götter
Die besondere Bedeutung von Gold hat seit jeher auch mit dem Göttlichen zu tun. Überall auf der Welt schmückt Gold die Insignien von Herrschern, die Kuppeln und Türme von Kirchen sowie die Fassaden von Tempeln. Damit symbolisiert es das Königliche, Himmlische und Ewige.
Die alten Ägypter glaubten, dass das Fleisch der Götter aus Gold bestand, während alte amerikanische Zivilisationen dachten, dass seine Verwendung eine Möglichkeit sei, eine Brücke zwischen der irdischen und der übernatürlichen Welt zu schlagen. Die alten Griechen personifizierten Gold sogar als Gott, Chrysos.
Der antike griechische Lyriker Pindar schrieb im 5. Jahrhundert v. Chr.: "Gold ist ein Kind des Zeus; weder Motten noch Rost fressen es, aber der Verstand des Menschen wird von diesem höchsten Besitz verschlungen." Schon damals also konnte man den menschlichen Hang zu Gier und Goldrausch beobachten.
Der Superheld unter den Metallen
Die symbolische Kraft von Gold liegt in seiner tatsächlichen Kraft begründet - seinen einzigartigen Eigenschaften. Es ist ein sogenanntes "Edelmetall", was bedeutet, dass es korrosions- und anlaufbeständig ist, von den meisten Säuren nicht angegriffen wird und in der Natur in seiner Rohform vorkommt. Gold muss nicht verarbeitet werden, um zu glänzen; es ist einfach da, strahlend inmitten von Felsen und Erde.
Gold ist außerdem sehr dicht und wiegt pro Kubikzentimeter deutlich mehr als Silber, Eisen, Kupfer und Blei. Obwohl es sich schwer anfühlt, ist es ein vergleichsweise weiches Metall, das sich leicht bearbeiten lässt. Es kann extrem dünn gehämmert oder gepresst und zu feinsten Drähten gezogen werden und leitet sowohl Wärme als auch Elektrizität. Schmilzt man einen Gegenstand aus Gold, kann er sofort neu geformt werden.
Kurz gesagt, es ist vielseitig und nahezu unzerstörbar, eine Art attraktiver, formwandelnder ewiger Superheld unter den Metallen.
Und natürlich ist Gold selten. Es wird allgemein geschätzt, dass das gesamte jemals in der Geschichte geförderte Gold zusammen einen einzigen Würfel mit einer Seitenlänge von nur 22 Metern ergeben würde.
Reich beschenkt mit Gold
Diese Knappheit hat dazu beigetragen, dass das Metall im Lauf der Geschichte seinen Wert behalten hat. Auch deshalb gilt es als stabile langfristige Investition, insbesondere in unsicheren Zeiten.
Goldschmuck und andere Goldgegenstände, die zu verschiedenen Anlässen in zahlreichen Kulturen weltweit verschenkt werden - von Babyschmuck in hispanischen Ländern über Sternzeichen-Symbole zum chinesischen Neujahrsfest bis hin zu goldenen Hochzeitsgeschenken in Indien - symbolisieren daher nicht nur einen Segen und den Wunsch nach Glück und Wohlstand. Sie sind auch ein Geschenk von materiellem Wert, das dem Beschenkten ein gewisses Maß an finanzieller Handlungsfähigkeit für die Zukunft verschaffen soll.
Für manche, wie die in New York lebende Autorin Nadya Agrawal, hat dieser Reichtum eine tiefere symbolische Bedeutung. "Für meine Großmütter war es Ausdruck ihres Feminismus, mir Gold als Investition in meine zukünftige Sicherheit zu schenken. Auf diese Weise haben sie in einer stark patriarchalisch geprägten Welt ein Matriarchat aufrechterhalten", erklärte sie in einem Essay, in dem sie sich mit dem Gold befasste, das sie als Neugeborene gemäß indischem Brauch erhalten hatte.
Zu viel des Guten?
Doch trotz seiner zeitlosen Schönheit und Wertigkeit hat die positive Symbolik von Gold auch ihre Grenzen. Zu viel davon, falsch eingesetzt, kann auch negativ wahrgenommen werden.
Der antike griechische König Midas ist vielleicht das älteste Beispiel dafür. Der Mythos besagt, dass die Götter ihm die Fähigkeit verliehen, alles, was er berührte, in Gold zu verwandeln - eher ein Fluch als ein Segen, da auch seine Nahrung und sogar seine Familienmitglieder verwandelt wurden.
Heutzutage kann das betonte Zurschaustellen von Gold einen Mangel an gutem Geschmack und/oder Klasse vermitteln.
Wie etwa bei dem indischen Geschäftsmann Datta Phuge, der 2013 berühmt wurde, weil er ein Hemd aus 3 Kilogramm Gold trug, das damals etwa 250.000 Dollar kostete. Einige bewunderten es, andere lehnten es verächtlich als übertrieben ab, erzählte er damals der BBC.
Heute werden Donald Trumps goldene Dekorationen im Oval Office im Netz verspottet - es kursieren sogar Gerüchte, dass es sich dabei um bemalte Plastikapplikationen aus dem Baumarkt handele.
Während einer Besichtigung des Büros fragte ihn ein Moderator von Fox News direkt, ob dies der Fall sei, was Trump jedoch verneinte. "Wissen Sie, was das Besondere an Gold ist?", sagte er. "Man kann Gold, echtes Gold, nicht imitieren. Es gibt keine Farbe, die Gold imitieren kann."
Letztlich lässt sich Gold - sein zeitloser Wert und seine potenzielle Kitschigkeit - vielleicht am besten mit den Worten des Historikers Peter Bernstein zusammenfassen: "Nichts anderes ist gleichzeitig so nutzlos und so nützlich." Sagen Sie das mal dem zukünftigen Besitzer einer goldenen Toilette.
Adaption aus dem Englischen: Katharina Abel