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Gottes Werk und Teufels Beitrag

Petra Füchsel7. März 2005

Der Satanskult hat Hochkonjunktur. Davon sind zumindest die Theologen der päpstlichen Hochschule "Regina Apostolorum" überzeugt, die Kurse für Exorzisten anbieten.

Der italienische Exorzist Pater Gabriele NanniBild: AP

Seit Mitte Februar 2005 gibt es bei der päpstlichen Universität ein Seminar für 120 Priester und Seminaristen, in dem es um die Bereiche Satanismus, Exorzismus und Befreiungsgebet geht.

Was ist eigentlich Exorzismus?

Unter Exorzismus versteht man die Austreibung von bösen Geistern, Dämonen oder auch des Teufels in Form einer festgelegten rituellen Praxis. Hinter dem Phänomen des Exorzismus steht die traditionelle, katholische Vorstellung von der Macht des Bösen. Der Kirchenrechtler Klaus Lüdicke von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster fasst gegenüber DW-WORLD zusammen, dass in der katholischen Tradition das Böse als personalisierte Manifestation - als Teufel - begriffen wird.

Auch wenn diese Vorstellung heutzutage nicht mehr oft thematisiert wird, liegt sie dem Phänomen des Exorzismus zugrunde. Denn hinter dem Vorgang des "Austreibens böser Mächte" steckt die Vorstellung, dass etwas oder jemand von einer Person Besitz ergreifen kann. Die äußerlichen Kennzeichen von Besessenheit bestehen in der Regel in Krankheit oder auffälligem Verhalten, für das es weder medizinische, psychologische noch anderweitige Erklärungen gibt.

Nur auf Anordnung eines Bischofs

Exorzist Baron Deacon von Boston während einer Exorzismus-Zeremonie vor dem amerikanischen Senat- und Repräsentantenhaus.Bild: AP

Exorzisten versuchen laut Lüdicke Menschen zu helfen, wenn andere Erklärungsmuster versagen. Man möchte auf diese Weise vermeiden, dass Aberglauben und Okkultismus Tür und Tor geöffnet werden und stattdessen eine strukturierte und rituelle Praxis sicher stellen.

Exorzismen dürfen nach vatikanischen Vorgaben nur auf Anordnung eines Bischofs ausgeführt werden. Bei dem Ritual legt der Priester dem vom Teufel oder von Dämonen Besessenen die Hände auf, spricht Gebete und eine Exorzismus-Formel. Dem Teufel befiehlt der Priester "Weiche Satan". Der rituelle Ablauf des Exorzismus wurde 1614 von Papst Paul V. in der liturgischen Schrift "Rituale Romanum" schriftlich niedergelegt. 1999 erschien nach zehnjähriger Vorbereitung eine überarbeitete Version des Werkes, das Handbuch "De Exorcismis et Supplicationibus Quibusdam".

Satanismus

Der Satanismus zielt seinerseits darauf ab, dass alle positiven menschlichen Werte durch ihr negatives Gegenteil ersetzt werden. Einer der Initiatoren des Programms, der italienische Exorzist Pater Francesco Bamonte, sieht Satanismus als eine "Philosophie und Lebenspraxis", in der es um eine Art Gegengesellschaft ohne moralische Regeln geht.

In diesem Zusammenhang werde das Gute ins Böse und das Böse ins Gute verkehrt. Nicht von ungefähr benutze der Satanismus das umgekehrte Kreuz, so der Experte. Ziel sei der totale Umsturz aller universalen Werte wie Frieden, Brüderlichkeit, Hoffnung oder die Überwindung von Mauern und Grenzen.

Prävention von Verbrechen

Die von den "Legionären Christi" geführten päpstliche Universität "Regina Apostolorum" will nach eigenen Angaben mit dem Seminar auf das wachsende Interesse in der Seelsorge an dem Thema Satanismus reagieren. Priester sähen sich immer häufiger mit satanistischen Tendenzen konfrontiert, insbesondere unter Jugendlichen, hieß es. In Italien reichen die 400 bislang tätigen Exorzisten laut Bamonte für die jährlich 500.000 Anfragen nicht mehr aus.

Das siebentägige Seminar soll darüberhinaus zur Prävention von Verbrechen beitragen. Den Teilnehmern soll - angesichts der in Italien gehäuft auftrendenden Verbrechen, die mit Satanismus in Zusammenhang gebracht werden - eine "theoretische und praktische Herangehensweise an den Dienst des Exorzisten" vermitteln. Vier Exorzisten, ein Theologe, ein Journalist, eine Psychiaterin und ein Polizist sollen die angehenden Teufelsaustreiber lehren, zwischen Geisteskranken und Besessenen zu unterscheiden. Fachleute der jeweiligen Disziplinen sollen die unterschiedlichen Aspekte erklären. Wie aus dem Programm der Hochschule hervorgeht, sollen auch Rockmusik, Jugendzeitschriften, Videospiele und Internetseiten untersucht werden. Die Teilnahme an dem Seminar ist nur für Priester sowie für Theologiestudenten kurz vor dem Studienabschluss möglich und kostet 180 Euro.

Exorzismus in Deutschland

Obwohl es auch in Deutschland satanistische Gruppierungen gibt, wird darauf weder in der katholischen noch in der protestantischen Kirche mit Exorzismus-Ritualen reagiert. Reinhard Hempelmann von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen erklärt, dass es in Bezug auf Exorzismus keine Ritualpraxis in den evangelischen Landeskirchen gibt. Auch Kirchenrechtler Klaus Lüdicke bestätigt, dass ihm aus seinem oder anderen Bistümern in den letzten Jahren keine Genehmigungen zu Exorzismus-Ritualen bekannt sind.

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