1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Hotline gegen Korruption in Bosnien-Herzegowina eingerichtet

3. Februar 2004

– Resultate und Effekte der Aktion sollen monatlich veröffentlicht werden

Bonn, 2.2.2004, DW-RADIO/Bosnisch

Die Berliner Nicht-Regierungs-Organisation Transparency International (TI) hat eine kostenlose Telefonnummer eingerichtet, auf der Bürger aus ganz Bosnien und Herzegowina Korruptionsfälle melden können. Dies erklärten heute auf einer Pressekonferenz Vertreter dieser Organisation. Das Projekt im Rahmen des Stabilitätspaktes für Südosteuropa finanziert die deutsche Regierung durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Aus Banja Luka berichtet darüber Mladen Sipka:

Die Einrichtung der Telefon-Hotline gegen Korruption kündigte der Projektmanager Darijo Lazic mit folgenden Worten an: "Bis Mittwoch früh bleibt diese Leitung in einer Erprobungsphase. Am Mittwoch Morgen wird sie dann offiziell in Betrieb genommen. Das heißt, alle Bürger von Bosnien und Herzegowina können sich dann kostenlos unter 0800-55555 melden und dort über Korruptionsfälle berichten."

Der Anruf wird sowohl aus dem Festnetz als auch von Mobiltelefonen kostenlos sein. In der letzten Studie über Korruption, die TI durchgeführt hat, stand Bosnien und Herzegowina eigentlich nicht schlecht da: Unter 133 Staaten liegt das Land auf dem 70. Platz. Die Bürger sind jedoch wesentlich skeptischer. Die Freiwilligen, die das Projekt umsetzen, sind Absolventen der Juristischen und Philosophischen Fakultäten, die die Telefonanrufe annehmen werden. Die Initiatoren erwarten eine regelrechte Flut von Anrufen. Derzeit wird noch in einer separaten Studie untersucht, ob sich die Situation nach dem Oktober 2003 verbessert oder verschlechtert hat und ob die Korruption seitdem noch mehr im politischen und wirtschaftlichen Bereich verankert ist. Den Bürgern wird Anonymität garantiert. Partner von TI sind auch die Polizei und die Staatsanwaltschaft auf allen Staatsebenen, aber auch andere internationale Organisationen. Juristen werden die Bürger beraten, aber in bestimmten Einzelfällen den Ermittlungsbehörden ihre Erkenntnisse auch zugänglich machen.

Der Vorsitzende von TI in Bosnien und Herzegowina, Boris Divjak, ist sich jedoch bewusst, dass Nicht-Regierungs-Organisationen ohne die Unterstützung des Staates im Kampf gegen Korruption wenig Aussicht auf Erfolg haben: "Natürlich hängt der Erfolg der ganzen Aktion davon ab, wie die Qualität unserer Zusammenarbeit sein wird, inwiefern die Staatsorgane und die Organe der Justiz bereit sind, den einzelnen Korruptionsfällen dann auch nachzugehen." Allerdings erklärt Divjak auch, warum das Antikorruptionsteam des Südosteuropa-Stabilitätspaktes ausgerechnet eine Nicht-Regierungs-Organisation mit dem Projekt betraut hat: "Eine solche Initiative ist der Ausdruck eines großen Misstrauens der Bürger. Auf der anderen Seite haben unsere Forschungen ergeben, dass in den Augen der Bürger gerade die Nicht-Regierungs-Organisationen als am wenigsten korrupt betrachtet werden und von den Bürgern das meiste Vertrauen entgegen gebracht bekommen.".

Jeden Monat sollen als Warnung die Ergebnisse der Telefon-Hotline bekannt gegeben werden. Divjak kündigt exklusive Informationen darüber an. (Übersetzung: Fabian Schmidt) (md)

Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen