1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
PolitikHongkong

Razzien in Hongkongs Baubranche nach Hochhaus-Inferno

2. Januar 2026

Der fatale Hochhausbrand im November führt dazu, dass die Hongkonger Behörden im Bausektor durchgreifen. Es gibt 21 Festnahmen und den Verdacht, dass Triaden in der Branche ihre Finger im Spiel haben.

China Hongkong 2025 | Blick auf die Skyline von Hongkong vom Victoria Peak (16.10.2025)
Chinesische Sonderverwaltungszone HongkongBild: Vernon Yuen/Nexpher Images/IMAGO

Im Zuge des verstärkten Vorgehens im Bausektor nach dem verheerenden Hochhausbrand im November hat die Anti-Korruptionsbehörde ICAC in Hongkong 21 Menschen festgenommen. Gegen die 15 Männer und sechs Frauen im Alter zwischen 30 und 81 bestehe der Verdacht auf Korruption bei Gebäudesanierungen, teilte die Behörde mit.

Bei ⁠den Festgenommenen handelt es sich den Angaben zufolge um Mittelsleute, Projektberater, Bauunternehmer und Mitglieder der Eigentümervertretungen von zwei Wohnanlagen. Einige von ihnen sollen sogar Triaden angehören, jenen berüchtigten Verbrechersyndikaten, die auch in Hongkong ihr Unwesen treiben.

Bestechungs- und Manipulationsvorwürfe

Die nun Festgenommenen sollen Teil eines Korruptionsnetzwerks sein. In ⁠einem der Fälle soll ein Bauunternehmer den Projektberater und Mitglieder der Eigentümervertretung bestochen haben, um einen Sanierungsauftrag im Wert von 33 Millionen Hongkong-Dollar (etwa 3,6 Millionen Euro) zu erhalten. In der zweiten Wohnanlage sollen Mittelsmänner Stimmrechtsvollmachten von Eigentümern gesammelt haben, um Abstimmungen zu manipulieren und künftige Aufträge zu gewinnen.

Bei Razzien im Bezirk Kwun Tong wurden mehrere Standorte durchsucht, darunter Büros der Projektberater und Projektunternehmer. ICAC-Beamte hätten verschiedene Beweisstücke beschlagnahmt, teilte die Antikorruptionsbehörde mit, unter anderem relevante Ausschreibungsunterlagen.

Hochhausbrand als Auslöser der Behördenaktivität

Beide Fälle haben mit dem verheerenden Brand im Wang Fuk Court Ende November nichts zu tun. Aber das Großfeuer in der aus mehreren Hochhäusern bestehenden Wohnanlage sorgte für massive Kritik in der Bevölkerung - sowohl an der Verwaltung als auch an der Baubranche in Hongkong.

Verzweifelter Wang-Fuk-Court-Bewohner (Ende November)Bild: Tyrone Siu/REUTERS

Ein Umstand, der die Behörden ⁠in der chinesischen Sonderverwaltungszone offenbar wachrüttelte. Denn Missachtung von Vorschriften und die Verwendung von ungeeignetem Material trugen offenbar dazu bei, dass sich am 26. November die Flammen in den Wohntürmen ungehindert ausbreiten konnten.

Das Feuer erfasste damals sieben der acht Hochhausblöcke der Wohnanlage, zu der insgesamt fast 2000 Wohneinheiten gehören, und wütete 40 Stunden lang. Mehr als 160 Menschen kamen dabei im Bezirk Tai Po ums Leben.

Regierungschef Lee bei der Vorstellung der Untersuchungskommission (Mitte Dezember)Bild: Gordon Choi/TMHK/Nexpher Images/IMAGO

Zwei Wochen nach dem Brand setzte Hongkongs Regierungschef John Lee eine Untersuchungskommission ein. Das unabhängige Gremium soll das Feuer und mögliche Preisabsprachen bei der Auftragsvergabe in der Baubranche untersuchen. Im Zuge der Ermittlungen zu diesem Brand wurden bereits elf Verdächtige festgenommen.

Das Hochhaus-Inferno im November hatte auch Auswirkungen zum Jahreswechsel. Das traditionelle Silvester-Feuerwerk über dem Victoria-Hafen fand nicht statt. Es wurde aus Rücksicht auf die Opfer der Wang-Fuk-Court-Katastrophe und deren Angehörigen abgesagt.

AR/gri (rtr, ICAC, afp, dpa)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen