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Wrackteile werden bald gefunden

Sarah Berning / ft28. Dezember 2014

Nicht nur schlechtes Wetter könnte beim mutmaßlichen Unfall von QZ8501 eine Rolle gespielt haben. In Asien ist die Überwachung des Luftraums generell schwieriger, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.

Heinrich Großbongardt, Foto: Expairtise
Bild: Expairtise

DW: Wie wahrscheinlich ist es, dass allein schlechtes Wetter dazu führt, dass ein Passagierflug einfach so vom Radar verschwindet?

Heinrich Großbongardt: Das Wetter kann einer von vielen Faktoren sein. Bei allen Unfällen in den letzten Jahren war das Wetter nie die einzige Ursache, es kam immer vieles zusammen.

Was könnten die anderen Faktoren gewesen sein, die bei dem AirAsia-Flug eine Rolle gespielt haben könnten?

Das ist im Moment alles pure Spekulation. Es könnten technische Probleme dazugekommen sein, oder - um es vorsichtig auszudrücken - falsche Entscheidungen der Crew. Möglich ist alles. In den kommenden Stunden wird die Kommunikation zwischen der Bordbesatzung und der Bodenkontrolle veröffentlicht werden, auch einige Radardaten werden veröffentlicht. Dann werden wir schon ganz andere Ansätze haben, was passiert sein könnte.

Wenn wir an MH370 denken, den Flug, der erst im März dieses Jahres in der gleichen Gegend spurlos verschwand: Gelten in Asien eventuell andere Regeln? Oder ist das eine Region, die generell eine besondere Herausforderung für die Luftfahrt darstellt?

In Asien haben wir sicherlich viel größere Gebiete, die von der Bodenkontrolle schlechter überwacht werden können, einfach, weil es so lange Überwasserflüge gibt. Wenn eine Maschine an Höhe verliert, kann es zum Beispiel passieren, dass sie vom Radar verschwindet und für die Lotsen unsichtbar wird. Das hat physikalische Gründe: Sie verschwindet quasi hinter dem Horizont.

In Europa und den USA haben wir eine praktisch hundertprozentige Radarabdeckung des Luftraums, ein Flugzeug ist nirgendwo unsichtbar. Das ist in Asien schon allein wegen der Größe des Gebiets anders, selbst auf Kurzstreckenflügen.

Gab es denn nichts, was man aus der MH370-Katastrophe hätte lernen können - speziell in dieser Region?

Was Malaysia Airlines als Konsequenz gezogen hat ist, dass jetzt jeder mit Hochdruck daran arbeitet, eine Lösung zu finden, wie man Flüge mittels Satellitentechnik verfolgen kann. Aber: Gemessen an den langen Zeiträumen, die in der Luftfahrt gelten, ist es quasi so, als wäre MH370 gestern erst passiert. Um ein neues Überwachungssystem zu finden, einzuführen und verlässlich zu machen, braucht man mindestens zwei oder drei Jahre.

AirAsia-Flug QZ8501 verschwand am Samstag gegen 22:20 Uhr (UTC) vom Radar. Ist es wahrscheinlich, jetzt noch Überlebende zu finden?

Bei Flugzeugunglücken über Wasser ist es leider sehr unwahrscheinlich, noch Überlebende zu finden.

Glauben Sie, dass die Unfallstelle einfacher zu finden sein wird als bei MH370?

Definitiv ja. Das ist ein ganz anders gearteter Fall. Das ist ja ein Kurzstreckenflugzeug und keine A330, die abertausende Kilometer weit fliegen kann. Es war ein Kurzstreckenflug, das Flugzeug wird wenig Treibstoff an Bord gehabt haben. Und: Bei MH370 wurde die Suche dadurch erschwert, dass irgendjemand bestimmte Systeme abgeschaltet hatte, um das Flugzeug vom Radar verschwinden zu lassen. Wir haben derzeit keinerlei Anzeichen, dass das bei dem AirAsia-Flug so gewesen sein könnte. Das Wetter war einfach schlecht. Ich bin mir sicher, dass in den kommenden Tagen zumindest Teile des Wracks gefunden werden.

Heinrich Großbongardt ist Luftfahrtexperte der Hamburger Expairtise Communications GmbH, einer unabhängigen PR- und Kommunikationsfirma mit Schwerpunkt Luftfahrt.


Das Gespräch führte Sarah Berning.

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