Doumbouya in Guinea: Vom Putsch zur Zivilherrschaft
8. Januar 2026
Nach vier Jahren als Militärführer von Guinea verfügt Mamadi Doumbouya jetzt über ein demokratisches Mandat: Ende Dezember ließ er sich zum Präsidenten wählen. Kürzlich bestätigte das Hohe Gericht seinen deutlichen Sieg mit 86,7 Prozent der Stimmen.
Doumbouya kam 2021 durch einen Militärputsch, der den damaligen Präsidenten Alpha Condé stürzte, in dem westafrikanischen Land an die Macht.
Ursprünglich hatte Doumbouya versprochen, nicht in eine zivile Führungsrolle zu wechseln. Doch er änderte seinen Kurs: Eine Verfassungsänderung vom September 2025 ermöglicht es jetzt auch Militärangehörigen, ein Amt anzustreben. Zudem wurde die Amtszeit des Präsidenten von fünf auf sieben Jahre verlängert.
"Es ist das altbekannte Militärregime, nur in ziviler Verpackung", sagt Adib Saani, außen- und sicherheitspolitischer Analyst am Jatikay Center for Human Security and Peace Building in Accra, Ghana, der DW. Dennoch: Der Übergangsprozess in Guinea sei nun formell beendet.
"Es überrascht nicht, dass Doumbouya die Wahlen überzeugend gewonnen hat - allein um der internationalen Gemeinschaft zu zeigen, dass Guinea jetzt eine Demokratie ist", so Saani im DW-Gespräch.
Demokratie geht über Wahlen hinaus
Regionale Organisationen wie die ECOWAS und die Afrikanische Union hatten auf eine schnelle Rückkehr Guineas zur Demokratie gedrängt. Mit den Wahlen im Dezember gab das rohstoffreiche, aber verarmte Land diesem Drängen scheinbar nach. Doch Saani mahnt, dass mehr getan werden müsse: "Demokratie geht über Wahlen hinaus. Wie demokratisch sind die Institutionen? Gibt es Ombudsstellen und Menschenrechtsorgane - und wie effektiv sind sie? All das zusammen ergibt die moderne Demokratie, die wir uns wünschen."
Doumbouyas Sieg wurde durch eine geschwächte und zersplitterte Opposition begünstigt. Wichtige Persönlichkeiten waren vor der Wahl ausgeschlossen oder im Exil, sodass es keine starken Herausforderer gab. Mehr als 50 politische Parteien wurden im vergangenen Jahr aufgelöst - offiziell, um das "politische Schachbrett zu bereinigen", trotz heftiger Kritik.
Yéro Baldé, ein ehemaliger Minister, landete mit nur etwa 6,5 Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Laut der Nachrichtenagentur AFP sprach ein weiterer Kandidat, Faya Millimono, von "elektoraler Banditenwirtschaft", die seiner Meinung nach auf Einflussnahme auf Wähler zurückzuführen sei.
Bram Posthumus, Journalist und Westafrika-Analyst, erwartet nach eigenen Angaben nicht, dass Doumbouya seine harte Haltung gegenüber Kritik lockern werde. Berichte über erzwungene Verschleppungen und Entführungen hätten in den letzten Jahren zugenommen und "eine Atmosphäre der Angst geschaffen, zusätzlich zur Ausschaltung der altgedienten Politiker".
"Die Repression ist da. Die Maschinerie ist da", fügt Posthumus im DW-Gespräch hinzu. "Sie können da mehr vom Gleichen erwarten."
Bürger hoffen auf Stabilität
Für viele Guineer war die friedliche Natur der Wahl Grund genug zum Feiern. "Glücklicherweise fanden die Wahlen ohne Zwischenfälle oder Tötungen wie zuvor statt, und das ist wirklich lobenswert. Wir wollen, dass Guinea vorankommt, und wir haben viele Probleme zu lösen", sagte Oumar Keita, ein Anwohner von Kobaya, einem Stadtviertel der Hauptstadt Conakry.
Und die Anwohnerin Mariama Konkon unterstützte den gewählten Präsidenten: "Präsident Mamadi Doumbouya hat einen entscheidenden Schritt getan, weil wir ihn lieben. Wir haben ihn gedrängt, zu kandidieren. Wir stehen hinter ihm - und er hat gewonnen."
Wirtschaftliche Erholung: Die eigentliche Bewährungsprobe
Über die Euphorie des Sieges hinaus steht Guinea vor der Herausforderung, die stagnierende Wirtschaft in Gang zu bringen. Das Land verfügt über einige der weltweit bedeutendsten Eisenerzvorkommen und ist der zweitgrößte Produzent von Bauxit, einem wichtigen Rohstoff für Aluminium. Laut Weltbank trägt der Bergbau mit etwa 35 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt Guineas bei.
Als Doumbouya die Macht übernahm, versprach er, den Bergbausektor zu reformieren. Im Zentrum seiner Pläne steht ein gigantisches Eisenerzprojekt, das im November 2025 im Abbaugebiet Simandou eröffnet wurde - mit großer Beteiligung chinesischer Firmen.
Im vergangenen Monat verschiffte Guinea nach jahrzehntelangen Verzögerungen seine erste Eisenerzladung und schickte 200.000 Tonnen hochwertigen Erzes nach China.
Doumbouya baute seinen Wahlkampf auf dem Versprechen dieses Projekts auf. Posthumus betont dessen Bedeutung in der öffentlichen Wahrnehmung: "Alles in Guinea dreht sich um Simandou. Es soll die Gans sein, die die goldenen Eier legt."
"Es gibt ein Programm namens Simandou 2040, eine Agenda, die von Bildung über Gesundheitswesen bis hin zu Landwirtschaft, Infrastruktur und IT reicht - alles soll durch die Einnahmen aus Simandou finanziert werden", erläutert Posthumus.
Er warnt jedoch, dass mangelnde Transparenz den Fortschritt gefährden könnte: "Wenn sich dieses Muster wiederholt, muss man es durchbrechen, bevor man über all die anderen Dinge sprechen kann. Dort konzentriert sich das Geld. Und wenn es nicht gleichmäßig verteilt wird, haben wir weiterhin die gleichen Probleme."
Kann Guinea andere inspirieren?
Guineas Übergang von der Militär- zur Zivilherrschaft hat Spekulationen ausgelöst, dass Mali, Burkina Faso und Niger diesem Beispiel folgen könnten. Doch Analyst Saani bezweifelt, dass dies bald geschehen wird.
"Die Situationen in diesen Ländern unterscheiden sich", sagt er. Dennoch hofft Saani, dass erfolgreiche Reformen in Guinea andere dazu inspirieren könnten, zur Demokratie zurückzukehren.
Saani betont, dass Doumbouya Korruption bekämpfen müsse. Diese sieht er in Afrika weit verbreitet - ungeachtet des politischen Systems. "Es ist notwendig, demokratische Institutionen aufzubauen, die Regierungsführung effektiver und effizienter zu gestalten und die Marginalisierung bestimmter Gruppen zu beenden."
Übersetzt aus dem Englischen: Silja Fröhlich