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Hongkongs ordentliche Protestcamps

Dai Kailin14. November 2014

Massenhafte Unterstützung hat Hongkongs Protestbewegung fürs erste nicht mehr. Aber die Zeltlager sind noch da, die Bewohner haben Dinge wie medizinische Erstversorgung und Abfallbeseitigung organisiert.

Szenen aus einem Protestcamp in Hongkong (Foto: Dai Kailin)
Bild: Dai Kailin

In Hongkong herrscht zwischen den Pro-Demokratie-Aktivisten und der Regierung der Sonderverwaltungszone Stillstand. Es gebe "derzeit keinen Raum für Verhandlungen", erklärte Vizeregierungschefin Carrie Lam Anfang der Woche. Nach Zusammenstößen mit der Polizei Ende September beruhigte sich die Lage Anfang Oktober. Drei Zeltstädte blockieren an verschiedenen Stellen in Hongkong mehrere Straßen. Nach Angaben der Demonstranten stehen im größten Camp im Bezirk Admiralty nahe dem Stadtzentrum knapp 2200 Zelte. Allerdings sind nicht immer alle besetzt und manche Demonstranten sind nur tagsüber vor Ort. Die Camps zwei U-Bahn-Stationen weiter, in Causeway Bay (Artikelbild) und Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon, sind deutlich kleiner.

Die Polizei zeigt permanent Präsenz, meist jedoch am Rande der Camps. Ihre offizielle Aufgabe ist es, für Ruhe und Ordnung bei einer "illegalen Versammlung" zu sorgen, die Sicherheit der geschätzt mehreren tausend Demonstranten in den Zeltstädten ist nicht ihre Aufgabe. Darum kümmern sich deren Bewohner mittlerweile selber.

Erste-Hilfe-Teams

So gibt es in allen Zeltlagern mehrere Erste-Hilfe-Stationen, die dauernd von Freiwilligen in Westen mit einem roten Kreuz auf dem Rücken besetzt sind. Die Gruppe "Occupy Central with Love and Peace", die schon im März 2013 gegründet wurde, begann im Juni dieses Jahres mit der Organisation ihres eigenen Erste-Hilfe-Teams. Damals bereitete man sich nur auf ein mehrtägiges, maximal einwöchiges Sit-In vor und wollte vor allem auf mögliche Polizeigewalt vorbereitet sein. Dass die Aktion so groß werden und so lange dauern würde, habe niemand erwartet, erklärt der Koordinator des Teams Dr. Yiu-Kai Au, der für "Ärzte ohne Grenzen" arbeitet und Anfang September aus dem Gaza-Streifen zurückgekommen ist.

Für den Erste-Hilfe-Einsatz per Fahrrad vorbereitetBild: Dai Kailin

"Als die Studenten Ende September mit ihrem Unterrichtsboykott begannen, haben wir gemeinsam entschieden, dass wir sie unterstützen werden", erklärt Dr. Au. "Wir waren dann vom 27. September an vor Ort und haben Hilfe von Freiwilligen bekommen, viele von ihnen Medizinstudenten." So war genug Personal vor Ort, um nach dem wiederholten Einsatz von Tränengas durch die Polizei am Folgetag alle Betroffenen zu behandeln.

Nachdem die Anführer der Studenten Anfang Oktober zum Rückzug aus Mong Kok aufriefen, wo es immer wieder zu Gewaltausbrüchen kam, verließ auch das Ärzte-Team das Camp. Eine Erste Hilfe-Station gibt es allerdings trotzdem. Sie wird von einer Gruppe aus etwa dreißig Freiwilligen bemannt, viele davon ausgebildete Ärzte und Krankenpfleger, die unabhängig vom Occupy-Team arbeiten und auch in den anderen Camps vor Ort sind.

Zeltstadt im Bezirk AdmiraltyBild: Dai Kailin

Dr. Au schätzt die Anzahl dieser unabhängigen Freiwilligen auf zwischen 80 und 90. Der Arzt schaut ab und zu in Mong Kok vorbei und verbringt immer mal wieder eine Nacht dort, wenn es Gerüchte über geplante Polizeiübergriffe gibt. Oder er schläft in seinem Büro zwei Straßen weiter, so dass er im Notfall direkt gerufen werden kann.

Mülltrennung und Sicherheitspatrouillen

Erste-Hilfe-Maßnahmen waren also vorbereitet, nicht jedoch Sicherheit und Hygiene in einem Zeltlager mit mehreren tausend Menschen. Richtig organisiert sind diese Dinge bisher nicht, aber die spontan errichteten Materialstationen überall im Admiralty-Camp kümmern sich zumindest ansatzweise um diese Probleme: Sie sind diejenigen, die Toilettenpapier, Seife und andere Dinge wieder auffüllen, wenn es nötig ist, und zumindest ein Auge auf die beiden öffentlichen Toiletten in Admiralty haben. Auch geputzt wird hier weiterhin. Um die Sauberkeit der Camps kümmern sich Freiwillige, die immer wieder herumliegenden Müll einsammeln oder ihn an Recyclingstationen trennen und an entsprechende Sammelstellen weiterleiten.

Die "Lennon-Wall" mit SolidaritätsbotschaftenBild: Dai Kailin

Ein ernsteres Problem ist die Sicherheit der Demonstranten - ganz unabhängig von Zusammenstößen mit der Polizei. Nicht nur in Mong Kok, wo nach Einschätzung der Anwohner die Triaden (Hongkonger Mafia) ihr Unwesen treiben, sondern auch im relativ ruhigen Admiralty-Camp kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, meist unter Beteiligung von Occupy-Gegnern.

Bitte an Passanten und Journalisten: Macht keine Fotos von unsBild: Dai Kailin

"Vor ein paar Nächten haben Unbekannte mit Messern ein Zelt aufgeschlitzt", berichtet Gary Yeung, der mit 50 anderen Freiwilligen an einer der größten Materialstationen arbeitet. "Drinnen schliefen zwei Mädchen, denen hätte wer weiß was passieren können!" Seitdem gehen die Freiwilligen der Station nachts zu zweit Patrouille. Einfach, um zu zeigen, dass jemand da ist und ein Auge auf die Zelte hat. Bisher hat das Occupy-Gegner zumindest von weiteren Übergriffen im Schutz der Dunkelheit abgeschreckt.

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