40 Passagiere verlassen Schiff vor Hantavirus-Meldung
Veröffentlicht 7. Mai 2026Zuletzt aktualisiert 7. Mai 2026
Etwa 40 Passagiere der "MV Hondius" haben das Kreuzfahrtschiff bereits während eines Zwischenstopps an der abgelegenen Südatlantikinsel St. Helena verlassen. Das teilte das Außenministerium der Niederlande an diesem Donnerstag mit. Der niederländische Kreuzfahrtveranstalter Oceanwide Expeditions sprach dagegen jetzt von 29 Passagieren, die dort von Bord gegangen seien.
Bislang hatte der Veranstalter nur bekannt gegeben, dass am 24. April eine Niederländerin mit dem Leichnam ihres Mannes auf St. Helena von Bord gegangen sei. Der Ehemann war am 11. April auf dem Schiff verstorben. Die Frau flog anschließend mit einem Linienflug nach Südafrika und starb, nachdem sie auf dem Flughafen in Johannesburg zusammengebrochen war.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vermutet, dass sich das Ehepaar mit dem Hantavirus infizierte, bevor es an Bord des Schiffes ging.
Suche nach Kontaktpersonen des Kreuzfahrtschiffes
Weltweit versuchen Behördenvertreter nun, die Kontaktpersonen aller Passagiere ausfindig zu machen, die vorzeitig von Bord gegangen waren. Ziel ist es, eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Die WHO wies darauf hin, die Gefahr einer Erkrankung sei gering. Nur bei direktem und längerem Kontakt mit infizierten Menschen sei eine Ansteckung möglich.
Drei Menschen starben bislang, das niederländische Ehepaar und eine Deutsche. Bei acht weiteren Personen besteht der Verdacht, dass sie sich mit dem Hantavirus infiziert haben, wie die WHO an diesem Donnerstag weiter mitteilte.
Unterdessen landete im niederländischen Amsterdam ein zweites Sanitätsflugzeug. An Bord war ein erkranktes Crew-Mitglied der "Hondius", dessen Gesundheitszustand als "stabil" bezeichnet wurde.
Im Universitätsklinikum Düsseldorf im Bundesland Nordrhein-Westfalen wird weiter eine Frau untersucht, die laut Behörden Kontakt zu der am 2. Mai auf dem Kreuzfahrtschiff verstorbenen Deutschen hatte. Ein Klinikmitarbeiter sprach von "Abklärungsuntersuchungen". Die 65-jährige deutsche Staatsbürgerin sei eine "Kontaktperson ohne Symptome". Sie war am Mittwochabend mit einer zweiten vom Schiff evakuierten Person in Amsterdam gelandet.
Kreuzfahrtschiff steuert jetzt Teneriffa an
Die "MV Hondius", die seit Sonntag vor den Kapverdischen Inseln vor der Westküste Afrikas vor Anker lag, nahm am Mittwoch nach der Evakuierungsaktion Kurs auf die spanische Insel Teneriffa. Dort wird das Kreuzfahrtschiff nach Angaben von Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García Gómez "innerhalb von drei Tagen" im Hafen von Granadilla anlegen.
Auf der Urlaubsinsel gibt es eine auf Epidemien spezialisierte Klinik. Dort sollen Besatzung und Passagiere untersucht und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden.
Passagiere klagen: Hantavirus nicht ernst genommen
Auch nach dem Tod des 70-jährigen Niederländers ging nach Angaben von Passagieren der Alltag an Bord unverändert weiter. Es habe weiterhin dichtes Gedränge am Buffet gegeben. Masken seien nicht getragen worden.
Die Besatzung habe nicht einmal die Möglichkeit in Betracht gezogen, eine ansteckende Krankheit an Bord zu haben, erklärten Passagiere.
Argentinien lässt nach Ursprung des Virus suchen
Das Kreuzfahrtschiff hatte seine Reise in Ushuaia, das in der argentinischen Provinz Feuerland im Süden des Landes liegt, begonnen. Die argentinischen Behörden schicken deswegen nun Experten für Infektionskrankheiten dorthin. Diese sollen nach einer "möglichen Präsenz des Virus" suchen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.
Das Gesundheitsministerium in Buenos Aires wies darauf hin, es sei "nicht bestätigt, dass die Ansteckung in Argentinien stattgefunden hat". Feuerland habe "seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 1996 keinen einzigen Hantavirus-Fall gemeldet".
Das verstorbene Ehepaar hatte vor seiner Kreuzfahrt mehrere Länder in Südamerika bereist. Es war laut Behörden-Angaben am 27. November in Argentinien angekommen, reiste anschließend nach Chile und Uruguay weiter und kehrte dann am 27. März nach Argentinien zurück. Am 1. April gingen die Niederländer an Bord der "MV Hondius".
Das Schiff lief laut Veranstalter mit 114 Passagieren und knapp 60 Besatzungsmitgliedern aus.
se/pgr/AR (ap, rtr, dpa, afp)