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Hantavirus auf Kreuzfahrt: Ansteckung, Symptome, Therapie

Hannah Fuchs | Carla Bleiker | Esteban Pardo
4. Mai 2026

Drei Menschen starben auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik, mutmaßlich am Hantavirus. Bei einem weiteren Reisenden konnte die Krankheit nachgewiesen werden. Was sind die Symptome des Virus und wie steckt man sich an?

Passagierschiff Hondius auf See
Auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius sind drei Menschen verstorben, mindestens einer davon am HantavirusBild: Oceanwide Expeditions/AP Photo/picture alliance

Auf einem Kreuzfahrtschiff auf der Fahrt von Argentinien nach Kap Verde sind drei Reisende, ein niederländisches Paar und ein Deutscher, verstorben. Es besteht der Verdacht auf Hantavirus. Bei einem weiteren Reisenden konnte das Virus zweifelsfrei nachgewiesen werden. Der 69-Jährige wird nach Medienberichten in Südafrika intensivmedizinisch behandelt. Auch zwei Crewmitglieder sind schwer erkrankt.

Wie und wo sich die Erkrankten genau angesteckt haben, ist noch unklar.

"Das Risiko für die allgemeine Öffentlichkeit bleibt niedrig", verkündete das Büro für die europäische Region der Weltgesundheitsorganisation in einer Pressemitteilung am Montag. "Es gibt keinen Grund zur Panik oder für Reise-Einschränkungen."

Das betroffene Kreuzfahrtschiff ist die "Hondius" des niederländischen Betreibers Oceanwide Expeditions. Aktuell sind 149 Passagiere und Crewmitglieder an Bord.

Was sind Zoonosen?

02:26

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Was ist das Hantavirus und wie steckt man sich an?

Das Hantavirus ist eine Zoonose. Es wird vom Tier auf den Menschen übertragen. Eine Ansteckung bei erkrankten Menschen konnte in Europa noch nicht beobachtet werden. In Südamerika kam es in wenigen Fällen zu einer Mensch-zu-Mensch Übertragung des Anden-Virus, einer Hantavirus-Art, die in Argentinien und Chile vorkommt. Dies ist aktuell die einzig bekannte Art, bei der man sich bei einem erkrankten Menschen anstecken kann. Nach einer Studie von 2021 ist die Mensch-zu-Mensch Übertragung aber auch bei dieser Hantavirus-Art nicht endgültig belegt.

Die natürlichen Wirte der Hantaviren sind hauptsächlich verschiedene Maus- und Rattenarten. Die Viren wurden aber auch schon bei Maulwürfen und Fledermäusen entdeckt. Die Erreger werden von infizierten Tieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden.

Der Mensch infiziert sich über den Kontakt mit Ausscheidungen von infizierten Nagern - etwa, wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt und die Erreger eingeatmet werden. Auch, wer Partikel mit der Nahrung aufnimmt, oder sich zum Beispiel nach Kontakt mit kontaminiertem Staub die Augen wischt oder die Nase putzt, kann erkranken.  Die Viren können in der Umwelt mehrere Wochen überdauern. Ein direkter Kontakt mit erkrankten Tieren ist also gar nicht nötig, aber man kann sich auch durch den Biss eines infizierten Nagers anstecken.

Das Hantavirus wird von Nagetieren wie zum Beispiel Ratten übertragenBild: Arno Burgi/dpa/picture alliance

Welche Symptome sind typisch?

Der Schweregrad des Verlaufs hängt von der Art des Hantavirus ab. Hantavirus-Arten, die in Europa und Asien auftauchen, verursachen normalerweise grippeähnliche Infektionen, mit über drei bis vier Tage anhaltendem hohen Fieber (über 38 Grad Celsius) sowie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen, einige Erkrankte zeigen aber auch keine Symptome. In einigen Fällen kann sich die Erkrankung zu einem hämorrhagischen Fieber mit renalem Syndrom entwickeln. Es kann es zu Blutdruckabfall und Nierenfunktionsstörungen bis zum akuten Nierenversagen kommen. Laut der Online-Ausgabe des MSD Manuals für Patienten, einem medizinischen Handbuch der Pharmafirma Merck Sharp & Dohme, führt das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom bei bis zu 15% der Patientinnen und Patienten zum Tod. Die Sterblichkeitsrate variiert je nach Art des Hantavirus.

Hantavirus-Arten, die in Nord- und Südamerika auftauchen, können ein pulmonales Syndrom auslösen. Dabei sammelt sich Flüssigkeit um die Lunge und der Blutdruck fällt; es kann zu schwerer Atemnot kommen. Bei rund 50% der Erkrankten führt das pulmonale Syndrom laut MSD Manual zum Tod.

Hantavirus in Deutschland

Hantaviren sind in Deutschland schon über viele Jahre bekannt. Zwischen 200 und 3000 Fällen treten üblicherweise pro Jahr auf.

Die Hantavirus-Art, die in Deutschland am häufigsten auftritt, ist das Puumalavirus. Dafür ist die Rötelmaus der häufigste Reservoirwirt. Bei dieser Hantavirus-Art liegt die Sterblichkeitsrate laut einer Studie im Fachblatt Lancet bei nur rund 1%.

Daneben sind in Deutschland humane Infektionen mit dem Dobrava-Belgrad-Virus beschrieben worden. Während das Puumalavirus ausschließlich im westlichen Teil Deutschlands vorkommt, ist die Verbreitung des Dobrava-Belgrad-Virus wegen des Vorkommens der Brandmaus als Reservoirwirt auf den östlichen Teil Deutschlands beschränkt. Auch das Seoulvirus löst in Deutschland vereinzelt Hantavirus aus.

Hantaviren unterm Mikroskop: Eine Erkrankung kann keinerlei Symptome mit sich bringen - oder tödlich seinBild: REUTERS

Langzeiteffekte und Behandlung des Hantavirus

Jüngste Studien zeigen, dass das Hantavirus auch nach Abklingen der akuten Infektion gesundheitliche Folgen haben kann. Forschende haben herausgefunden, dass Erkrankte in den Jahren nach der Infektion ein erhöhtes Risiko für bestimmte Arten von Blutkrebs und für Herzkreislauf-Erkrankungen hatten. Die Mechanismen dahinter sind laut der Lancet-Studie noch nicht geklärt.

Die Behandlung des Hantavirus beschränkt sich im Wesentlichen auf die Behandlung der Symptome. Schwere Krankheitsverläufe können Dialyse oder künstliche Beatmung erfordern. In Europa sowie Nord- und Südamerika gibt es noch keine Impfungen gegen das Hantavirus. In China und Südkorea werden Impfstoffe eingesetzt, ihre Effizienz konnte laut der Lancet-Studie jedoch noch nicht wissenschaftlich belegt werden.

An neuen Therapien wird geforscht. Eine experimentelle Behandlungsmethode, die auf Antikörpern von Überlebenden beruht, konnte in ersten Versuchen verschiedene Hantavirus-Arten erfolgreich neutralisieren.

DNA-Impfstoffe gegen beispielsweise das Puumalavirus zeigten sich in ersten Versuchen bei Menschen als erfolgversprechend. Die Forschenden veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachblatt npj Vaccines im November 2024.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde ursprünglich am 4. Mai 2026 veröffentlicht. Am 5. Mai haben wir ihn mit neuen Informationen zu den verstorbenen und erkrankten Reisenden aktualisiert.

Hannah Fuchs Multimedia-Reporterin und Redakteurin mit Fokus auf Technik, digitalen Themen und Psychologie.
Carla Bleiker Redakteurin, Channel Managerin und Reporterin mit Blick auf Wissenschaft und US-Politik.@cbleiker
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