Andy Burnham: Wer ist der Mann, der Starmer ablösen will?
22. Juni 2026
Nach 14 Jahren in der Opposition kam schließlich ein Erdrutschsieg: Im Juli 2024 gewann die sozialdemokratische Labour Party unter Keir Starmer mit großer Mehrheit die Parlamentswahl im Vereinigten Königreich. Doch nur zwei Jahre später steht Starmer so sehr unter Druck, dass er am Montagmorgen seinen Rücktritt als Premierminister ankündigte. Ein Nachfolger soll bis zum Ende der Sommerpause des Parlaments im September feststehen, sagte Starmer vor seinem Amtssitz in der Londoner Downing Street.
Als aussichtsreichster Nachfolger wird bereits seit Monaten Andy Burnham gehandelt. Vergangene Woche hatte Manchesters populärer Ex-Bürgermeister klar die Nachwahl im Bezirk Makerfield gewonnen, er zieht damit ins britische Parlament ein. Das Mandat ist die Voraussetzung für den 56-Jährigen, um Premierminister zu werden.
Langjährige Erfahrung
"Jeder spürt, dass das Land nicht dort ist, wo es sein sollte", sagte Burnham vergangene Woche nach seinem Wahlsieg. "Ich werde alles geben, was ich habe, um dafür zu sorgen, dass der Name Makerfield für immer ein Synonym dafür ist, den Wandel herbeizuführen, den dieses Land braucht - und etwas zurückzubringen, das wir verloren haben: Hoffnung, Hoffnung auf die Zukunft." Im Stil eines Premierministers versprach er, dafür zu kämpfen, dass es den Menschen im Norden besser gehen werde.
Der charismatische Burnham gilt als Hoffnungsträger des moderat linken Labour-Flügels und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der nationalen wie regionalen Politik. 2001 zog er erstmals ins Unterhaus ein. Unter Premierminister Tony Blair war er Staatssekretär im Innenministerium, bevor ihn Gordon Brown zunächst zum Staatssekretär im Finanzministerium und später zum Kultur- sowie Gesundheitsminister ernannte
Bereits 2010 und 2015 bewarb sich Burnham um den Labour-Vorsitz. 2017 kehrte er Westminster den Rücken, um Bürgermeister des Großraums Manchester mit seinen rund 2,8 Millionen Einwohnern zu werden. Dort wurde er seither zweimal im Amt bestätigt - zuletzt mit fast zwei Dritteln der Stimmen.
Zu Burnhams größten Erfolgen in Manchester zählt der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zu erschwinglichen Preisen. Auch der Wohnungsbau und die öffentliche Gesundheitsversorgung gehören zu seinen politischen Schwerpunkten. Der Brexit-Kritiker beschreibt sich selbst als Verfechter eines "wirtschaftsfreundlichen Sozialismus". "Ich denke, wir müssen das, was wir im Großraum Manchester erreicht haben, auf die nationale Ebene übertragen“, sagte er im Mai der BBC.
Während der Corona-Pandemie lieferte sich Burnham einen viel beachteten Streit mit dem damaligen Premierminister Boris Johnson. Er forderte mehr finanzielle Unterstützung für Unternehmen und Beschäftigte in den von den Lockdowns betroffenen Regionen – und brachte sich damit den Spitznamen "König des Nordens" ein.
An seinem Parteikollegen Starmer kritisiert Burnham vor allem die Kürzungen bei Sozialleistungen. Welche politischen Akzente er an dessen Stelle konkret setzen würde, bleibt bislang jedoch weitgehend offen.
Arbeiterkind aus dem Norden
Burnham ist tief in Nordenglands ehemaliger Bergbau- und Industrieregion verwurzelt. 1970 in Aintree bei Liverpool geboren, wuchs er in Culcheth auf. Der Vater war Kommunikationstechniker, die Mutter Arzthelferin. In Cambridge fühlte er sich im Anglistikstudium zeitweise wie ein Hochstapler. Mit 14 trat er - geprägt vom Bergarbeiterstreik 1984/85 – der Labour-Partei bei.
In den 1990ern war er Teil der Musik- und Jugendbewegung "Madchester". Bis heute ist er Fan des Fußballvereins FC Everton. Seine Frau kommt aus den Niederlanden, das Paar hat drei Kinder. Auf seinem rechten Oberarm trägt er die Arbeiterbiene, Symbol für Fleiß und Solidarität.
Nach dem Terroranschlag auf die Stadt im Jahr 2017 wurde die Biene zu einem Zeichen des Zusammenhalts und der Widerstandskraft der Bevölkerung.
Burnham ist derzeit einer der beliebtesten, wenn nicht sogar der beliebteste Politiker im Vereinigten Königreich - und gilt vielen als letzte Hoffnung, um den erstarkenden Rechtspopulisten von Reform UK etwas entgegensetzen zu können.
Doch seit dem Brexit gleicht das Amt des Premierministers einem Schleudersitz: Burnham wäre bereits der siebte Regierungschef seit dem EU-Referendum vor zehn Jahren. Sollte er Starmer nachfolgen, würde auch er ein Land übernehmen, das mit tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen ringt.