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Hamas-Mitglied in Damaskus liquidiert

Ein führender Vertreter der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas wurde am Sonntag (26.10.) mit einer Autobombe in Damaskus getötet. Die Hamas machte Israel dafür verantwortlich. Es war das erste Attentat in Syrien.

Autobombenanschlag in DamaskusBild: AP


Die Autobombe war unter dem Sitz von Isseddin Sobhi el Scheich Chalil deponiert. "Er ist in den Wagen gestiegen und dann klingelte das Telefon. Als er abnahm, hörten wir die Explosion. Wir eilten zum Auto und fanden ihn zerfetzt auf dem Rücksitz", sagte ein Augenzeuge. Auch Passanten seien verletzt worden. Die Wucht der Explosion habe Fensterscheiben umliegender Gebäude zerschmettert.

Isseddin Sobhi el Scheich Chalil (1994)Bild: AP

Israels "Botschaft" an Syrien

Der Sprengstoffanschlag auf einen Hamas- Funktionär mitten in Damaskus richtet sich offensichtlich nicht nur gegen die radikal-islamische Palästinenserorganisation selbst. Das Attentat dürfte vor allem auch eine "Botschaft" an die syrische Führung unter Präsident Baschar el Assad sein. Zwar wollte sich Israel, das Syrien schon mehrfach wegen seiner angeblichen Unterstützung für "Terrorgruppen" gedroht hatte, nicht offiziell zu dem Anschlag bekennen. "Wir haben keine Kenntnis von dem Vorfall", sagte ein Sprecher von Ministerpräsident Ariel Scharon. Der Sprecher wollte eine israelische Beteiligung jedoch auch nicht dementieren.

Beobachter hegten jedoch wenig Zweifel an der israelischen Urheberschaft. Ein Kommentator der israelischen Zeitung "Jediot Achronot" nannte die Explosion der Autobombe ein "doppeltes Signal" Israels an Syrien und die radikalislamische Hamas. Verteidigungsminister Schaul Mofas sagte Ende August, man könne "nicht trennen zwischen dem Terror und den Aktivitäten in Syrien". Er kündigte an, Israel werde künftig "überall gegen den Terror vorgehen - auch in Damaskus".

Wer war Scheich Chalil?

Der bei dem Bombenanschlag in Damaskus getötete Isseddin Sobhi el Scheich Chalil (42) war allerdings außerhalb der Hamas- Reihen praktisch unbekannt. Gemeinsam mit mehr als 400 weiteren militanten Palästinensern war der 1962 in Gaza geborene Vater von vier Kindern vor zwölf Jahren von Israel nach Libanon verbannt worden. Danach ließ er sich in Damaskus nieder und schloss sich dort der örtlichen Hamas-Zweigstelle an. Zu Chalils Funktion innerhalb der Palästinenser-Organisation gab es unterschiedliche Angaben.

Ein Hamas-Vertreter im Libanon sagte, Chalil sei zwar ein Hamas-Funktionär gewesen, allerdings habe er nicht zu den ranghöchsten Vertretern gezählt. Palästinensischen Sicherheitskreisen zufolge soll er Chef der Hamas außerhalb der Palästinenser-Gebiete gewesen sein. Sein Bruder Rafik sagte in Gaza, Chalil habe weitgehend im Untergrund gelebt und immer mit der Möglichkeit gerechnet, dass Israel ihn eines Tages töten könnte. so sagte denn auch der israelische Minister Esra zur Tötung Chalils: "Ich bin froh." Und in israelischen Regierungskreisen hieß es: "Einige Leute leben gefährlich." Im Frühjahr hatte Israel die Hamas-Anführer Scheich Ahmed Jassin und Abdel Asis al-Rantissi mit gezielten Luftangriffen im Gaza-Streifen getötet.

"Probleme und Chaos schaffen"

Die Palästinenserführung verurteilte das erste Attentat in Syrien scharf. Ein Berater des Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat warnte vor "schwerwiegenden Konsequenzen" für Nahost und einer weiteren Eskalation der Gewalt. Nabil Abu Rudeineh warf Israel vor, den Konflikt "außerhalb der Palästinensergebiete" zu etablieren und damit ein "negatives Signal" zu setzen. Schließlich hatte es derartige Attentate bislang nur in Libanon gegeben. "Dieser Angriff wird Auswirkungen auf die Region haben und Wellen schlagen, die auch in Libanon und den Palästinensergebieten noch zu spüren sein werden", meint der ägyptische Politikwissenschaftler Mustafa el Labbad.

Sami Abu Suhri, ein Sprecher der Hamas-Bewegung in Gaza sagte, Israel strebe offenbar eine Internationalisierung des Konflikts mit den Palästinensern an. Scharon habe seine Drohung wahrgemacht, Hamas-Führer im Ausland töten zu lassen. Dies könne man nicht einfach hinnehmen. Ahmed Hadsch Ali, ein Berater des syrischen Informationsministeriums, bezeichnete das Attentat als "feigen Terrorakt". Die israelische Regierung wolle, "den Zirkel der Gewalt erweitern und in der Region Probleme und Chaos schaffen, insbesondere durch einen Angriff auf die nationale Souveränität Syriens". (arn)

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