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Haushaltsplus dank Wirtschaftsboom

24. August 2018

Wie gut es der deutschen Wirtschaft geht, kann man am Haushalt des deutschen Staates ablesen: Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung nahmen im ersten Halbjahr gut 48 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben.

Deutschland Bargeld in einer Kasse
Bild: picture-alliance/dpa/D. Reinhardt

Es ist wieder ein Rekordüberschuss und das fünfte Plus in Folge: Ganz genau lag der Haushaltüberschuss der öffentlichen Kassen in Deutschland in den ersten sechs Monaten des Jahres bei 48,1 Milliarden Euro. Das ist das höchste Haushaltsplus seit der deutschen Wiedervereinigung. Der Haushaltsüberschuss entspricht 2,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP).  Deutschland liegt damit unter der Schuldenobergrenze, die sich die Europäer in ihren Maastricht-Verträgen zugestehen. Erlaubt ist demnach höchstens ein Haushaltsdefizit von 3,0 Prozent der nominalen Wirtschaftsleistung.

Die öffentlichen Kassen nahmen von Januar bis Juni 761,8 Milliarden Euro ein und gaben 713,7 Milliarden Euro aus, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. "Die Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung konnten damit weiter von einer günstigen Beschäftigungs- und Wirtschaftsentwicklung sowie einer moderaten Ausgabenpolitik profitieren", erklärten die Statistiker.

Ein Plus von fünf Prozent

Wegen der guten Konjunktur schreibt der Staat bereits seit 2014 schwarze Zahlen. Im Aufschwung steigen die Steuer- und Beitragseinnahmen, während niedrige Zinsen auf der Ausgabenseite entlasten. Die Einnahmen des Staates erhöhten sich im ersten Halbjahr um 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allein an Steuern nahm der Staat 403,5 Milliarden Euro ein, ein Plus von 5,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2017.

Baumboom treibt das Wirtschaftswachstum in DeutschlandBild: picture-alliance/dpa/C. Charisius

Auch in diesem Frühjahr profitierte die deutsche Wirtschaft erneut kräftig von der Kauflaune der Verbraucher und dem Bauboom im Land. Das Bruttoinlandsprodukt kletterte zwischen April und Juni um 0,5 Prozent zum Vorquartal. Mit den Zahlen bestätigte das Statistische Bundesamt am Freitag eine erste Schätzung. Zu Jahresbeginn hatte Europas größte Volkswirtschaft um 0,4 Prozent zugelegt.

Die Wirtschaft boomt - noch

Im zweiten Quartal zeigten sich bereits Gegenwind durch den internationalen Zollstreit. Denn der Außenhandel bremste das Wachstum, da die Exporte im Vergleich zum Jahresanfang mit 0,7 Prozent weniger stark zulegten als die Importe mit 1,7 Prozent. Die Impulse kamen vor allem aus dem Inland.

Die meisten Fachleute gehen davon aus, dass der Aufschwung in Deutschland seinen Höhepunkt bereits hinter sich hat. So erwartet etwa die Bundesbank, dass die Wirtschaft im laufenden Sommer-Quartal etwas geringer wachsen dürfte "als im Mittel des ersten Halbjahres". Dies liege auch an der schwächelnden Industrie.

Die Befürchtungen halten sich allerdings in Grenzen. So erwartet der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, eine "nur milde Wachstumsabschwächung" im Vergleich zu den Vorjahren. Sie werde sich vor allem auf die Industrie konzentrieren. "Das hat damit zu tun, dass sich der starke Exportschwung normalisiert hat. 2016 und 2017 waren die Exporte noch hochgeschossen, dadurch auch die Industrieproduktion. Jetzt erleben wir eine Normalisierung der Industriekonjunktur, nicht zuletzt wegen der Aufwertung des Euro in der Vergangenheit", so Krämer.

ar/hb (dpa, rtr, afp)

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