Waldbrände in Griechenland: Mega-Feuer vor den Toren Athens
13. August 2024Seit Anfang August haben die Meteorologen in Griechenland vor der Gefahr eines "Mega-Feuers" in der Region Attika gewarnt. Ihre Warnungen haben nicht viel geholfen.
Seit Sonntag wütet ein Riesenbrand im Norden Athens. Inzwischen sind Wälder, Ferienhäuser, Wohnhäuser, Schulen, Sportstadien und Fabriken abgebrannt. Zwei Krankenhäuser wurden geräumt.
Immer mehr Ortschaften mussten evakuiert werden, darunter der historische Ort Marathon. Bürgermeister Stergios Tsirkas sprach von einer Katastrophe biblischen Ausmaßes: "Es ist derzeit schwierig, die verbrannten Flächen abzuschätzen, aber nach groben Berechnungen sind fast 30 Prozent der Gemeinde niedergebrannt", sagte er.
Trotz ihres verzweifelten Einsatzes konnte die Feuerwehr die Brandherde nicht rechtzeitig unter Kontrolle bringen. Innerhalb von 24 Stunden verbrannten über 10.000 Hektar.
Eine 60-jährige Frau starb in einem Handwerksbetrieb in Patima Chalandri. Mehr als 100 Häuser und Betriebe brannten in anderen Vororten Athens nieder. Die Kosten der Katastrophe können noch nicht berechnet werden, aber sie sind zweifelsohne hoch. Enorm ist auch die Belastung für die Gesundheit der Athener.
Die neue Normalität
Die Luft in der griechischen Hauptstadt ist immer noch stickig, die Hitze unerträglich und die Zukunft der Stadt düster. Fast jedes Jahr wird ein Teil der Wälder und der begrenzten grünen Flächen rund um Athen durch Feuer vernichtet.
Es bleibt keine Zeit für deren Regeneration. Auf der verbrannten Erde wird immer wieder illegal gebaut - Gebäude, die später legalisiert werden.
Die jährlichen Brände sorgen neben der Klimakrise, die den ganzen Mittelmeerraum immer heißer und trockener macht, für lebensfeindliche Verhältnisse in Athen.
"Wir haben es mit einer neuen Normalität zu tun, die aus extremen Naturphänomenen und aus Regen- und Dürreperioden besteht und die wir bewältigen müssen", sagt Efthymios Lekkas, Professor für Naturkatastrophenmanagement an der Universität von Athen. Doch für diese "neue Normalität" sei das Land nicht gerüstet.
Erfolglose Vorbereitung
Dabei hatten die zuständigen Behörden seit Monaten mit den jährlichen Sommerbränden gerechnet. Dieses Jahr hatte die Brandsaison früher begonnen als in den vergangenen Jahren.
Schon im März 2024 wurden zwölf Großbrände registriert, darunter in Pieria, der Bergkette neben dem Berg Olymp in Nordgriechenland. Die Regierung hatte versprochen, alles zu tun, um die bedrohten Wälder des Landes zu schützen.
Der zuständige Minister für Klimakrise und Katastrophenschutz, Vassilis Kikilias, unterzeichnete erst Mitte April eine Vereinbarung zur Einrichtung von Brandschutzzonen in den Waldgebieten Attikas. Sein Ziel war es, "die Einsatzplanung der diesjährigen Brandbekämpfungssaison zu verbessern und die Prävention zu stärken”.
Ein explosiver Cocktail
In Attika hatten die Einsatzkräfte sofort versucht, den Brand zu löschen, aber es war ihnen nicht gelungen. Das lag zum einen an der durch den ausbleibenden Regen verursachten extremen Trockenheit und der Hitzewelle seit Anfang Juni. Zum anderen fachten die starken Winde das Feuer immer wieder an.
Hinzu kommen Personalmangel bei der Feuerwehr, das schwierige Gelände und die engen Straßen. Der Athener Experte Lekkas spricht von "einem explosiven Cocktail, der diese gefährliche Situation schafft und zum Verlust von Wäldern führt, die für die Umwelt wichtig sind".
Vergessene Berge
Die Feuerwehrleute, die gegen die Flammen kämpfen, versuchen zu verhindern, dass sich die Katastrophe von Mati wiederholt. In dem bei Athen gelegenen Ferienort waren im Juli 2018 bei einem Brand 104 Menschen ums Leben gekommen.
Wo es möglich ist, bekämpfen sie das Feuer mit Meerwasser. Dort, wo kein Meerwasser zur Verfügung, steht lassen sie die Feuer einfach ausbrennen.
So geschah es im vergangenen Jahr in Evros.Und aktuell verbrennt das Feuer auf dem Berg Orvilos bei Serres in Nordgriechenland schon seit 27 Tagen den Urwald.
Seit sechs Tagen habe es keine Löschmaßnahmen gegeben, beschwert sich der örtliche Bürgermeister, Giorgos Tatsios, und fordert dringend die Entsendung eines Löschflugzeugs zur Begrenzung der Feuerfront. "Wir haben das Gefühl, dass die Regierung uns vergessen hat, dass wir keine Hilfe bekommen", klagt er.
Falsche Prioritäten
Tatsios spricht laut aus, was die meisten Bürgermeister hinter vorgehaltener Hand sagen. Die Regierung verlangt von den Kommunalverwaltungen, Brandschutzzonen einzurichten, will sich aber an der Finanzierung dieser Arbeit nicht beteiligen.
Insgesamt investiert die griechische Regierung immer noch kaum Geld in die Vorbeugung von Waldbränden, trotz anhaltender Versäumnisse bei der Brandbekämpfung, und obwohl es dafür genug europäische Mittel gibt.
Laut dem Thinktank ENA-Institut hat die Regierung bis April 2024 nur ein Prozent der Mittel des EU-Recovery Fund für den Brandschutz ausgegeben. Das heißt, dass das Ministerium für Klimakrise und Katastrophenschutz es noch nicht geschafft hat, Investitionen in die Infrastruktur, die Feldarbeit oder die Lieferung von Fahrzeugen und Flugzeugen zu planen.
Das einzige, was Premierminister Kyriakos Mitsotakis persönlich in die Wege geleitet hat, war der Kauf von sieben neuen Canadair DHC-515-Feuerlöschflugzeugen in Kanada. Es wird aber noch lange dauern, bis sie fertig gebaut und bereit für den Einsatz sind.
Inzwischen schicken Griechenlands europäische Nachbarn Löschflugzeuge und Feuerwehrleute nach Griechenland. Frankreich, Italien, Tschechien und Zypern kamen sofort zur Hilfe, sogar der türkische Außenminister Hakan Fidan bot die Hilfe seines Landes an. Jede Unterstützung bei der Bekämpfung des Feuers in Athen ist mehr als willkommen.
Das Auswärtige Amt in Berlin warnte Reisende aus Deutschland unterdessen vor den Bränden in Griechenland. Es rief deutsche Touristen auf, die betroffenen Gebiete zu meiden, Hinweisschilder zu beachten und den Anweisungen der örtlichen Behörden Folge zu leisten.