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Der Kampf gegen Waldbrände beginnt im All

14. Juli 2026

Das Münchner Startup Ororatech nutzt eigene Wärmebildsatelliten und künstliche Intelligenz, um Waldbrände weltweit frühzeitig zu erkennen. Die Technologie liefert Feuerwehr und Behörden Echtzeitdaten zur Brandbekämpfung.

Griechenland 2026 | Satellit von OroraTech
Bild: Ororatech

Im Juli kämpfen in Spanien, Portugal und Frankreich hunderte Feuerwehrleute gegen die Flammen. Wo es sonst noch brennt, zeigt die Karte des Fire Information for Resource Mangament Systems (FIRMS) der US Weltraumorganisation NASA an: Überall auf der Welt sind rote Punkte verteilt - ausgenommen sind im Wesentlichen nur die weißen Flächen von Grönland und der Antarktis. Jeder dieser Punkte steht für Feuer.

Waldbrandfrüherkennung: Rote Punkte zeigen Bränden auf der Satellitenaufnahme des Fire Information for Resource Management SystemBild: NASA FIRMS

Mit Hitzewellen und Dürren kommt es weltweit immer häufiger zu Waldbränden. Oft beginnt es ganz unspektakulär - eine weggeworfene Zigarette oder der weggewehte Funke eines Lagerfeuers reichen, um trockenes Laub und kleine Äste in Brand zu setzen. Danach ist schnelles Handel wichtig, um das Feuer zu ersticken, bevor es größere Flächen in Brand setzen kann.

Wie funktioniert Waldbrand-Früherkennung mit Satelliten?

Um aber schnell handeln zu können, müssen solche kleinen Brandherde frühzeitig entdeckt werden. Das ist vor allem in unzugänglicheren Gebieten ein Problem. Bevor das menschliche Auge hochschlagende Flammen oder Rauch sieht, kann mit Hilfe von Satelliten bereits Alarm geschlagen worden sein.

Viele Satellitendaten sind kostenlos verfügbar, etwa die von FIRMS. Globale Daten sind innerhalb von drei Stunden nach der Satellitenbeobachtung öffentlich - in den USA und Kanada gibt es sie zum Teil auch in Echtzeit. Auch das European Forest Fire Information System (EFFIS) ) liefert kostenlose Daten für Europa, den Nahen Osten und Nordafrika. Dabei wird auf Informationen von NASA-Satelliten und Copernicus-Satelliten zurückgegriffen.

Trotz dieser kostenlosen Zugänge zu Satellitendaten hat das Startup Ororatech aus München ein Geschäftsmodell zur Waldbranderkennung entwickelt. Die Formel: Satellitendaten, KI, Service und das Ganze schnell.

Ororatech entdeckt Waldbrände früher per Satellit und KI

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Waldbrandmanagement mit Echtzeitdaten

"Die Systeme von NASA und ESA machen die Bilder meistens nur zu einer bestimmten Zeit am Tag", erklärt Thomas Grübler, CSO von Ororatech. Beispielsweise nur vormittags oder mittags. Typischerweise brechen Waldbrände aber eher ab der Mitte des Tages aus. Diese "Nachmittagslücke" ergänzt das Startup Ororatech mit eigenen Satelliten.

Zudem sind die Daten herkömmlicher Satelliten nicht für die Erkennung von Brandherden entwickelt worden, daher haben sie teils eine sehr grobe Auflösung und "erblicken" kleine Brandherde nicht unbedingt.

Im Ergebnis landen wichtige Daten unter Umständen nur verzögert - teilweise nur einmal am Tag bei den Brandbekämpfern. Zeit, in der sich Feuer unerkannt ausbreiten können.

Mitarbeiter des Münchner Startups Ororatech mit SatellitengehäuseBild: Matthias Schrader/AP Photo/picture alliance

Im Frühjahr 2022 brachte Ororatech die ersten eigenen Satelliten in den Orbit. Die Satelliten arbeiten mit thermischen Infrarotsensoren, die Brände auch nachts oder durch Rauch hindurch erkennen können. Das Besondere sei, dass die Kameras so miniaturisiert worden seien, dass sie in einen schuhkartongroßen Satelliten passen würden, sagt Grübler, der das Unternehmen 2018 mit anderen gegründet hat. Sie seien dadurch billiger und bräuchten nur einen Bruchteil der Energie, die große Satelliten brauchen.

Eine miniaturisierte Kamera von Ororatech, die in den eigenen Wärmebildsatelliten verbaut wirdBild: Matthias Schrader/AP Photo/picture alliance

Wie setzt Ororatech künstliche Intelligenz gegen Waldbrände ein?

Nach eigenen Angaben betreibt Ororatech derzeit mehr Wärmebildsatelliten als jedes andere Land oder Unternehmen weltweit. Ab 2028 sollen es bis zum 96 Scans am Tag sein, damit könnte jeder Punkt der Erde alle 15 Minuten gescannt werden.

Mit der Erkennung von Brandherden ist es aber nicht getan. "Diese Daten werden von uns anwendbar gemacht", ergänzt Grübler. Dafür analysiert Ororatech nicht nur die eigenen Daten mit Hilfe von KI, sondern auch die anderer Satelliten beispielsweise der ESA und der NASA. Das Ziel: "Jemand, der kein Satellitenexperte oder Geodatenexperte ist, kann mit den Daten Entscheidungen treffen," sagt Grübler.

Wie entwickelt sich der Brand? Wo sollte die Feuerwehr wie vorgehen? Ororatech liefert Echtzeitdaten für Einsatzplanung der Feuerwehr und WaldbrandmanagementBild: Pedro Rocha/REUTERS

So erhalten Kunden innerhalb von Minuten Informationen über Brandherde sowie fortlaufend Informationen über den potenziellen Brandverlauf und eine Abschätzung der Folgen.

Wer nutzt die Waldbrand-Daten von Ororatech?

Zu den Kunden in 25 Ländern gehören neben staatlichen Stellen auch Feuerwehren, Forstunternehmen, Infrastruktur- und Energieversorger, Versicherungen und Umweltorganisationen. Mit Hilfe von aktuellen Daten zu Bränden könnten beispielsweise Betreiber von Plantagen zur Zellstoffproduktion in Südamerika verhindern, dass Wildbrände ihre Plantagen und damit ihr Kapital vernichten.

Starke Rauchentwicklung bei Bränden macht die Erkundung durch Flugzeuge oder über Feuerwachtürme schwierigBild: Alexandre Dimou/REUTERS

Mittlerweile verkauft Ororatech auch die Daten seiner eigenen Satelliten an die ESA und die NASA. Auch die griechische Regierung hat sich von Ororatech überzeugen lassen. In Zusammenarbeit mit der ESA wurde speziell für Griechenland ein System entwickelt - bestehend aus vier Satelliten, einer Bodenstation in Griechenland und der Wildfire-Solution Plattform von Ororatech. So können ständig Echtzeitdaten zur Waldbranderkennung in Griechenland geliefert werden.

Besonders in Ländern in denen sich Brände sehr schnell entwickeln und um sich greifen, sind Systeme nützlich, die dabei helfen, die Einsatzkräfte besser zu organisieren.

Laut eigenen Angaben überwacht Ororatech weltweit 407 Millionen Hektar Wald, eine Fläche fast so groß wie die der EU. Darunter Gebiete in Brasilien, Chile, den USA, Kanada und Australien.

Welche neue Geschäftsfelder eröffnen sich mit Wärmesatelliten?

"Dass der komplette Markt von der Nische so in die Masse geht, hätte ich nicht erwartet," sagt Grübler. "Mittlerweile sind wir tief vernetzt und Experten im Waldbrandsektor" und wegen der zunehmenden Feuer werde der Markt unglücklicherweise immer größer. 

Weltweit brannte im Jahr 2024–25 eine Fläche, die größer als Indien ist Zwischen März 2024 und Februar 2025 setzten globale Waldbrandereignisse laut dem State of Wildfires Project mehr als acht Milliarden Tonnen CO₂ frei und haben damit das Risiko künftiger Brände weiter erhöhtBild: Ringo Chiu/REUTERS

Neben der Waldbranderkennung tun sich außerdem weitere potentielle Geschäftsfelder auf. Denn nicht nur Feuer lassen sich messen, sondern alle Arten von Wärmeemissionen. So könnten Informationen darüber, wieviel Wasser auf Feldern verdunstet für den Agrarbereich abgeleitet werden, es können Hitzeinseln in bewohnten Gebieten ermittelt, Ölteppiche im Meer detektiert werden und die Wärmedaten können auch im Verteidigungsbereich nützlich sein.

Unter anderem können Schiffe aus dem All entdeckt werden, auch wenn sie ihren Transponder abgeschaltet haben, also das Gerät, das automatisch Informationen aussendet und empfängt, damit andere Schiffe und Küstenstationen das Schiff erkennen und verfolgen können. "Ich vermute, dass in fünf Jahren noch Anwendungsfälle kommen, von denen wir heute gar nicht wissen, dass es die gibt", so Grübler.

Insa Wrede Redakteurin in der Wirtschaftsredaktion
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