Griechenland kein Versicherungsfall
1. März 2012
Der Internationale Derivateverband ISDA hält den Forderungsverzicht der privaten Gläubiger nicht für ein "Kreditereignis", also einen kompletten Zahlungsausfall. Damit werden Kreditausfallversicherungen (CDS) auf griechische Staatsanleihen nicht fällig, die nach Schätzungen zuletzt noch ein Volumen von 3,25 Milliarden Dollar ausmachten. Hätte die ISDA anders entschieden, wären die Kreditausfallpapiere, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), auf griechische Staatsanleihen fällig geworden.
Nachdem solche Titel bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 zu einem beispiellosen Dominoeffekt und zur Beinah-Pleite des großen US-Versicherers AIG geführt hatten, sind ihre Auswirkungen gefürchtet. Weil der Handel mit CDS nicht über kontrollierte Börsen abläuft und sehr undurchsichtig ist, lässt sich das Ausmaß eines "Kreditereignisses" und des dann entstehenden Versicherungsfalls nicht genau vorhersagen.
Vorerst verspekuliert
Die Entscheidung der ISDA trifft vor allem jene Spekulanten, die auf eine Griechen-Pleite gesetzt haben und die großen internationalen Hedgefonds, die oftmals gegen ein "Kreditereignis" wetten. Sie haben vorerst aufs falsche Pferd gesetzt. Insider vermuten, dass es Investoren gibt, die ihre CDS auch im Falle einer griechischen Pleite nicht unbedingt ziehen werden, weil die Reaktion der Märkte in einem solchen Falle völlig unvorhersehbar wäre.
Der Schuldenverzicht professioneller Anleger gilt als freiwillig. Doch noch ist nicht klar, wie viele Gläubiger dazu bereit sind. Die griechische Regierung fordert eine 90-prozentige Beteiligung. Sollte eine solch breite Front nicht zusammenkommen, müsste die Regierung einen Forderungsverzicht erzwingen. Das würde dann ein "Kreditereignis" auslösen.
dk/ gmf (rtr, dpa)