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Grobes Foulspiel: Rassismus im Fußball

13. Juni 2018

Vor der WM in Russland wächst die Angst, dass es dort zu rassistischen Zwischenfällen kommen könnte. Der frühere deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah hat Rassismus am eigenen Leib erlebt - und engagiert sich dagegen.

Interview mit Gerald Asamoah
Bild: DW/U. Wagner

Asamoah: "Zivilcourage zeigen!"

02:39

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Das Spiel ist bereits zwölf Jahre her, doch Gerald Asamoah hat den Tag bis heute nicht vergessen. Kurz nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, dem sogenannten Sommermärchen, als Deutschland sich von seiner besten, bunten Seite zeigte und der dunkelhäutige Asamoah für die deutsche Nationalmannschaft kickte, musste sein Club Schalke 04 zum Pokalspiel bei Hansa Rostock antreten. Schon beim Aufwärmen hatte der Stürmer ein seltsames Gefühl: "Da war schon so eine komische Stimmung. Dann ging das Spiel los und bei jedem Ballkontakt von mir gab es Affengeräusche."

Asamoah verstand die Welt nicht mehr. Einen Monat zuvor war er noch Teil des Sommermärchens, jetzt Zielscheibe von Rassismus: "Es hat sehr weh getan, weil du gedacht hast, du bist endlich akzeptiert. Und keine vier Wochen später ist alles vergessen." Der Schiedsrichter fragte Asamoah, ob er das Spiel unterbrechen solle, in der Halbzeitpause schlug Schalkes damaliger Trainer Mirko Slomka Asamoah vor, ihn auszuwechseln, doch er verneinte: "Dann hätten diese Menschen ja gesiegt."

"Schule ohne Rassismus": Gerald Asamoah engagiert sich in vielen Projekten gegen DiskriminierungBild: Rosa-Parks-Schule Herten

Erfahrungen wie diese haben Asamoah geprägt und ihn zum engagierten Kämpfer gegen Diskriminierung und Rassismus gemacht. Immer wieder besucht der heute 39-Jährige Schulen und sensibilisiert junge Menschen für das Thema Rassismus. "Es ist wichtig, dass gerade die Jugendlichen anders denken und Zivilcourage zeigen." Denn der Rassismus auf dem Fußballplatz ist auch 12 Jahre nach der Weltmeisterschaft in Deutschland noch allgegenwärtig, auch bei jungen Menschen. Asamoahs Sohn wurde erst vor kurzem in einem Jugend-Spiel von einem Gegner als "Neger" beleidigt. "Der gegnerische Trainer sagte dann zu ihm: Vorsicht, das ist der Sohn von Asamoah, das gibt Ärger!" erzählt Asamoah mit einem kleinen Schmunzeln.

Rassismus als gesellschaftliches Phänomen

Geschichten wie diese bestärken Patrick Klaus Gasser von der UEFA in seiner Ansicht, "dass wir es beim Thema Rassismus zwar mit einem Problem in den Stadien, aber vor allem mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun haben". Der europäische Fußballverband versucht, diesem Phänomen mit Kampagnen entgegenzusteuern. Dazu gehört die Initiative Nein gegen Rassismus mit Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Manuel Neuer, deren Video in jeder Halbzeit der Champions-League-Spiele in allen Stadien gezeigt wird.

"Sag Nein zu Rassismus: Das gemeinsame Mannschaftsfoto ist mittlerweile Standard, um ein Zeichen zu setzenBild: Getty Images

"Wir haben bei der Bekämpfung von Rassismus in den vergangenen 15 Jahren schon einige Erfolge erzielt, das wird auch anerkannt", stellt Gasser fest und verweist auf die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen. Die UEFA stehe nicht mehr im Kreuzfeuer der Kritik, weil sie untätig sei. Doch auch Gasser weiß, dass dies nur ein Anfang sein kann: "Es spiegelt leider die gesellschaftliche Entwicklung wider - und Verhalten zu ändern, braucht Zeit." In den Fankurven brauche es zudem ein gewisses Maß an "peer control": Das heißt, die Anhänger müssten sich auch gegenseitig erziehen und Rassismus anzeigen.

Nur noch sportliche Großereignisse in Ländern ohne Probleme mit Rassismus? 

Und was bedeutet das alles für die Weltmeisterschaft in Russland? Ein Land, in dem Rassismus allgegenwärtig ist, auch in den Stadien? Erst im März hatten Zuschauer beim Freundschaftsspiel gegen Frankreich in Sankt Petersburg dunkelhäutige französische Spieler rassistisch beleidigt. Solle man daher nicht, fragt am Ende der Podiumsdiskussion beim Global Media Forum eine Journalistin aus Ghana, konsequent Weltmeisterschaften nur noch an Länder vergeben, die kein Problem mit Rassismus haben? "Natürlich könnte man Russland deswegen nicht die WM ausrichten lassen und wegen der Menschenrechtssituation auch Katar nicht die WM in vier Jahren", antwortet Gasser, "doch dann würde man über diese Themen gar nichts erfahren und könnte auch nichts ändern".

Wollen eine WM im besten Licht und ohne Zwischenfälle: der russische Präsident Putin und FIFA-Chef Infantino Bild: picture alliance / dpa

Es gebe Länder, in denen es um die Situation der Menschenrechte noch weitaus schlimmer bestellt sei, argumentiert der UEFA-Funktionär. Doch niemand würde darüber reden, schlicht weil dort kein großes Sportereignis stattfände. "Steter Tropfen höhlt den Stein" lautet also die Devise der UEFA. Gassers Hoffnung: "Wir haben zum einen die Medien, die über Missstände berichten und wir haben die Fans aus allen Ländern der Welt, die für Begegnungen sorgen. Gebt der WM in Russland eine Chance!"

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