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HandelGlobal

Goldpreis im Höhenrausch?

Dirk Kaufmann
13. Juli 2026

In jüngster Zeit häufen sich die Vorhersagen, der Preis für das Edelmetall werde einen Rekord nach dem anderen erklimmen - sogar von einer Verdoppelung in fünf Jahren ist die Rede. Doch wie realistisch ist das wirklich?

Goldbarren auf einem schwarzen Tisch mit weißer Beleuchtung aus dem Hintergrund in einem Tresorraum
Wie man sein Geld in Sicherheit bringen kann: In Form von Goldbarren, die in einer Bank liegenBild: Angelika Warmuth/REUTERS

In den vergangenen Jahren ist der Preis für Gold kontinuierlich gestiegen. Von der gegenwärtigen Marktberuhigung (siehe Grafik unten) abgesehen hat der Kurs seit Jahren nur eine Richtung gekannt: nach oben. Seit 2020 ist der Goldpreis von 1585 US-Dollar pro Unze auf über 4500 US-Dollar pro Unze gestiegen.

Geld sollte keinen Wertverlust erleiden - durch Inflation. Idealerweise soll es sich von allein mehren - dank der Zinsen. Das ist zur Zeit allerdings nicht sehr aussichtsreich, da die Leitzinsen eher niedrig sind. Da sollte man sein Vermögen sicher parken - in Edelmetall eben. Und eine erhöhte Nachfrage treibt natürlich den Preis.

Ökonomen der Deutschen Bank haben aufgezeigt, dass weltweit Zentralbanken vermehrt Gold kaufen. In einer am 27. April veröffentlichten Studie stellen sie fest, dass China, Russland, Indien und die Türkei sowie Zentralbanken in Schwellenländern ihre Goldreserven aufstocken. Deshalb könnte Gold bis 2031 sogar die Marke von 8000 US-Dollar erreichen - den aktuellen Preis also verdoppeln.

Ein neuer Player: Kryptos

Bevor man nach vorne schaut, sollte man sich fragen, wie es überhaupt zur aktuellen Lage gekommen ist. Wie also kam es zur Gold-Hausse der letzten Jahre? Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sieht als Gründe "Zinssenkungsphantasien und ein schwächerer US-Dollar, starke Käufe der Notenbanken sowie eine hohe Nachfrage nach Münzen und Barren".

Die Welt im Goldrausch

02:29

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Außerdem, so Schallenberger zur DW, gäbe es jetzt einen relativ neuen Marktteilnehmer: Kryptowährungen. Sie entwickelten sich "mehr und mehr als wichtige neue Nachfragegruppe, da auch diese ihre Assets diversifizieren (u.a. mit Gold-Käufen). Sollte sich der Siegeszug dieser Anlageklasse fortsetzen, könnte auch das für stärkeren Rückenwind beim Goldpreis sorgen."

Michael Hsueh, Edelmetallanalyst bei Deutsche Bank Research und einer der Autoren der eingangs erwähnten Studie, unterscheidet zwischen "unelastischen" und "elastischen" Nachfragern. Er habe beobachtet, dass die stabilen, unelastischen Käufer wie Notenbanken die "elastischen" Kunden (das sind Privatleute wie etwa Schmuckkäufer) verdrängt hätten. Diese stabile Nachfrage sei ein "Schlüsselfaktor für die Goldstärke im Zeitraum 2021 bis 2025".

Auch Schmuckkäufer treiben den Goldpreis, gilt Gold doch als sicherer WerterhaltBild: Fatemeh Bahrami/Anadolu/picture alliance

"Haupttreiber der Goldpreisrally der letzten Jahre", schrieb dagegen Thomas Kulp, Research Analyst bei der DZ BANK, der DW, "waren die Anhäufung geopolitischer Unsicherheiten. Der 'Sichere-Hafen'-Aspekt des Goldes einerseits und der Status als Garant der Unabhängigkeit andererseits waren somit die wichtigsten Nachfragetreiber. "

Ist der Hafen noch sicher?

Gold gilt seit jeher als ein probates Mittel, sein Geld in Sicherheit zu bringen. Es kann sich zwar nicht mehren und ist spekulationsabhängig - doch auf jeden Fall ist das Edelmetall sicherer als ein Versteck unter der Matratze. Ist Gold als Sicherer Hafen aber noch zeitgemäß?

Nein, meint Frank Schallenberger. In großem Stil sei das keine gute Idee - als Absicherung jedoch nicht zu verachten: "Ein Anteil von fünf oder zehn Prozent Gold an einem Depot ist sicher keine schlechte Idee, weil sich damit die Volatilität eines Depots reduzieren lässt."

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"Wir halten es für sinnvoll, Gold in großem Umfang als Wertaufbewahrungsmittel zu halten", meint dagegen Michael Hsueh von Deutsche Bank Research: "Die wichtigsten Gründe für Reservemanager (in den Notenbanken, d. Red.), Gold in ihr Portfolio aufzunehmen, sind Diversifizierung, Schutz vor geopolitischen Risiken und die Absicherung gegen Inflation."

Die Frage, ob Gold als Wertsicherung sinnvoll ist, stellt sich für Thomas Kulp von der DZ BANK nicht: "Gold ist und bleibt der ultimative sichere Hafen. In unsicheren Phasen oder Krisenzeiten ist das gelbe Edelmetall meist gefragt." Das gelte aber nicht immer, denn der Preis könne "teils deutlichen Schwankungen" unterliegen und "das sollten Anleger bei ihrer Asset Allokation stets im Hinterkopf behalten."

Ein Blick in die Glaskugel

Eine Vorhersage zu treffen ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Das gilt nicht nur für das Ausfüllen eines Lottoscheines sondern auch, wenn es um wirtschaftliche Entwicklungen geht. Träfen die Prophezeiungen meistens zu, gäbe es keine Ökonomen oder Wirtschaftsredakteure mehr, sondern nur sehr viel mehr Multi-Millionäre.

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Teilen denn die hier befragten Experte die Visionen von Deutsche Bank Research? Frank Schellenberg jedenfalls nicht: "Nein! Die kräftige Gold-Hausse, die Ende Januar ihr vorläufiges Ende gefunden hat, wurde u.a. durch hohe Käufe der Gold-ETCs oder auch deutliche Aufstockungen der Gold-Bestände der Notenbanken untermauert. Bei beiden Käufergruppen ist momentan aber etwas die Luft raus. Und ich sehe aktuell keine so starken Treiber, die vom auch jetzt noch relativ hohen Goldpreisniveau für eine Verdopplung in den nächsten fünf Jahren sorgen könnten."

Der Co-Autor der DB-Studie untermauert seine Vorhersage. "Wir haben die Goldanhäufung durch Zentralbanken der Schwellenländer als potenziellen langfristigen Treiber für Gold untersucht", so Michael Hsueh zur DW. Daher erwartet er "einen Wiederaufbau der Goldbestände in den Zentralbankreserven, der mit der "Rückkehr der Geschichte", also der Zunahme geopolitischer Unsicherheiten wie im 'Kalten Krieg' einhergeht.

Hier wird die Geldpolitik der mächtigsten Wirtschaftsnation der Welt gemacht: die US-Notenbank FedBild: Sarah Silbiger/REUTERS

Die neuen, unsicheren Zeiten führten zu einer "Rückkehr zur Untergrenze der Spanne aus der Zeit vor 1990 - also einem Goldanteil von 40 Prozent" der Notenbank-Reserven. "Unter der Annahme eines Rückgangs der Devisenreserven der Schwellenländer von acht Billionen auf fünf Billionen US-Dollar könnte dies einem nominalen Goldpreis von 8000 US-Dollar pro Unze entsprechen."

DZ Bank-Analyst Thomas Kulp ist zurückhaltend. Für ihn sind" angesichts der Entwicklung der letzten Jahre entsprechende Vorhersagen wenig überraschend". Am Horizont sieht er aber keine dunklen Wolken: "Wir erwarten auf Sicht von zwölf Monaten eine Rückkehr des Goldpreises zur 5000-US-Dollar-Marke. Die fundamentalen Nachfragetreiber sind intakt. Daher ist auch unser langfristiger Blick auf den Goldpreis positiv."

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