1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

Homosexuelle auf Sansibar festgenommen

7. November 2018

Zehn Männer wurden auf der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar unter dem Vorwurf der Homosexualität festgenommen. Die Bevölkerung des ostafrikanischen Landes ist aufgerufen, mutmaßliche Homosexuelle zu denunzieren.

Kenia LGBT-Flüchtlinge
Bild: Reuters/Thomson Reuters Foundation/S. Hayden

Die festgenommenen Männer sollen im Strandort Pongwe auf der Urlaubsinsel Sansibar eine gleichgeschlechtliche Hochzeit gefeiert haben, sagt der Regionaldirektor der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Seif Magango. Die "schockierenden" Festnahmen zeigten, dass Tansania Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolge. Amnesty forderte ihre sofortige Freilassung.

Die Festnahmen widersprächen der Garantie der Regierung, dass in Tansania niemand wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt werde. Dies hatte ein Regierungssprecher zu Beginn der Woche versichert und damit auf Kritik der Europäischen Union reagiert. Die EU hatte ihren Botschafter zu Konsultationen zurückgerufen und aufgrund der "Verschlechterung der Menschenrechtssituation" eine Neubewertung der Beziehungen zu dem ostafrikanischen Staat angekündigt.

Anlass war die Ankündigung der Polizei in der Hafenstadt Daressalam gewesen, eine Spezialeinheit zur Verfolgung von Homosexuellen zu gründen. Paul Makonda, Gouverneur der größten tansanischen Stadt, hatte die Bevölkerung in den Medien aufgerufen, mutmaßliche Homosexuelle zu denunzieren. Er habe bislang fast 19.000 Namen erhalten, sagte er. Daraus habe er die Liste der 200 Menschen erstellt, denen er nun mit strafrechtlicher Verfolgung droht.

"Falsch verhalten"

"Ich weiß, dass diese Aktion einigen Ländern nicht gefallen wird", sagte Makonda. Doch er könne sich nicht zurücklehnen und Menschen erlauben, sich falsch zu verhalten, nur weil einige Länder diese Art von Verhalten billigten. Homosexualität ist in Tansania, wie in vielen afrikanischen Ländern, verboten. In dem ostafrikanischen Staat drohen bei Verurteilung bis zu 30 Jahre Haft, es kommt jedoch selten zu einer Strafverfolgung.

Die tansanische Regierung von Präsident John Magufuli Magango geht laut Human Rights Watch seit 2016 hart gegen Homosexualität vor. Immer wieder kommt es seitdem vor allem in Daressalam und auf der Urlaubsinsel Sansibar zu Festnahmen von angeblichen schwulen und lesbischen Menschen.

Amnesty befürchtet, dass die festgenommenen Männer einer erniedrigenden Anal-Untersuchung unterzogen werden, die angeblich zur Überprüfung von Homosexualität dienen soll. Wenn sich durch Ermittlungen die Homosexualität beweisen lasse, würden sie angeklagt werden, sagte der Gouverneur.

jv/sti (dpa, epd)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen