Golfregion: Laser gegen Drohnen
18. Mai 2026
Kürzlich entdeckten aufmerksame Beobachter aus der sogenannten "Open Source Intelligence"-Szene, die öffentlich zugängliche Informationen im Internet sammelt und interpretiert, am Flughafen von Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ein Objekt, bei dem es sich offenbar um eine chinesische Laserwaffe handelt. Die auf Fahrzeugen montierten Anlagen sollen in der Lage sein, Drohnen abzuschießen.
Bereits in den VAE stationiert ist das israelische Lasersystem "Iron Beam", das Israel den Emiraten offenbar leihweise überlassen hat. Berichten zufolge versuchen die VAE zudem, eine in den USA entwickelte Laserwaffe zu erwerben. Darüber hinaus haben sie Vereinbarungen mit europäischen und US-Unternehmen geschlossen, um eigene Laserwaffensysteme zu entwickeln.
Die VAE sind nicht der einzige Staat in der Region, der sich um Laserwaffen bemüht. Ende 2025 veröffentlichte ein Transportunternehmen Bilder militärischer Ausrüstung und machte damit unbeabsichtigt bekannt, dass auch der Oman chinesische Laserwaffen importiert.
Nach einem israelischen Angriff auf die Hauptstadt Doha im September vergangenen Jahres prüft außerdem Katar offenbar die Anschaffung von Komponenten des türkischen Luftverteidigungssystems "Steel Dome", zu dem ebenfalls Laserwaffen gehören.
Unterdessen testet auch Saudi-Arabien chinesische Laserwaffensysteme. Beobachtern zufolge soll Saudi-Arabien bereits bis zu acht Einheiten des chinesischen Systems "Silent Hunter" erworben haben.
"Star Wars" für alle?
Bei dem Wort Laserwaffen mögen viele zunächst an Science Fiction denken. Doch der Krieg mit dem Iran habe ihren breiteren Einsatz auch in realen Konflikten längst näher gebracht, sagt Jared Keller, Herausgeber des Fachmagazin-Newsletters Laser Wars. Die weltweite Entwicklung von Laserwaffen habe sich im April und Mai in bislang unbekanntem Tempo beschleunigt.
Die VAE entwickelten sich "allmählich zum weltweit geschäftigsten Markt für Laserwaffen", so Keller. Das Land verfüge inzwischen über zwei verschiedene Arten von Lasersystemen und sei dabei, ein drittes zu erwerben.
Mehrere Faktoren machten Laserwaffen heute immer attraktiver, erklärt Keller im Gespräch mit der DW. Einer davon sei die technologische Reife. Zwar habe das US-Militär bereits 1973 erstmals im Test eine Drohne mittels Laser abgeschossen; moderne Systeme seien heute jedoch deutlich kompakter und zuverlässiger.
Laser gehören zur Kategorie der sogenannten Energiewaffen (Direct Energy Weapons - DEW). Dazu zählen Hochenergie-Laser, deren Strahl Ziele beschädigt oder blendet, ebenso wie Hochleistungs-Mikrowellenwaffen, die interne Funktionsstörungen verursachen.
Zugleich verbreiten sich Drohnen zunehmend im Kampfeinsatz - und hier gelten Laserwaffen als sinnvolle Abwehr-Waffen. "Der Aufstieg der unbemannten Drohnenkriegsführung verändert die Kostenlogik moderner Kriegsführung", sagt Keller. Es sei wirtschaftlich nicht sinnvoll, billige Drohnen mit konventionellen Flugkörpern abzuschießen, die Hunderttausende oder gar Millionen Dollar kosten.
"Dies ist auf Dauer keine tragfähige Kostenentwicklung", so Keller. Drohnen ließen sich schnell und günstig in großen Stückzahlen produzieren und bewaffnen. Die Herstellung von Raketen sei dagegen teuer und langwierig. Deshalb suchten Regierungen weltweit nach kostengünstigeren Gegenmaßnahmen.
Hersteller von Hochenergie-Laserwaffen geben an, dass ein einzelner Schuss lediglich zwischen drei und fünf US-Dollar koste.
Zudem hat - gerade in der Golfregion - der Iran-Krieg die Nachfrage nach Lasersystemen verändert. Zwar werden solche Systeme auch im russisch-ukrainischen Krieg zur Drohnenabwehr entwickelt. Doch der Konflikt mit dem Iran markiert den ersten Fall, in dem das US-Militär, seine Verbündeten am Golf sowie Israel in dieser Form mit Drohnen konfrontiert waren.
"Der Krieg mit dem Iran hat den Drohnenkrieg endgültig auch in diese Region gebracht", sagt Keller. Hochrangige US-Verteidigungsvertreter hätten bereits angekündigt, Laserwaffen innerhalb der nächsten drei Jahre in größerem Umfang einsatzbereit zu machen.
Laserwaffen haben auch Schwächen
Allerdings seien Laser keineswegs militärische Allheilmittel oder Wunderwaffen, meint Experte Keller. Für die Staaten des Nahen Ostens dürften sie vor allem als Teil eines mehrstufigen Luftverteidigungssystems nützlich sein.
Dabei haben Laserwaffen auch Nachteile. Ihre Strahlen verlaufen geradlinig und sind nur auf begrenzte Distanz wirksam. Die israelischen "Iron Beam"-Einheiten etwa decken jeweils nur einen Radius von zehn Kilometern ab. Zudem muss der Strahl eine gewisse Zeit auf das Ziel gerichtet bleiben - bei schnell beweglichen Drohnen kann das problematisch sein.
Hinzu kommt, dass Luftfeuchtigkeit, Regen, Nebel, Sand oder Staub den Laserstrahl stören können. Auch die hohen Temperaturen im Nahen Osten erschweren den Betrieb, weil die Systeme stark gekühlt werden müssen.
Trotz des anfänglichen Hypes kam Israels "Iron Beam"-Laser im Krieg gegen den Iran bislang nicht voll zum Einsatz. Zwar konnte eine Version bereits einige von der libanesischen Hisbollah gestartete Drohnen abfangen. Laut der israelischen Zeitung Jerusalem Post erklärte die israelische Luftwaffe jedoch, dass für einen effektiven Einsatz mindestens 14 weitere Batterien nötig seien.
Deshalb könnte die Entsendung des 100-Kilowatt-Lasers "Iron Beam" in die VAE "eher ein diplomatisches als ein praktisch-taktisches Manöver" sein, meint Keller.
Zugleich spielt auch Geopolitik eine Rolle. Der Erwerb von Laserwaffensystemen aus unterschiedlichen Quellen ermögliche es den Golfstaaten, ihre Verteidigung breiter aufzustellen, sagt Andreas Krieg vom King's College London.
"Eine übermäßige Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten hat sich als wenig effizient erwiesen", so Krieg gegenüber der DW. Zwar lasse sich diese Abhängigkeit kurzfristig nicht beenden. Längerfristig sähen die Golfstaaten sich jedoch in der Lage, hier eigenständiger werden zu müssen.
Die vom Iran ausgehende Gefahr dürfte selbst nach einem möglichen Kriegsende bestehen bleiben. Äußerungen aus saudi-arabischen Sicherheitskreisen lassen zudem darauf schließen, dass am Golf auch Israel als eine potentielle militärische Gefahrenquelle gesehen wird.
"Es liegt auf der Hand, dass diese Staaten neben diplomatischen Bemühungen auch ihre Fähigkeit stärken müssen, Handel und regionale Stabilität zu schützen", sagt Experte Andreas Krieg. "Ein Weg hierfür ist ein schlankerer, autarkerer Luftverteidigungsschirm, der weniger auf amerikanische Munition angewiesen ist."
Aus dem Englischen adaptiert von Kersten Knipp.