Das Münchner Startup Ororatech nutzt eigene Wärmebildsatelliten und künstliche Intelligenz, um Waldbrände weltweit frühzeitig zu erkennen. Die Technologie liefert Feuerwehr und Behörden Echtzeitdaten zur Brandbekämpfung.
Bild: Ororatech
Anzeige
Im Juli kämpfen in Spanien, Portugal und Frankreich hunderte Feuerwehrleute gegen die Flammen. Wo es sonst noch brennt, zeigt die Karte des Fire Information for Resource Mangament Systems (FIRMS) der US Weltraumorganisation NASA an: Überall auf der Welt sind rote Punkte verteilt - ausgenommen sind im Wesentlichen nur die weißen Flächen von Grönland und der Antarktis. Jeder dieser Punkte steht für Feuer.
Waldbrandfrüherkennung: Rote Punkte zeigen Bränden auf der Satellitenaufnahme des Fire Information for Resource Management SystemBild: NASA FIRMS
Mit Hitzewellen und Dürren kommt es weltweit immer häufiger zu Waldbränden. Oft beginnt es ganz unspektakulär - eine weggeworfene Zigarette oder der weggewehte Funke eines Lagerfeuers reichen, um trockenes Laub und kleine Äste in Brand zu setzen. Danach ist schnelles Handel wichtig, um das Feuer zu ersticken, bevor es größere Flächen in Brand setzen kann.
Anzeige
Wie funktioniert Waldbrand-Früherkennung mit Satelliten?
Um aber schnell handeln zu können, müssen solche kleinen Brandherde frühzeitig entdeckt werden. Das ist vor allem in unzugänglicheren Gebieten ein Problem. Bevor das menschliche Auge hochschlagende Flammen oder Rauch sieht, kann mit Hilfe von Satelliten bereits Alarm geschlagen worden sein.
Viele Satellitendaten sind kostenlos verfügbar, etwa die von FIRMS. Globale Daten sind innerhalb von drei Stunden nach der Satellitenbeobachtung öffentlich - in den USA und Kanada gibt es sie zum Teil auch in Echtzeit. Auch das European Forest Fire Information System (EFFIS) ) liefert kostenlose Daten für Europa, den Nahen Osten und Nordafrika. Dabei wird auf Informationen von NASA-Satelliten und Copernicus-Satelliten zurückgegriffen.
Trotz dieser kostenlosen Zugänge zu Satellitendaten hat das Startup Ororatech aus München ein Geschäftsmodell zur Waldbranderkennung entwickelt. Die Formel: Satellitendaten, KI, Service und das Ganze schnell.
Ororatech entdeckt Waldbrände früher per Satellit und KI
This browser does not support the audio element.
Waldbrandmanagement mit Echtzeitdaten
"Die Systeme von NASA und ESA machen die Bilder meistens nur zu einer bestimmten Zeit am Tag", erklärt Thomas Grübler, CSO von Ororatech. Beispielsweise nur vormittags oder mittags. Typischerweise brechen Waldbrände aber eher ab der Mitte des Tages aus. Diese "Nachmittagslücke" ergänzt das Startup Ororatech mit eigenen Satelliten.
Zudem sind die Daten herkömmlicher Satelliten nicht für die Erkennung von Brandherden entwickelt worden, daher haben sie teils eine sehr grobe Auflösung und "erblicken" kleine Brandherde nicht unbedingt.
Im Ergebnis landen wichtige Daten unter Umständen nur verzögert - teilweise nur einmal am Tag bei den Brandbekämpfern. Zeit, in der sich Feuer unerkannt ausbreiten können.
Mitarbeiter des Münchner Startups Ororatech mit SatellitengehäuseBild: Matthias Schrader/AP Photo/picture alliance
Im Frühjahr 2022 brachte Ororatech die ersten eigenen Satelliten in den Orbit. Die Satelliten arbeiten mit thermischen Infrarotsensoren, die Brände auch nachts oder durch Rauch hindurch erkennen können. Das Besondere sei, dass die Kameras so miniaturisiert worden seien, dass sie in einen schuhkartongroßen Satelliten passen würden, sagt Grübler, der das Unternehmen 2018 mit anderen gegründet hat. Sie seien dadurch billiger und bräuchten nur einen Bruchteil der Energie, die große Satelliten brauchen.
Eine miniaturisierte Kamera von Ororatech, die in den eigenen Wärmebildsatelliten verbaut wirdBild: Matthias Schrader/AP Photo/picture alliance
Wie setzt Ororatech künstliche Intelligenz gegen Waldbrände ein?
Nach eigenen Angaben betreibt Ororatech derzeit mehr Wärmebildsatelliten als jedes andere Land oder Unternehmen weltweit. Ab 2028 sollen es bis zum 96 Scans am Tag sein, damit könnte jeder Punkt der Erde alle 15 Minuten gescannt werden.
Mit der Erkennung von Brandherden ist es aber nicht getan. "Diese Daten werden von uns anwendbar gemacht", ergänzt Grübler. Dafür analysiert Ororatech nicht nur die eigenen Daten mit Hilfe von KI, sondern auch die anderer Satelliten beispielsweise der ESA und der NASA. Das Ziel: "Jemand, der kein Satellitenexperte oder Geodatenexperte ist, kann mit den Daten Entscheidungen treffen," sagt Grübler.
Wie entwickelt sich der Brand? Wo sollte die Feuerwehr wie vorgehen? Ororatech liefert Echtzeitdaten für Einsatzplanung der Feuerwehr und WaldbrandmanagementBild: Pedro Rocha/REUTERS
So erhalten Kunden innerhalb von Minuten Informationen über Brandherde sowie fortlaufend Informationen über den potenziellen Brandverlauf und eine Abschätzung der Folgen.
Wer nutzt die Waldbrand-Daten von Ororatech?
Zu den Kunden in 25 Ländern gehören neben staatlichen Stellen auch Feuerwehren, Forstunternehmen, Infrastruktur- und Energieversorger, Versicherungen und Umweltorganisationen. Mit Hilfe von aktuellen Daten zu Bränden könnten beispielsweise Betreiber von Plantagen zur Zellstoffproduktion in Südamerika verhindern, dass Wildbrände ihre Plantagen und damit ihr Kapital vernichten.
Starke Rauchentwicklung bei Bränden macht die Erkundung durch Flugzeuge oder über Feuerwachtürme schwierigBild: Alexandre Dimou/REUTERS
Mittlerweile verkauft Ororatech auch die Daten seiner eigenen Satelliten an die ESA und die NASA. Auch die griechische Regierung hat sich von Ororatech überzeugen lassen. In Zusammenarbeit mit der ESA wurde speziell für Griechenland ein System entwickelt - bestehend aus vier Satelliten, einer Bodenstation in Griechenland und der Wildfire-Solution Plattform von Ororatech. So können ständig Echtzeitdaten zur Waldbranderkennung in Griechenland geliefert werden.
Besonders in Ländern in denen sich Brände sehr schnell entwickeln und um sich greifen, sind Systeme nützlich, die dabei helfen, die Einsatzkräfte besser zu organisieren.
Laut eigenen Angaben überwacht Ororatech weltweit 407 Millionen Hektar Wald, eine Fläche fast so groß wie die der EU. Darunter Gebiete in Brasilien, Chile, den USA, Kanada und Australien.
Welche neue Geschäftsfelder eröffnen sich mit Wärmesatelliten?
"Dass der komplette Markt von der Nische so in die Masse geht, hätte ich nicht erwartet," sagt Grübler. "Mittlerweile sind wir tief vernetzt und Experten im Waldbrandsektor" und wegen der zunehmenden Feuer werde der Markt unglücklicherweise immer größer.
Weltweit brannte im Jahr 2024–25 eine Fläche, die größer als Indien ist Zwischen März 2024 und Februar 2025 setzten globale Waldbrandereignisse laut dem State of Wildfires Project mehr als acht Milliarden Tonnen CO₂ frei und haben damit das Risiko künftiger Brände weiter erhöhtBild: Ringo Chiu/REUTERS
Neben der Waldbranderkennung tun sich außerdem weitere potentielle Geschäftsfelder auf. Denn nicht nur Feuer lassen sich messen, sondern alle Arten von Wärmeemissionen. So könnten Informationen darüber, wieviel Wasser auf Feldern verdunstet für den Agrarbereich abgeleitet werden, es können Hitzeinseln in bewohnten Gebieten ermittelt, Ölteppiche im Meer detektiert werden und die Wärmedaten können auch im Verteidigungsbereich nützlich sein.
70 Kilometer südlich von Paris wütet ein gewaltiger Waldbrand im berühmten Wald von Fontainebleau. Mehr als 400 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen. Hitze und starker Wind verschärfen die Lage.
Bild: Stephane Mahe/REUTERS
Feueralarm in der Dunkelheit
Das Feuer brach späten Sonntagnachmittag nahe einer Autobahn aus und fraß sich rasend schnell durch den trockenen Wald. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez ermittelt die Polizei wegen mutmaßlicher Brandstiftung, sie entdeckte eine Vielzahl von Brandherden in einem Umkreis von 1000 Metern.
Bild: CLPress/ABACA/picture alliance
Größter Waldbrand seit Jahrzehnten
Jedes Jahr kommt es zu kleineren Bränden im KI-überwachten Wald von Fontainebleau. Dieser gehört schon jetzt zu den verheerendsten seit Jahrzehnten. Bis Mitternacht waren laut Behörden bereits mehr als 800 Hektar Wald zerstört. Am Montagnachmittag waren über 1200 Hektar abgebrannt - rund fünf Prozent des gesamten Waldgebiets.
Bild: Thomas Samson/AFP
Leere Autobahn, stehende Züge
Der Waldbrand betrifft auch den Verkehr. Die wichtige Autobahn A6 zwischen Paris und Lyon wurde gesperrt. Gleichzeitig sorgen kleinere Brände in der Region für massive Störungen im Schienennetz des Hochgeschwindigkeitszugs TGV. Reisende sitzen fest, während Einsatzkräfte versuchen zu verhindern, dass sich das Feuer weiter ausbreitet.
Bild: Benoit Tessier/REUTERS
Löscharbeiten in vollem Gange
Mehr als 400 Feuerwehrleute sind ununterbrochen im Einsatz. "Der Kampf geht heute weiter", erklärte die französische Feuerwehr am Montagmorgen. Zwei Löschflugzeugen unterstützen die Arbeit am Boden. Um Zeit zu sparen, füllen sie ihre Tanks im Flug über die Seine.
Bild: Thomas Samson/AFP
Wind treibt das Inferno voran
Die Einsatzkräfte kämpfen gegen ein Feuer, das sich ständig neue Nahrung sucht. Heiße Winde und Trockenheit machen Pflanzen zu einem gefundenen Fressen für die Flammen.
Der Wald von Fontainebleau gehört zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Westeuropas. Einst ein königlicher Forst gehört es heute dem französischen Staat. Das berühmte Chateau de Fontainebleau, Frankreichs erster Renaissancebau, nutzte der Sonnenkönig Ludwig XIV als Jagdschloss.
Bild: Franck Desprez/SDIS 77/AFP
Brände auch anderswo in Europa
Neben Frankreich haben in den letzten Wochen auch Wälder in Spanien, Portugal und Griechenland gebrannt. Tausende Hektar Natur sind bereits zerstört. Vergangene Woche starben in der spanischen Provinz Almería 13 Menschen bei einem Großbrand.
Bild: CLPRESS/ABACA/IMAGO
7 Bilder1 | 7
Unter anderem können Schiffe aus dem All entdeckt werden, auch wenn sie ihren Transponder abgeschaltet haben, also das Gerät, das automatisch Informationen aussendet und empfängt, damit andere Schiffe und Küstenstationen das Schiff erkennen und verfolgen können. "Ich vermute, dass in fünf Jahren noch Anwendungsfälle kommen, von denen wir heute gar nicht wissen, dass es die gibt", so Grübler.
Eine gewaltige Feuerwalze rollt durch Andalusien und hinterlässt Tod und Verwüstung. Viele Menschen sterben, einige werden vermisst. Viele Opfer sind wohl Touristen, die vor den Flammen fliehen wollten
Bild: Plan Infoca/Europapress/dpa/picture alliance
Flammen verschlingen das Dorf
Am Freitagmorgen wirkt Bedar noch friedlich. Wenige Stunden später rast ein Feuer durch Wälder und Schluchten rund um Los Gallardos in Andalusien. Menschen fliehen in Panik vor den Flammen. Straßen werden gesperrt, Bewohner und Urlauber bringen sich in Sicherheit. Was als lokaler Brand beginnt, entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit zu einer der schwersten Feuerkatastrophen Spaniens.
Bild: Loyola Perez de Villegas Muniz/REUTERS
Todesfalle auf der Flucht
Für viele kommt jede Hilfe zu spät. Rund ein Dutzend Menschen sterben, um die 20 gelten als vermisst. Vier Opfer verbrennen in einem Auto mit Rechtslenkung. Die Behörden vermuten britische Staatsbürger, ihre Identität wird noch überprüft. Viele Opfer wollten dem Feuer entkommen, wurden jedoch von den Flammen eingeschlossen. Die Identität vieler Opfer ist noch unklar.
Rund 400 Feuerwehrleute, Soldaten und Einsatzkräfte kämpfen ununterbrochen gegen das Inferno. Mehr als 150 Notrufe gehen innerhalb kurzer Zeit ein. Etwa 150 Menschen werden in einem Kulturzentrum untergebracht. Über 3150 Hektar Wald- und Agrarflächen brennen nieder.
Bild: Chema Artero/REUTERS
Bewohner in Sorge
Bewohner stehen am Ortsrand und beobachten die Löscharbeiten. Extreme Temperaturen von bis zu 40 Grad schaffen ideale Bedingungen für die Katastrophe. Trockenheit, dichter Wald und starker Wind treiben das Feuer immer weiter an. Augenzeugen berichten, dass sich die Flammen explosionsartig ausbreiten. Binnen Minuten verwandeln sich Hänge und Felder in ein loderndes Flammenmeer.
Bild: Loyola Perez de Villegas Muniz/REUTERS
Spur führt zur Stromleitung
Nach ersten Erkenntnissen könnte eine heruntergerissene Stromleitung den Brand ausgelöst haben. Ein Funke setzt möglicherweise trockenes Buschland in Brand, wenig später greifen die Flammen auf den Wald über. Offiziell laufen die Ermittlungen noch. Klar ist jedoch: Die Kombination aus Hitze und Wind machte aus dem möglichen Defekt eine tödliche Katastrophe.
Bild: Loyola Perez de Villegas Muniz/REUTERS
"Es gibt keine Worte für diese Trauer"
Nach ihrer Evakuierung werden Bewohner aus Bedar in der Sporthalle von Garrucha nahe Los Gallardos in der Provinz Almería untergebracht. "Es gibt keine Worte für diese Trauer", sagt Andalusiens Katastrophenschutzminister Antonio Sanz. Er spricht von einem "sehr komplexen und extrem schnellen Feuer". Auch Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigt sich erschüttert.
Bild: Jose Jordan/AFP
Urlaubsort wird Albtraum
Die Region zählt im Sommer zu beliebten Reisezielen. Statt Erholung erleben viele Touristen Angst und Chaos. Flammen sind sogar von einer wichtigen Fernstraße aus sichtbar. Wälder, Ferienhäuser und Felder werden bedroht. Für viele endet der Urlaub abrupt, während Einsatzkräfte weiter nach Vermissten suchen.
Bild: Europa Press/IMAGO
Klima verschärft die Gefahr
Spanien erlebt seit Jahren immer häufigere und längere Hitzewellen. 2025 war das drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Laut dem Europäischen Waldbrand-Informationssystem verbrannten 2025 mehr als 393.000 Hektar Land so viel wie nie zuvor. Temperaturen über 40 Grad und ausgetrocknete Vegetation erhöhen das Risiko für Großbrände erheblich. Experten warnen vor weiteren Katastrophen.
Bild: Jose Jordan/AFP
Warnsignal für Europa
Die Flammen sind noch nicht vollständig gelöscht, die Suche nach Vermissten dauert an. Das Inferno von Los Gallardos zeigt, wie zerstörerisch Hitze, Trockenheit und Wind zusammenwirken können. Während Spanien und Frankreich gleichzeitig gegen Waldbrände kämpfen, wächst die Sorge, dass solche Katastrophen in Europa künftig immer häufiger zur bitteren Realität werden.