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Hoffnung auf heilsame Wirkung

Rolf Wenkel29. September 2004

Der Ölpreis hat an den asiatischen Rohstoffmärkten erstmals die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar durchbrochen und damit weltweit Besorgnis an den Märkten ausgelöst. Rolf Wenkel kommentiert.

Manchmal kommen eben alle Übel zusammen. Im Nahen Osten ist die Sicherheitslage nach wie vor prekär - nicht nur, weil im Irak Förderanlagen und Pipelines regelmäßig in die Luft gesprengt werden. In Saudi-Arabien wächst die Angst, dass Anschläge und bewaffnete Kämpfe auch die Ölbranche des weltweit zweitgrößten Förderlandes in Mitleidenschaft ziehen könnten. In Russland schlägt sich einer der größten Ölgiganten mit der Regierung herum, Ausgang ungewiss. In Nigeria, dem weltweit siebtgrößten Ölproduzenten, stören kriegslüsterne Separatisten im Niger-Delta die Ölförderung, im Golf von Mexiko sorgt ein Hurrikan nach dem anderen für Förderausfälle. Auch in Venezuela, das für die Versorgung der Amerikaner wichtig ist, bedrohen immer wieder Streiks und Unruhen die Exporte. Und die OPEC muss eingestehen, dass sie ihre Petrodollars offenbar für alles Mögliche ausgegeben hat, nicht aber für die Erweiterung und Modernisierung ihrer Förderanlagen - sie kann schlicht und ergreifend nicht mehr Öl produzieren, als sie es ohnehin schon tut.

Dem knappen Angebot steht eine wachsende Nachfrage gegenüber. Die USA sind weltweit die größten Ölverbraucher, sie gehen nach wie vor verschwenderisch mit dem schwarzen Gold um, und zudem hat US-Präsident George W. Bush auch noch beschlossen, die nationale strategische Ölreserve bis zur Halskrause aufzustocken. In Fernost entwickelt China einen gigantischen Öldurst und steigt in 2004 zum weltweit zweitgrößten Ölnachfrager auf. Am Horizont ist zudem schon der nächste Riese erkennbar, der mit wachsendem Wohlstand dem Autokult des Westens folgen will: Indien.

Knappes Angebot, wachsende Nachfrage, das sind alles Zutaten für eine Preis-Explosion. Es nutzt auch nichts, die Schuld auf die Spekulanten zu schieben, die angeblich die Preise künstlich in die Höhe treiben. Denn auch an den Future-Märkten gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage, dort werden nur künftige Entwicklungen schon vorweggenommen, man will sich gegen steigende Preise absichern. Die Märkte funktionieren also völlig normal, und sie senden ein eindeutiges Signal aus: Öl ist ein knappes, mithin teures Gut. Da hilft kein Jammern und kein Hoffen auf bessere Zeiten - sie werden nicht kommen. Im Gegenteil, in den nächsten 25 Jahren wird der Ölverbrauch noch einmal um 50 Prozent steigen, schätzt die Internationale Energieagentur.

Diese Preisexplosion wird hoffentlich eine heilsame Wirkung haben. Natürlich kann man darüber lamentieren, dass uns eine Preiserhöhung von zehn Dollar rund einen halben Prozentpunkt an Wirtschaftswachstum kostet. Aber sie führt uns auch vor Augen, dass Rohöl ein endliches Gut ist, mit dem die Weltwirtschaft nicht ewig geschmiert werden kann. Die endlichen Reserven sind viel zu wertvoll, um damit schlecht gedämmte Häuser zu heizen, mit dem Auto zum Briefkasten zu fahren oder für 19 Euro von Köln nach Barcelona zu fliegen.

Ja, man kann dieser Preisexplosion auch etwas Gutes abgewinnen. Sie zwingt uns zu einer vorausschauenden Energiepolitik, die nur darin bestehen kann, die Abhängigkeit vom viel zitierten "schwarzen Gold" zu verringern. Sie zwingt die Industrie, noch mehr über energieeffiziente Produktionsverfahren nachzudenken, zwingt die Verbraucher, sich nach sparsameren Autos und Heizungen umzusehen, zwingt die Energieerzeuger, stärker als bisher in die Erforschung und Nutzung erneuerbarer Energien zu investieren. Und je teurer das Öl wird, desto lohnender wird jede Innovation, die unsere Abhängigkeit vom Öl verringert. So gesehen, könnte der Ölpreis ruhig weiter steigen - auch wenn sich der Autofahrer an der Tankstelle kurzfristig darüber ärgern mag.

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