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Wie wir gesünder aufs Klo gehen – und warum das Handy stört

27. Oktober 2025

Viele nutzen ihr Smartphone auf der Toilette. Doch die verlängerte Sitzzeit kann das Risiko für Hämorrhoiden deutlich erhöhen. Fünf Tipps für ein gesundes Geschäft.

Person sitzt mit Handy auf Toilette
Laut einer neuen Studie erhöht das Nutzen des Smartphones auf der Toilette das Risiko für Hämorrhoiden um 46 ProzentBild: Tom Wang/Depositphotos/IMAGO

Viele nehmen das Smartphone mit auf die Toilette, um Nachrichten zu lesen oder durch Social Media zu scrollen. Doch was wie ein harmloser Zeitvertreib scheint, kann sehr unangenehm werden.

Denn eine neue Studie aus dem Fachjournal PLOS One zeigt: Wer auf dem Klo zum Handy greift, sitzt dort nicht nur deutlich länger. "Das Mitnehmen des Smartphones war mit einem 46 Prozent höheren Risiko für Hämorrhoiden verbunden", sagt Studienleiterin Dr. Trisha Pasricha, Gastroenterologin an der Harvard Medical School, im Interview mit der Deutschen Welle.

Im Rahmen der Studie wurden 125 Erwachsene bei einer Vorsorge-Darmspiegelung nach ihren Toilettengewohnheiten befragt. Die Hälfte der Smartphone-Nutzenden gab an, wegen ihres Smartphones länger als beabsichtigt auf der Toilette zu sitzen.

Warum langes Sitzen problematisch ist

Während beim Sitzen auf einem Stuhl der Beckenboden gestützt wird, ist das auf der Toilette anders. Die offene Klobrille biete keine direkte Unterstützung. "Das erhöht den Druck auf die Beckenbodenmuskulatur, das Bindegewebe – und auf die Hämorrhoiden", erklärt Pasricha.

Hämorrhoiden hat jeder Mensch. Sie sind stark durchblutete Gefäßpolster am Übergang vom Enddarm zum After.

Erst wenn sich die Hämorrhoiden durch den Druck beim Pressen auf der Toilette vergrößern, kann es problematisch und schmerzhaft werden. Die Symptome reichen von Juckreiz und Brennen bis zu Blutungen.

Wie ihr das Risiko für Hämorrhoiden senken könnt

Hämorrhoiden sind zwar unangenehm, aber in den meisten Fällen gut behandelbar. Und oft lassen sie sich sogar vermeiden. Die Experten haben fünf einfache Tipps dafür:

1. Macht es kurz
Einfache Faustregel: Maximal fünf Minuten auf der Toilette. "Das sollte wirklich die Obergrenze sein", sagt Ärztin Pasricha. Wenn es nicht klappt mit dem Geschäft: aufstehen, bewegen, später noch einmal versuchen.

2. Lasst das Handy draußen
Wer zur Entspannung und Ablenkung doch das Smartphone braucht, kann die "Zwei-TikTok-Regel" nutzen. Nach zwei Clips sollte man kurz innehalten und sich fragen: Moment, warum sitze ich eigentlich noch hier?

3. Nehmt die richtige Haltung ein
Die Sitzposition ist entscheidend: Wenn die Knie höher als die Hüften sind – etwa durch einen kleinen Hocker unter den Füßen – richtet sich der Enddarm auf und der Stuhl kann leichter passieren.

4. Esst mehr Ballaststoffe
Ernährung ist zentral. Starkes Pressen während des Toilettengangs ist ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung von schmerzhaften Hämorrhoiden. Ein einfacher Ausweg: Mehr Ballaststoffe essen. Sie können "den harten Stuhl so aufweichen, dass er nicht gepresst werden muss", sagt Gastroenterologe Dr. Ulrich Tappe im Interview mit der DW. Ballaststoffe finden sich in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, frischem Gemüse oder Obst. Sie sind essentiell für eine gute Verdauung.

5. Habt keine Scheu vor Arztbesuchen
Ja, es gibt angenehmere Gesprächsthemen als den eigenen Stuhlgang. Doch diese falsche Scham es schwerer, rechtzeitig Hilfe zu suchen. "An unserem Körper ist nichts peinlich", betont Gastroenterologin Pasricha. "Wir können viele Gesundheitsprobleme lösen, wenn wir den Darm ernst nehmen – aber nur, wenn wir anfangen, darüber zu reden."

Hämorrhoiden weiter ein Tabuthema

Hämorrhoiden sind weit verbreitet und betreffen nach Schätzungen mehr als die Hälfte aller Erwachsenen im Laufe ihres Lebens. Besonders häufig sind Menschen im Alter, mit chronischer Verstopfung oder während der Schwangerschaft betroffen. Aus Scham gehen viele erst spät zum Arzt.

"Hämorrhoiden gehören wie Reizdarm weiter zu den Tabuthemen. Alle können etwas damit anfangen, aber kaum jemand spricht darüber", sagt Mauro D'Amato, Professor für Medizinische Genetik an der LUM University in Italien, im Interview mit der DW.

Das beeinflusse auch seine Forschung. In einer groß angelegten Genomstudie am schwedischen Karolinska Institut identifizierte D'Amato 102 Regionen im Erbgut, die offenbar mit einem erhöhten Risiko für Hämorrhoiden verbunden sind. Zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung der Studie im Jahr 2021 habe es jedoch kaum Forschung zu Hämorrhoiden gegeben.

Mittlerweile steigt das öffentliche Interesse – auch durch prominente Stimmen in sozialen Medien. "Wenn bekannte Menschen darüber sprechen, sagen viele: 'Ach, das habe ich auch'. So entsteht Bewusstsein, mehr Menschen gehen zum Arzt – und einige werden dann auch für Studien rekrutiert. Das bringt die Wissenschaft entscheidend voran", so D'Amato.

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Auch Jüngere können betroffen sein

Fachärzte wie Pasricha beobachten jetzt immer mehr Fälle bei jüngeren Menschen und vermuten, dass Smartphones eine Rolle spielen.

Allein in Deutschland nehmen mehr als die Hälfte der Erwachsenen das Handy mit auf die Toilette. Bei den 25- bis 34-jährigen sind es sogar über 80 Prozent. Das ergab eine aktuelle Umfrage des britischen Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse Agentur (dpa).

"Das Durchschnittsalter des erstmaligen Auftretens von Hämorrhoiden sinkt", sagt auch Genomforscher D'Amato.

Besonders Männer könne es treffen, ergänzt Ärztin Pasricha. Ihre männlichen Patienten berichten, dass sie oft deutlich mehr Zeit auf der Toilette verbringen als nötig – zusammen mit ihrem Smartphone.

Smartphone als Risikofaktor

Neu ist das Problem allerdings nicht. Schon vor den Smartphones warnten Mediziner davor, stundenlang Zeitung lesend auf der Toilette zu sitzen.

Auch damals war nicht die Ablenkung an sich das Problem. Ein kurzes Abschalten kann den Stuhlgang sogar erleichtern.

"Das Problem entsteht, wenn die Ablenkung den eigentlichen Grund des Toilettengangs verdrängt – und man sogar vergisst, weshalb man überhaupt gegangen ist", sagt Pasricha.

Smartphones erhöhen im Vergleich zur Zeitung das Risiko. Gerade soziale Medien wie Instagram oder TikTok seien so konzipiert, dass sie unsere Aufmerksamkeit so lange wie möglich binden – auch, wenn wir auf dem Klo sitzen.

So verbringen die Smartphone-Nutzenden aus der Studie mehrmals wöchentlich mehr als fünf Minuten auf der Toilette. Die Hälfte gab zu, dabei regelmäßig die Zeit zu vergessen.

Der Gastroenterologe Dr. Ulrich Tappe, der nicht an der Studie beteiligt war, bezweifelt hingegen, dass das Smartphone eine entscheidende Rolle bei der Entstehung schmerzhafter Hämorrhoiden spielt.

"Hämorrhoidalleiden ist eine Frage von Stuhlentleerung und Ernährung", erklärt er. Vor allem das Pressen belaste den Beckenboden und begünstigere über eine längere Zeit die Entstehung von schmerzhaften Hämorrhoiden.

 

Enno Hinz Multimedia-Journalist mit Fokus auf Politik, Technologie und konstruktiver Berichterstattung.
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