Deutschland bricht mit 41,7 Grad erneut einen Hitzerekord
28. Juni 2026
Die Hitzewelle in Europa hat in Deutschland einen neuen Höhepunkt erreicht: An diesen Sonntag wurden vom Deutschen Wetterdienst (DWD) die Rekordtemperatur von 41,7 Grad in Coschen in Ost-Brandenburg an der polnischen Grenze gemessen.
Der DWD sieht Unwetterpotential durch heftigen Starkregen, schwere Sturmböen und großen Hagel. Auch extremes Unwetter mit bis zu 50 Litern pro Quadratmeter sei nicht ausgeschlossen. In der Nacht zum Montag werden erneut schwere Gewitter mit Starkregen erwartet.
Extreme Wetterlagen sind ein Trend
Seit Tagen sorgt die Hitzewelle in Deutschland für Temperaturen bis an und über die 40-Grad-Marke. Die Belastung ist auch deshalb so groß, weil die Temperaturen aktuell nachts keine wirkliche Abkühlung bringen.
Extreme Wetterlagen wie diese sind wegen des Klimawandels auch in Deutschland häufiger geworden - und sie dürften noch weiter zunehmen. Zahlen des Wetterdienstes belegen, dass die durchschnittliche Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad in der Bundesrepublik zugenommen hat.
Trotz starker Schwankungen zwischen den Jahren sei der Trend insgesamt deutlich steigend, betont das Umweltbundesamt. Hitzewellen sind weltweit aufgrund des Klimawandels intensiver und auch wahrscheinlicher geworden.
Beschädigte Infrastruktur
In Deutschland wirken sich die hohen Temperaturen nicht nur auf das Wohlbefinden der Menschen aus, sondern auch die Infrastruktur ist stark betroffen. In Leipzig fahren die Straßenbahnen nicht mehr, die Deutsche Bahn warnt vor ihrer Nutzung und bietet die Stornierung ihrer Tickets an.
Die Hitzeschäden bremsen auch den Autoverkehr: Fahrbahnen wölben sich bei Hitze auf, weil sich der Beton ausdehnt. Etliche Autobahnen wurden laut dem Automobilclub ADAC gesperrt. Auch die Flughäfen müssen vorsorgen. Hannover wässert seine Start- und Landebahnen zur Kühlung.
Es brennen die Wälder
Mit den hohen Temperaturen steigt auch die Waldbrandgefahr. In der Gohrischheide an der Landesgrenze von Sachsen und Brandenburg hat die Feuerwehr in der Nacht versucht, den erneuten Waldbrand unter Kontrolle zu bringen. Das Feuer hatte sich am Samstagnachmittag entwickelt und schnell ausgebreitet.
Erst vor einem Jahr hatte es in der Gohrischheide den größten Waldbrand seit Jahrzehnten in Sachsen gegeben. Das Gebiet im Landkreis Meißen ist munitionsbelastet, was Löscharbeiten erschwert.
Auch in Rheinland-Pfalz läuft wegen eines Brandes in einem Waldgebiet ein großer Einsatz. In der Nacht wurden deswegen auch Teile des Ortes Traisen südwestlich von Bad Kreuznach geräumt.
Hitze auch bei den Nachbarn
Unter der aktuellen Hitzewelle leiden weite Teile Europas. Ihre Intensität hängt nach Einschätzung von Wissenschaftlern mit dem Klimawandel zusammen. Einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP zufolge erleben mindestens 191 Millionen Menschen in Europa an diesem Sonntag mehr als 35 Grad Celsius.
Auch in Tschechien ist am Samstag ein neuer Hitzerekord verzeichnet worden. An einer Wetterstation in Doksany nördlich von Prag wurden zunächst 40,6 Grad Celsius, später dann sogar 40,8 gemessen, wie der nationale Wetterdienst am Abend mitteilte. Die bisherige Höchstmarke in Tschechien lag bei 41,1 Grad Celsius am Sonntag.
In Frankreich haben die Gesundheitsbehörden während der aktuellen Hitzewelle seit Mittwoch etwa 1000 zusätzliche Todesfälle im Vergleich zu den Vormonaten verzeichnet. Laut einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde Santé publique France starben vor allem ältere Menschen ab 65 Jahren.
Sicherheitsrisiko Atomkraftwerk
In mindestens zwei Ländern wurden die Betreiber von Kernkraftwerken aktiv. In Ungarn sei wegen der hohen Wassertemperatur der Donau die Produktion eines der vier Reaktoren im Kraftwerk Paks um 243 Megawatt gesenkt worden, teilte der Betreiber MVM mit.
In der Schweiz schaltete der Energiekonzern Axpo am Freitag beide Reaktoren des Kernkraftwerks Beznau vorübergehend ab. Die Temperatur des Flusses Aare habe wiederholt die Marke von 25 Grad erreicht, hieß es zur Begründung. In Frankreich, das stark auf Kernenergie setzt, musste der staatliche Betreiber EDF die Stromerzeugung bereits zur Wochenmitte um 4,1 Gigawatt reduzieren.
fab/AR/as (dpa, afp, SZ)