Andy Burnham wird zum Herausforderer von Premier Starmer
19. Juni 2026
Normalerweise wecken Nachwahlen in Großbritanniens Unterhaus kein internationales Interesse. Doch der Einzug des Labour-Politikers Andy Burnham ins Parlament könnte einen weiteren historischen Moment in der britischen Politik einleiten. Denn Burnham will offenbar Premierminister Keir Starmer an der Spitze der Labour-Partei ablösen.
Mit dem Erfolg bei der Nachwahl für den freigewordenen Unterhaussitz im Bezirk Makerfield im Nordwesten Englands ist der Weg für den 56-Jährigen frei, Starmer in eine parteiinterne Führungswahl zu zwingen. Dies könnte der "Wendepunkt" sein, sagte Burnham in den frühen Morgenstunden.
"Jeder spürt, dass das Land nicht dort ist, wo es sein sollte", so Burnham in seiner Siegesrede. "Ich werde alles geben, was ich habe, um dafür zu sorgen, dass der Name Makerfield für immer ein Synonym dafür ist, den Wandel herbeizuführen, den dieses Land braucht - und etwas zurückzubringen, das wir verloren haben: Hoffnung, Hoffnung auf die Zukunft." Im Stil eines Premierministers versprach er, dafür zu kämpfen, dass es den Menschen im Norden besser gehen werde.
Starmer gibt sich gelassen
Starmer, der als Regierungschef auch parteiintern unter Druck steht, gratulierte seinem Rivalen am frühen Morgen rasch per Social-Media-Post im Kurzmitteilungsdienst X und erklärte, die Wähler hätten sich "für Labours Kampagne der Hoffnung und des Optimismus statt für Spaltung und Hass entschieden".
Starmer habe jedoch auch klargemacht, dass er um die Parteiführung kämpfen werde, sagte Wohnungsbauminister Steve Reed, ein enger Verbündeter des Premiers, dem Sender Sky News.
Der Wahlkreis Makerfield ist eine traditionelle Labour-Hochburg - doch angesichts des Zuspruchs für die rechtspopulistische Partei Reform UK gelten solche alten Gewissheiten nicht mehr. Die Abstimmung am Donnerstag wurde dort notwendig, nachdem der bisherige Abgeordnete Josh Simons überraschend zurückgetreten war.
Damit eröffnete sich für Burnham ein möglicher Weg zurück ins Parlament. Der bisherige Bürgermeister von Greater Manchester holte 24.927 Stimmen und damit knapp 10.000 Stimmen mehr als der Reform-UK-Kandidat Robert Kenyon.
Politische Erfahrung
Burnham, der als Vertreter des "weichen linken" Parteiflügels gilt und als wirtschaftsfreundlicher Sozialist beschrieben wird, wurde erstmals 2001 ins Parlament gewählt. Während seiner Zeit dort bekleidete er unter den Premierministern Tony Blair und Gordon Brown mehrere hochrangige Ministerposten.
Für den erfahrenen Labour-Politiker, der bereits zwei Anläufe auf den Parteivorsitz verloren hat, könnte es nun beim dritten Versuch klappen.
fab/AR (dpa, afp, rtr)