Golf: Europa triumphiert gegen USA beim Ryder Cup
29. September 2025
"Wir werden jetzt feiern, als gäbe es kein Morgen", sagte Rory McIlroy nach dem 15:13-Sieg Europas beim Ryder Cup auf Long Island, außerhalb von New York. Der Golf-Superstar küsste seine Frau Erica, umarmte sie innig - und badete anschließend im Champagner. Es war der erste Auswärtssieg Europas beim prestigeträchtigen Golf-Duell seit 2012.
Für McIlroy war es mehr als ein sportlicher Erfolg: Der Triumph in der feindseligen Atmosphäre von Long Island war eine persönliche Genugtuung. Während der Turniertage hatte es Pöbeleien und vulgäre Gesänge der US-Fans - vor allem gegen McIlroy und seine Ehefrau Erica Stoll. Einmal flog sogar ein voller Bierbecher nur knapp an ihrem Kopf vorbei.
Die Sicherheitslage war so angespannt, dass zusätzliche Polizeikräfte eingesetzt wurden, um alkoholisierte Zuschauer unter Kontrolle zu bringen.
Grund für die aufgeheizte Stimmung war offenbar die hohe Niederlage des US-Teams beim vergangenen Ryder Cup 2023 in Rom. Das Turnier auf Long Island sollte eine gelungene Revanche werden, doch erneut lagen die USA früh deutlich hinten. Das löste bei den Anhängern offenbar Frust aus und der Alkohol trug bei einigen Zuschauern seinen Teil dazu bei.
Zwar ist die Stimmung beim Ryder Cup generell lauter und rauer als bei normalen Turnieren, jedoch wurde diesmal eine Grenze überschritten. "Man kann sein Team unterstützen", meinte McIlroy anschließend. "Aber ich habe heute nicht viele Rufe für Scottie [Scheffler] gehört, dafür aber sehr viele gegen mich. Unterstützt eure Mannschaft, darum geht es."
"Nicht zu akzeptieren" - McIlroy über die Anfeindungen
Polizisten mit Hunden begleiteten McIlroy auf seinen Runden. Unsicher fühlte sich der Weltranglistenzweite nicht, doch die Beleidigungen seien "nicht zu akzeptieren", sagte er. "Eigentlich sollte so etwas verboten sein, das war es in dieser Woche aber offensichtlich nicht." Hinweise zur Etikette wurden zwar auf den Anzeigetafeln eingeblendet, doch sie zeigten kaum Wirkung.
McIlroy lobte seine Frau für ihre Haltung: Sie sei den Attacken mit "Klasse, Haltung und Würde" begegnet. Auch Teamkollege Shane Lowry, der den entscheidenden Putt verwandelte, zeigte sich beeindruckt: "Es ist unglaublich, was sie da draußen aushalten musste und wie sie dennoch ihren Mann und das Team unterstützt hat."
Emotionen kochen über - aber Europa bleibt Sieger
Die aufgeheizte Stimmung ging auch an den Spielern nicht spurlos vorbei. Lowry musste von seinem Caddy zurückgehalten werden, als er beinahe auf einen Fan losging. McIlroy ließ sich zu einer obszönen Geste hinreißen.
"Es war eine harte Woche für uns alle. Aber gleichzeitig haben wir sie durch unsere Leistung und unser Spiel zum Schweigen gebracht", sagte er. "Wir werden viel Spaß beim Feiern haben."
Auch die US-Spieler zeigten Verständnis. Justin Thomas meinte: "Ich glaube nicht, dass irgendjemandes Sicherheit in Gefahr war. Aber Worte tun auch weh. Es wurden definitiv einige böse Dinge gesagt."
Auch US-Präsident Donald Trump besuchte den Ryder Cup. Begleitet von seiner Enkelin Kai verfolgte er das Turnier am Eröffnungstag zunächst aus einem VIP-Bereich hinter Panzerglas und mischte sich später unter die Zuschauer.
US-Kapitän Keegan Bradley nannte Trumps Besuch "eine Ehre" und "etwas, das man nie vergisst".
Ausblick auf 2027 - Europa will Zeichen setzen
Die nächste Auflage des Ryder Cups findet 2027 in Irland statt. Shane Lowry freut sich bereits: "Das wird ein bisschen schöner sein, als hier zu spielen."
Und auch McIlroy kündigte an, dass Europa dafür sorgen werde, dass die Zuschauer dort wissen: "Was hier diese Woche passiert ist, ist nicht akzeptabel."