Grönland-Konflikt: Trump wütet, Merz beruhigt
19. Januar 2026
Jetzt wird es bitterernst zwischen der Europäischen Union und den USA: Nach der Drohung mit hohen Zöllen durch US-Präsident Donald Trump, sollten die Europäer dem Kauf von Grönland im Wege stehen (oder seinen Plänen, die Insel militärisch zu besetzen), erwägen Deutschland und andere EU-Staaten heftige Gegenmaßnahmen. Von Erpressung war in Paris, London und Berlin am Wochenende die Rede, davon, dass Europa jetzt entschieden zusammenstehen und antworten müsse. Schon im Tonfall waren viele europäische und deutsche Reaktionen anders als noch in der jüngsten Vergangenheit.
Bundeswehr-Soldaten haben Grönland wieder verlassen
Mit zusätzlichen Zöllen von zehn Prozent ab Februar, ab Juni dann sogar 25 Prozent, droht Trump Deutschland und sieben weiteren EU- und NATO-Ländern, die Soldaten zu einer Erkundungsmission nach Grönland geschickt haben. Einer Mission, die die Bundeswehr schon wieder beendet hat.
Am Wochenende noch reagierte das politische Berlin wie so oft in der Vergangenheit eher zurückhaltend. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) informierte das Bundeskabinett, ohne dass Details an die Öffentlichkeit drangen.
Wadephul sieht die NATO noch nicht bedroht
Dann nahm Außenminister Johann Wadephul (ebenfalls CDU) im ARD-Fernsehen Stellung. Er sagte zur Überraschung vieler Beobachter: "Es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass die Vereinigten Staaten von Amerika voll und ganz zum Bündnis, zur NATO stehen und auch zur Verteidigung Europas." Dabei gelten Trumps Drohungen, notfalls auch Militär einzusetzen, ja dem NATO-Partner Dänemark, zu dem Grönland gehört. Allerdings fügte Wadephul hinzu: "Europa ist politisch und wirtschaftlich sehr viel stärker, als manch einer bisher gedacht hat. Und das sollten wir jetzt auch zur Geltung bringen." Wie genau, ließ der Außenminister offen.
Heftige Kritik von den Grünen
Daraufhin wurde die Regierung etwa von den oppositionellen Grünen scharf kritisiert. Deren Fraktionschefin Katharina Dröge sagte in Berlin, Trump spreche offen aus, dass so etwas wie ein internationales Recht für ihn nicht existiere: "Unser Eindruck ist, dass insbesondere die CDU in der Bundesregierung hier hart mit sich selbst ringt und auf der Suche ist nach einem Kurs."
Nachdem aber zuvor aus anderen europäischen Hauptstädten ganz andere, härtere Töne zu vernehmen waren, sprach auch Kanzler Merz am Montag mehr Klartext als zuvor: Entschieden wandte er sich gegen die Androhung höhere Zölle: "Sie bergen auch das Risiko einer Eskalation. Zölle werden in der Regel von denen bezahlt, in deren Land die Importe gehen. In diesem Falle würden die amerikanischen Konsumenten die Zölle bezahlen, aber sie würden natürlich auch unserer Wirtschaft, der Wirtschaft der Europäer und insbesondere der deutschen Wirtschaft schaden." Dennoch sprach Merz erneut davon, jetzt müsse Europa besonnen bleiben und den Streit mit den USA nicht weiter eskalieren.
Solidarität mit Dänemark und Grönland
Und noch einmal übte Merz den Schulterschluss mit den unter Druck geratenen Dänen und Grönländern: "Dänemark und die Bevölkerung Grönlands können auf unsere Solidarität zählen. Wir sind bereit, die Gespräche mit den USA zu unterstützen. Und die Grundlage dieser Gespräche sollte immer sein: die Prinzipien der Souveränität und der territorialen Integrität."
Merz kündigte an, er wolle versuchen, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz am Mittwoch mit Trump zu sprechen. Erst auf Nachfrage sagte er, er wolle keine Zölle, aber wenn nötig, würden die Staaten der EU auch zu diesen Mitteln greifen.
Europa spricht schon über mögliche Gegenzölle
Möglich wären dabei etwa Zölle auch von Seiten der EU: In dieser Woche steht im Europaparlament eine Abstimmung über die schon vor Monaten zwischen der EU und den USA ausgehandelten Zollvereinbarung an, die für die USA sehr günstige Bedingungen brächte. Demnach soll der US-Zoll von 15 Prozent für die meisten europäischen Produkte gelten. Zölle auf US-Industriegüter dagegen sollen vollständig abgeschafft werden und Barrieren für den Import von bestimmten Lebensmitteln fallen. Nach den jüngsten Drohungen aus Washington gilt ein Beschluss hierzu als sehr unwahrscheinlich.
Klingbeil: "Wir lassen uns nicht erpressen"
Zuvor hatte auch Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) den Tonfall gegenüber dem US-Präsidenten hörbar verschärft. Klingbeil empfing am Montag in Berlin seinen französischen Kollegen Roland Lescure und sagte danach: "Deutschland und Frankreich sind sich einig. Wir lassen uns nicht erpressen." Und deutlich wurde dabei, dass der Vizekanzler den aktuellen Konflikt um Grönland nur als Tropfen sieht, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat: "Wir erleben ein ständiges Gegeneinander, das Präsident Trump sucht. Wir müssen als Europäer deutlich machen: Die Grenze ist erreicht." Neue Töne zwischen Deutschland und den USA.
Berlin reagiert zurückhaltend auf US-"Friedensrat"
Schon am Montagvormittag hatten die Themen Trump und Grönland weite Teile der Regierungspressekonferenz in Berlin bestimmt. Der Sprecher von Merz, Stefan Kornelius, mühte sich dabei, nicht weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Zurückhaltend kommentierte er etwa die Einladung des US-Präsidenten auch an Deutschland, an einem neuen "Friedenrat" teilzunehmen, in dem die meisten Beobachter einen Angriff auf die Vereinten Nationen sehen.
Der "Friedensrat" sollte ursprünglich vor allem den Konflikt im Gazastreifen beenden. Die US-Regierung hatte angekündigt, dass Donald Trump selbst das Gremium leiten will, als eine Art Eintrittsgeld in das Gremium ist eine Summe von einer Milliarde Dollar im Gespräch, für eine Mitgliedschaft von drei Jahren. Und dieser Rat soll sich offenbar in Zukunft um viele Konflikte auf der ganzen Welt kümmern.
Kornelius: "UN sind Rahmen für globales Krisenmanagement"
Kornelius bedankte sich artig für die Einladung, ließ aber offen, ob die Bundesregierung sie annehmen will. Auf die Frage, ob damit die UN bedroht seien, antwortete Kornelius: "Diese Sorge teile ich nicht. Grundsätzlich gilt für die Bundesregierung, dass die Vereinten Nationen den zentralen, multilateralen Rahmen für das internationale Krisen-und Konfliktmanagement bilden." Die UN seien nicht perfekt, so der Regierungssprecher: "Aber sie sind in diesen Zeiten beispielsloser globaler Krisen ein wichtiges Instrument. Die Architektur der Vereinten Nationen basiert auf dem Prinzip der souveränen Gleichheit."
Und damit auf einem gänzlich anderen Prinzip als die Politik der USA derzeit.