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Warum das Hantavirus nicht mit Corona vergleichbar ist

12. Mai 2026

Zwischen 2018 und 2019 breitete sich das Andes‑Hantavirus in Argentinien von Mensch zu Mensch aus: 34 Infektionen, 11 Todesfälle. Die Analyse des Ausbruchs zeigt, warum sich auch die aktuelle Situation eindämmen lässt.

Polizeiboot nähert sich der MV Hondius nach Hantavirus-Ausbruch
Nach dem ersten Todesfall dauerte es mehr als drei Wochen, bis der Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius bestätigt wurdeBild: Hannah McKay/REUTERS

Die Erinnerungen an die COVID‑Pandemie sind bei vielen Menschen noch sehr lebendig. Verständlich, dass die Sorge über eine mögliche internationale Ausbreitung des Hantavirus groß ist.

"Ich weiß, dass Sie besorgt sind", schreibt WHO‑Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am 9. Mai 2026 in einem Brief an die Bevölkerung der spanischen Insel Teneriffa.

Das Kreuzfahrtschiff MV Hondius, auf dem sich das Hantavirus zwischen April und Mai ausgebreitet und drei Todesopfer gefordert hatte, sorgte für weitere Schlagzeilen, als es darum ging, im Hafen von Granadilla auf Teneriffa anzulegen. Von dort aus wurden die 147 Passagiere und Crewmitglieder in ihre Herkunftsländer zurückgebracht – darunter Deutschland, Frankreich und Australien.

"Ich weiß, dass Erinnerungen wach werden, die wir noch nicht vollständig verarbeitet haben, wenn man das Wort 'Ausbruch' hört und sieht, wie ein Schiff auf die eigenen Küsten zusteuert", schreibt Tedros.

Doch Experten geben Entwarnung: Zwischen SARS-CoV-2 und dem Hantavirus gibt es einen entscheidenden Unterschied.

"Hantaviren – und auch das Andes‑Virus – sind gänzlich andere Viren als Coronaviren", sagt Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr, im DW-Gespräch. "Sie sind zwar von Mensch zu Mensch übertragbar." Das sei aber sehr viel schwieriger. "Der Kontakt muss wesentlich enger sein."

Zum Vergleich: Als das Coronavirus SARS‑CoV‑2 im Jahr 2019 erstmals auftauchte und COVID‑19 auslöste, war es für Forschende und medizinisches Personal völlig neu. Niemand wusste genau, um welchen Erreger es sich handelte, wie schnell er sich ausbreiten würde, wie man ihn stoppen oder behandeln könnte.

Hantavirus - Droht eine neue Pandemie?

14:42

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Das Hantavirus hingegen ist seit 1993 bekannt. Entsprechend klar sind auch die medizinischen Risiken eingeordnet.

Bekannt ist, dass es eine schwere Lungenerkrankung auslösen kann – das sogenannte Hantavirus‑Lungensyndrom (HPS). Deshalb wurden an Bord der MV Hondius entsprechende Schutz‑ und Abstandsmaßnahmen ergriffen, sobald Labortests bestätigt hatten, dass das Virus für die ersten Todesfälle verantwortlich war.

Wie wirksam selbst einfache Maßnahmen sein können, zeigt eine Analyse eines Hantavirus‑Ausbruchs in Argentinien im November 2018. Sie belegt, dass sich die Übertragung von Mensch zu Mensch deutlich verlangsamen lässt – zum Beispiel durch Abstandhalten.

"Beim Andes‑Virus braucht es einen sehr nahen Kontakt", erklärt Wölfel. "Das ist ganz anders als wir es von SARS‑CoV‑2 oder Influenzaviren kennen."

Hantavirus‑Ausbruch in Argentinien 2018–2019

In einer im Jahr 2020 veröffentlichten Studie beschreiben Forschende, wie sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Andes‑Virus – der gleichen Variante, die auch auf der MV Hondius nachgewiesen wurde – halbierte, als Gesundheitsbehörden während des Ausbruchs 2018/19 in Argentinien Infizierte isolierten und Kontaktpersonen in Quarantäne schickten.

Die Maßnahmen wurden eingeführt, nachdem sich bestätigt hatte, dass sich 18 Menschen bei einer Massenveranstaltung infiziert hatten.

"Diese Maßnahmen haben die weitere Ausbreitung sehr wahrscheinlich begrenzt", schreiben die Autoren im New England Journal of Medicine. Die Reproduktionszahl – also die durchschnittliche Zahl der Menschen, die eine infizierte Person ansteckt – sank von 2,12 vor den Maßnahmen auf 0,96 danach.

Auf der MV Hondius verlief die Situation dennoch anders. Zwar wurden bis zum 11. Mai 2026 nur sieben bestätigte Fälle und zwei Verdachtsfälle gemeldet, doch es dauerte deutlich länger, bis Gegenmaßnahmen ergriffen wurden.

Nachdem der erste Passagier am 11. April gestorben war, teilte der Veranstalter Oceanwide Expeditions mit, dass erst am 4. Mai – also mehr als drei Wochen später – das Hantavirus als Todesursache bestätigt wurde. Zwei Tage zuvor hatte die WHO bereits über eine "Häufung" von Infektionen an Bord informiert.

Als das Schiff schließlich auf Teneriffa anlegte, bestand jedoch kein Zweifel mehr an der Ursache der Erkrankungen. Die spanischen Gesundheitsbehörden erklärten, sie hätten "alle Maßnahmen" ergriffen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Passagiere, Crew und medizinisches Personal trugen Schutzmasken und Schutzkleidung, persönliche Gegenstände wurden in versiegelten Beuteln transportiert.

"Die Reduzierung von Kontakten und der Einsatz von FFP2‑Masken bei der Ausschiffung und beim Weitertransport der Passagiere sind durch das gestützt, was wir über dieses Virus wissen", sagt Giulia Gallo, Forscherin am britischen Pirbright Institute.

Virologe Wölfel beruhigt: "Es ist nicht zu erwarten, dass das Andes‑Virus zu einem wirklichen globalen Problem wird. Das ist nicht vergleichbar mit Influenza oder SARS‑Coronaviren."

Weltweit treten Hantavirus‑Infektionen vergleichsweise selten auf. Im Jahr 2025 zählte die WHO in Nord‑ und Südamerika 229 Hantavirus‑Fälle und 59 Todesfälle durch verschiedene Varianten des Virus. In der europäischen Region wurden im Jahr 2023 1885 Hantavirus-Infektionen gemeldet. Es gibt weder einen zugelassenen Impfstoff noch steht eine spezifische antivirale Therapie gegen das Hantavirus zur Verfügung.

Der Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt.

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