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"Endlich nach Deutschland ausreisen": Hoffnung für Afghanen

27. August 2025

Nach jahrelangem Warten dürfen afghanische Familien mit Aufnahmezusage endlich nach Deutschland ausreisen. Für die Betroffenen geht es oft ums Überleben.

Deutschland | Evakuierungsmission für Deutsche und einheimische Ortskräfte in Afghanistan
Deutschland hat besonders gefährdeten Menschen aus Afghanistan, darunter Ortskräfte, Menschenrechtler und Journalisten, eine Aufnahme zugesichertBild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/picture alliance

Deutschland will den seit Monaten geltenden Einreise-Stopp für gefährdete Afghaninnen und Afghanen, die eine Aufnahmezusage besitzen, demnächst aufheben. Zahlreiche Betroffene waren vor den Taliban nach Pakistan geflohen und warten seit Jahren auf ihr deutsches Visum - wie eine afghanische Familie, die die DW dort getroffen hat. Aus Sicherheitsgründen bleiben Angaben zur ihren Identitäten unveröffentlicht.

Sharif (Name geändert) lebt mit seiner Familie in Islamabad, in ständiger Angst, verhaftet und nach Afghanistan abgeschoben zu werden. Polizeirazzien in Gästehäusern, in denen afghanische Geflüchtete untergebracht sind, haben die Familie gezwungen, immer wieder den Aufenthaltsort zu wechseln.

Afghanischen Flüchtlingen in Pakistan droht Abschiebung

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Vor der Machtübernahme der Taliban 2021 arbeitete Sharif in Afghanistan. Als die Islamisten Kabul einnahmen, floh er mit seiner Familie nach Pakistan.

Er gehört zu den besonders gefährdeten Menschen, die von den Taliban verfolgt werden - darunter ehemalige Ortskräfte, die für die Bundeswehr oder deutsche Organisationen vor Ort gearbeitet haben, Menschenrechtler und Journalisten. Die Bundesregierung hatte dieser Gruppe eine Aufnahme in Deutschland zugesichert.

Sharifs Antrag auf Aufnahme wurde zwar bewilligt, doch das Verfahren zog sich quälend in die Länge. "Wir stehen hier vor vielen Problemen. Das größte ist die drohende Abschiebung", sagt Sharif. "Täglich durchsucht die Polizei Unterkünfte und nimmt alle mit, die sie findet. Wenn wir nach Afghanistan zurückgeschickt werden, bin ich sicher, dass ich dort getötet werde."

Leben in Angst vor Abschiebung

Mehr als 2000 Afghanen warten derzeit in Pakistan auf ihre Ausreise nach Deutschland. Doch die pakistanische Polizei nahm Hunderte fest und schob sie nach Afghanistan ab. Zwar gibt es momentan keine Abschiebungen, doch wie es ab dem 1. September weitergeht, ist unklar. Pakistan hat für diesen Monat weitere Abschiebungen angekündigt. Mehr als eine Million Menschen könnten davon betroffen sein.

Die ständige Bedrohung belastet Sharifs Familie schwer. Seine Kinder dürfen aus Angst vor Entdeckung nicht zur Schule, seine Frau - selbst gut ausgebildet - hat keine Möglichkeit zu arbeiten.

Lage der Frauen in Afghanistan verschlechtert sich (2023)

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"Als wir hier ankamen, hofften wir, dass unsere Kinder etwas lernen und sich eine Zukunft aufbauen könnten. Doch ein Jahr ist bereits verloren", sagt seine Frau Alishba (Name geändert).

Sie versuche, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten: "Aber mein größter Wunsch ist, dass wir endlich nach Deutschland ausreisen dürfen." Nur dort können sie ihre Ausbildung fortsetzen. "Nach Afghanistan will ich nie zurück. Dort würden wir getötet, und die Zukunft unserer Kinder wäre zerstört."

Die Aufnahme gefährdeter Afghaninnen und Afghanen war ins Stocken geraten, nachdem die neue Bundesregierung entschieden hatte, in jedem Einzelfall eine Sicherheitsüberprüfung vorzunehmen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wies den Vorwurf zurück, die Regierung spiele beim Aufnahmeprogramm auf Zeit. Beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung sagte er, man könne nicht erwarten, dass Versäumnisse der vergangenen Jahre innerhalb weniger Wochen aufgearbeitet würden. Er habe Mitarbeiter angewiesen, wieder vor Ort tätig zu werden und die Verfahren einschließlich der Sicherheitsüberprüfungen fortzuführen.

Im Gespräch mit der DW versicherte Dobrindt: "Afghanen, bei denen die Bundesrepublik Deutschland durch rechtskräftige Gerichtsbeschlüsse zur Visaerteilung und zur Gestattung der Einreise verpflichtet wurde, werden nach Deutschland einreisen."

Gerichte zwingen Bundesregierung zum Handeln

Laut Medienberichten sollen bereits in den kommenden Tagen erste Familien per Linienflug in Deutschland ankommen. Hintergrund sind Entscheidungen deutscher Verwaltungsgerichte, die das Auswärtige Amt verpflichten, zugesagte Visa tatsächlich auszustellen - andernfalls drohten Zwangsgelder. Die Richter stellten klar, dass die Bundesrepublik rechtlich an ihre Zusagen gebunden sei.

"In Pakistan befinden sich Personen in unterschiedlichen Phasen des Ausreiseverfahrens. Die Prüfverfahren laufen derzeit wieder an", teilte das Auswärtige Amt am 26. August mit. "Personal der zuständigen Behörden ist vor Ort, um die Aufnahmeverfahren fortzuführen." 

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Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, der Caritasverband oder Reporter ohne Grenzen hatten zuletzt massiven Druck auf die Bundesregierung ausgeübt, endlich zu handeln. Für viele Betroffene geht es ums Überleben: Zurück in Afghanistan drohen Verfolgung, Haft oder gar der Tod.

Mitarbeit: Ali Kaifee in Islamabad

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