Crans-Montana: Alle 40 Toten des Brandes sind identifiziert
5. Januar 2026
Die Schweizer Behörden haben die 40 Todesopfer des verheerenden Brandes in Crans-Montana identifiziert. Darunter sind viele Minderjährige. Das jüngste Opfer ist eine 14-jährige Schweizerin.
40 Tote sind in Crans-Montana zu beklagen, 119 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen lebensgefährlichBild: Baz Ratner/AP Photo/picture alliance
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Wie die Polizei des Kantons Wallis mitteilte, sind mehr als die Hälfte der Toten Jugendliche. Unter den Toten sind den Angaben nach 21 Schweizer, sieben Franzosen und sechs Italiener. Weitere Opfer stammten aus Rumänien, der Türkei, Portugal und Belgien. Zudem starben eine Person mit schweizerischer und französischer Staatsangehörigkeit und ein 15-jähriges Mädchen mit französischer, israelischer und britischer Staatsangehörigkeit.
Spezialkliniken behandeln die Überlebenden
Die Identifizierung der Leichen gestaltete sich schwierig, da viele bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren. Bei dem Feuer in der Bar "Le Constellation" im Skiort Crans-Montana wurden in der Silvesternacht 119 weitere Personen teils schwer verletzt. Aufgrund schwerer Verbrennungen wurden 35 von ihnen nach Angaben aus Schweizer Krankenhäusern in Spezialkliniken in Belgien, Frankreich, Deutschland und Italien verlegt. In Deutschland werden Überlebende aus Crans-Montana in Ludwigshafen, Stuttgart, Tübingen, Bochum und Köln-Merheim behandelt.
Unmittelbar nach der Brandkastrophe wurden viele Verletzte ausgeflogen, unter anderem ins Klinikum GenfBild: Lisa Leutner/REUTERS
Das Unglück gilt als eine der schwersten Tragödien in der jüngeren Geschichte der Schweiz. Gegen die beiden Betreiber der Bar läuft ein Strafverfahren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Verursachung eines Brandes, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.
Gab es ausreichend Fluchtwege?
Die beiden Personen seien nicht in Gewahrsam genommen worden, da es keine Anzeichen dafür gebe, dass sie sich dem Verfahren entziehen wollten. Unklar ist unter anderem, ob die Deckenabdeckung regelkonform war und ob es genügend Notausgänge gab.
Hunderte Menschen zogen am Sonntag in einem Gedenkzug schweigend durch den Schweizer SkiortBild: Antonio Calanni/AP Photo/picture alliance
Laut Staatsanwältin Beatrice Pilloud gibt es Hinweise, dass auf Champagnerflaschen angebrachte Wunderkerzen oder Bengalische Feuer das Dämmmaterial an der Decke entzündet haben. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus.
"Ihr Leid ist unser Leid"
Die Schweiz plant am 9. Januar einen nationalen Trauertag und eine Gedenkfeier für die Opfer. Die Gemeinde legte online ein Kondolenzbuch auf. Als Erster schrieb darin Bundespräsident Guy Parmelin: "Allen trauernden Familien, allen Opfern sage ich erneut mit Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit: Ihr Leid ist auch unser Leid." Zu Beginn der Trauerfeier in Crans-Montana sollen im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute.
haz/pgr (rtr, dpa, afp)
Schweiz: Tod und Trauer im Skiort Crans-Montana
Nach dem Brand mit mindestens 40 Toten und 115 Verletzten im Bergdorf Crans-Montana suchen Ermittler nach der Ursache. Videos, Wunderkerzen und brennende Holzdecken rücken in den Fokus. Die Schweiz trauert.
Bild: Maxime Schmid/AFP/Getty Images
"Die Decke fing plötzlich Feuer"
Der 19-jährige Nathan, der sich retten konnte, schilderte der Zeitung "Blick" dramatische Sekunden: "Eine Frau saß auf den Schultern einer anderen Dame. Sie hatte zwei Flaschen mit Wunderkerzen." Die Sprühkerzen seien so hoch geschwenkt worden, dass sie die Decke berührten. "Diese habe plötzlich Feuer gefangen", berichtete der junge Schweizer weiter.
Bild: Content Curation/IMAGO
Hätte die Katastrophe verhindert werden können?
Crans-Montana trauert, die Schweiz diskutiert. Die Katastrophe gilt als einer der schlimmsten Unfälle der Landesgeschichte. Gleichzeitig rücken Sicherheitskonzepte, Brandschutz und der Einsatz von Pyrotechnik in Innenräumen in den Fokus. Die Suche nach der Ursache ist auch eine Suche nach Antworten – damit sich eine solche Nacht nie wiederholt.
Bild: Harold Cunningham/Getty Images
Rekonstruktion einer Tragödie
Während Experten nach dem Auslöser suchen, werfen Fotos und Videos aus sozialen Netzwerken neue Fragen auf. Aufnahmen sollen zeigen, wie Gäste Champagnerflaschen mit Wunderkerzen in die Höhe hielten. Funken sprühten Richtung einer offenbar mit Holzpaneelen verkleideten Decke. Ermittler prüfen, ob diese Bilder Hinweise auf den Brandbeginn liefern können.
Bild: Maxime Schmid/AFP/Getty Images
Immer wieder kommt der Leichenwagen
Stille. Vor der abgedeckten Bar "Le Constellation" steht ein Leichenwagen. Bevor in der Silvesternacht die Panik ausbrach, hatten Musik, Champagner und ausgelassene Stimmung die Feier geprägt. Augenzeugen berichten von Schreien und Orientierungslosigkeit; Notausgänge waren kaum auffindbar. Rettungskräfte beschrieben später chaotische Szenen, in denen jede Minute über Leben und Tod entschied.
Bild: Maxime Schmid/AFP/Getty Images
Gerichtsmediziner auf Spurensuche
Unter den beim Brand verstorbenen Opfern in der Silvesternacht befanden sich auch viele Gäste aus dem Ausland. Forensiker untersuchen die Leichen, um die Opfer zu identifizieren und Spuren zu sichern. Die Identifikation der Toten ist langwierig, da sich Schweizer Behörden mit Ämtern im Ausland abstimmen müssen.
Bild: Maxime Schmid/AFP/Getty Images
Trauer, Schock, Verzweiflung
Der Schock sitzt tief. Rund 40 Menschen starben bei der Silvesterfeier, 115 wurden verletzt. Viele Gäste hatten keine Chance zu entkommen, Rauch und Flammen breiteten sich binnen Sekunden aus. Die Kantonsregierung Wallis sprach von einem möglichen "Flashover". Brandexperten erklären dieses Phänomen als explosionsartige Durchzündung eines Raumes – vergleichbar mit einer Feuerwalze.
Bild: Harold Cunningham/Getty Images
Gibt es Hoffnung für die Verletzten?
Eine Frau trauert um die Todesopfer des Brandunglücks. Sie hofft auf die Genesung der Schwerverletzten - die meisten sind zwischen 16 und 26 Jahre alt. Rund 80 befinden sich in einem kritischen Zustand. Die Identifizierung der Toten könne noch Tage dauern, so die Schweizer Polizei. Ob auch Deutsche betroffen sind, ist weiter unklar. Für viele Familien beginnt nun ein banges Warten.