Haie sind Einzelgänger. Im Kampf ums Überleben sind sie nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Gesteuert werden sie von ihrem Instinkt. Englische Forscher haben herausgefunden: Alles falsch!
Charaktertier: Katzenhaie haben individuelle PersönlichkeitenBild: picture-alliance/dpa/Carmen Jaspersen
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Haie sind super gefährlich? Aggressive Monster? Unsinn! Und Zeit, mit solchen Klischees Schluss zu machen. Hier ein paar wissenschaftliche, unterhaltsame und berührende Fakten über die Jäger der Meere.
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Schön gruselig
Klar, ganz ungefährlich sind Haie nicht. Die meisten Haiattacken auf Schwimmer, Taucher oder Surfer gehen auf das Konto des Tigerhais. Denn eigentlich frisst er alles, was ihm vors Maul kommt: Schildkröten, Vögel, Fische - auch Haie. Und sogar Autoreifen, Schilder und anderes Treibgut - weshalb er auch lange Zeit als "Abfallfresser" bezeichnet wurde.
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Fatale Neugier
Tigerhaie sind sehr neugierig. Deswegen kommt es in Ausnahmefällen vor, dass ein Hai geschmacklich antestet, ob ein Mensch als Beute taugt. In der Regel spuckt er ihn ziemlich schnell wieder aus, denn Menschenfleisch mag er nicht. Doch schon dabei verletzt sich der Schwimmer an den messerscharfen Zähnen und kann verbluten, wenn nicht rasch Hilfe kommt.
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Geringes Risiko
Doch normalerweise interessieren sich Haie kaum für Menschen. Tragische Unfälle sind extrem selten. Jedes Jahr sterben nach Angaben von Hai-Forschern durchschnittlich fünf Menschen nach einer Attacke. Weltweit sollen nicht mehr als 63 Unfälle im Jahr passieren. Das Risiko liegt bei 1:240 Millionen, sagt der Präsident der Haischutzorganisation "Sharkproject", Gerhard Wegner.
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Wertvolle Beute
Haie werden nicht nur gejagt, weil sie gefährlich sind. Jedes Jahr werden nach Angaben der "Sharklife Conservation Group" über 100 Millionen Haie aller Arten getötet. Etwa 70 Haiarten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht - davon werden die meisten schon heute als nicht mehr überlebensfähig bezeichnet.
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Langsamer Tod
Vor allem ihre Flossen werden den Haien zum Verhängnis. In China und anderen asiatischen Ländern gilt Haifischflossensuppe als Delikatesse. Dafür werden Haien an Bord des Fangschiffes bei lebendigem Leib die Flossen amputiert (shark finning), der Rest wird kurzerhand zurück ins Meer geworfen. Der schwer verletzte Hai verblutet langsam und stirbt am Ende qualvoll.
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Objekt der Begierde
Für solche - zugegeben sehr eindrucksvollen Zähne zahlen Touristen und Trophäenliebhaber enorme Preise. Nur um sie sich als Kette um den Hals zu hängen oder sie im Wohnzimmer verstauben zu lassen. Die Zähne eines Weißen Hais können bis zu 7,5 Zentimeter lang werden. Auch der ganze Kopf des Hais ist ein beliebtes Dekoobjekt.
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Muntere Artenvielfalt
Haie sind uralte Fische. Es gibt sie schon seit mehreren Millionen Jahren. Im Laufe der Evolution haben sich allerlei Formen und Größen entwickelt - auch lustige - wie dieser Hammerhai. Was die extreme Verbreiterung des Kopfes soll, ist noch nicht ganz geklärt. Forscher nehmen an, dass der Hai seine Umgebung so großflächiger scannt. Denn die Augen liegen jeweils am Ende des "Hammers".
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Der größte Fisch der Welt
Es gibt winzige Haiarten, wie den Zwerghai, der gerade mal 20 Zentimeter klein ist. Und es gibt riesige, wie diesen Walhai. Er wird über 13 Meter lang und zwölf Tonnen schwer. Aber wie das meistens so ist bei Riesen - der Walhai ist völlig harmlos! Er frisst ausschließlich Plankton und Kleinstlebewesen und man könnte ihn sogar streicheln.
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Platt und harmlos
Auch das ist ein Hai - auch wenn er eher aussieht wie ein Rochen. Engelhaie lungern am Boden herum und lauern dort auf Beute: nicht auf Taucher, sondern auf Meeresschnecken, kleine Fische und Krebse.
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Flach liegt der langgestreckte, schmale Körper auf den Steinen. Kleine Punkte zieren den ansonsten bräunlichen Katzenhai. Seine unscheinbare Rückenflosse ist abgerundet, seine katzenartigen Augen starren ins Leere. Zu seiner Linken und Rechten schweben zwei weitere junge Katzenhaie über dem Beckenboden. Eine Forschergruppe der Marine Biological Association of the UK und der University of Exeter untersuchten in großen Aquarien Persönlichkeit und Sozialverhalten der Tiere. Die Studie soll beweisen, dass individuelle Charaktereigenschaften für das Verhalten von Haien verantwortlich sind.
Beobachtung im Labor
Dabei entdeckten sie, dass es auch unter Katzenhaien Einzelgänger und gesellige Tiere gibt. Welches Sozialverhalten die Tiere an den Tag legen hänge von ihrer ganz individuellen Persönlichkeit ab, sagen die Forscher.
So bilden gesellige Tiere bevorzugt Gruppen. Das Motto der geselligen Katzenhaie lautet offenbar "gemeinsam sind wir stark". In der Gruppe ist jeder Einzelne vor Feinden geschützt.
Einzelgänger setzen dagegen auf Heimlichkeit: weniger Haie, weniger Aufsehen. Anstatt die Konfrontation zu suchen, verstecken sie sich.
Die Wissenschaftler betrachten ihre Beobachtungen als ersten Beweis für das Vorhandensein von Persönlichkeit bei Haien. "Diese Verhaltensweisen kannte man bislang von Haien nicht", bestätigt Jens Krause vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin.
Forscher vermessen einen jungen Zitronenhai.Bild: Christopher Lang
"Über Haie weiß man unwahrscheinlich wenig."
Er erforscht mit seinen Kollegen ungefähr 7000 Kilometer Luftlinie westlich von England mit Tauchanzug und Atemregler Zitronenhaie im offenen Meer. Die gelblich gefärbten Tiere leben rund um die Bimini Inseln vor der Küste Floridas und werden fast vier Meter groß. "Wir erforschen, ob die Zitronenhaie Verhaltenstypen oder Persönlichkeitsstrukturen haben, wie wir sie auch von anderen Tieren kennen", erklärt Krause. "Vor allem Jungtiere bilden bereits Schwärme zum Schutz gegen Räuber."
Die Zitronenhaie eigneten sich besonders gut zum Studium, weil sie die ersten beiden Lebensjahre rund um die Bimini Inseln im seichten Gewässer verbringen. Trotz der Ergebnisse aus England warnt Jens Krause vor Pauschalisierung: "Wir haben uns Haiarten ausgesucht, bei denen eine ganze Menge Sozialverhalten beobachtet wurde." Noch wisse man nicht, ob die Beobachtungen auch auf andere Arten übertragbar sind.
Den Forschern des Leibniz-Instituts sollen dabei ihre Untersuchungen an Knochenfischen wie Barschen und Hechten in Süßgewässern helfen. Über deren soziale Struktur und ihr Verhalten ist inzwischen sehr viel bekannt. Was davon auf Haie übertragbar ist, müsse man Schritt für Schritt herausfinden.
Lächeln für die Kamera: die Haut von Zitronenhaien schimmert gelblich.Bild: Christopher Lang
Bedrohter Herrscher der Meere
Die Forschungsergebnisse aus England machen klar, dass Haie nicht nur von Instinkt gesteuerte Automaten sind. Leider hat genau dieser falsche Eindruck zum schlechten Ruf der Art beigetragen. Durch Jagd, Beifang und Zerstörung des Lebensraums ist von den etwa 460 bekannten Arten rund ein Drittel stark gefährdet. Ohne Haie stünde das Ökosystem Meer jedoch vor dem Kollaps. Als Spitze der Nahrungskette regulieren sie die Populationsgröße anderer Arten und tragen durch Auslese kranker Tiere zur Gesundheit des Ökosystems bei.