Ikone des Produktdesigns: Die Coca-Cola-Flasche wird 100
Stefan Dege16. November 2015
Sie ist weltbekannt. Aber die wenigsten Fans kennen ihr Geheimnis: Die Coca-Cola- Flasche wird 100 Jahre alt - eine Ikone des internationalen Produktdesigns.
Bild: Coca-Cola
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Königinnen des Produkt-Designs
Sie weckt Träume, macht Lust auf den Inhalt, informiert und versprüht Zeitgeist: Verpackung ist alles. Ob Coca-Cola, Nivea oder Persil - viele Marken verdanken ihren Erfolg Aussehen und Form ihrer Verpackung. Warum?
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Coca Cola - Branding gegen Nachahmer
Den "Sprite Boy" von Haddon Sundblom setzte Coca Cola in den 1940er Jahren in weltweiten Werbekampagnen ein, so auch in Deutschland. Ursprünglich wurde er entwickelt, um den Namen "Coke" als Synonym für Coca-Cola einzuführen. Coca-Cola nutzte die Markenbildung schon früh, um es Nachahmern seiner Cola-Brause schwer zu machen.
Bild: Coca-Cola
Wrigleys - Synonym für Kaugummi
Wer Kaugummi meint, sagt häufig "Wrigley's". So ist die amerikanische Marke längst Synonym für Kaugummi, mithin ein Klassiker. Wrigley's Spearmint und Wrigley's Juicy Fruit waren 1893 die ersten Kaugummis auf dem amerikanischen Markt. Seit Mitte der 1950er Jahre fand die Marke auch in Deutschland Verbreitung.
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Blau, blau, blau... ist die Niveadose
Auch Nivea hat es geschafft: Bei Hautcreme denken viele Kunden automatisch an die eigentümlich duftende Creme in der blauen Dose. Daran haben ganze Generationen von Marketingexperten gearbeitet, seit die Nivea Creme 1911 erfunden wurde.
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Persil - ein deutscher Markenklassiker
Es war das erste "selbsttätige Waschmittel der Welt" und erleichterte Millionen Hausfrauen die Arbeit. Und es schrieb Werbegeschichte. Mittlerweile ist der Markenklassiker Persil über 100 Jahre alt. Im Nachkriegsdeutschland kam der Name allerdings zu zweifelhafter Ehre: Einen "Persil-Schein" bekam, wer nichts mit dem Naziregime zu tun hatte, denn der besaß eine "reine Weste".
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Toblerone - ein Berg Schokolade?
Viele Schokoladenfans glauben, die Toblerone verdanke ihre charakteristische Dreiecksform dem Matterhorn. Andere vermuten, dass Tänzerinnen aus dem berühmten Pariser Revue-Theater "Les Folies Bergères" ihre rot-cremefarbigen Kostüme zu einer kunstvollen Pyramide formiert und somit als Modell gedient hätten. In der Schweiz kam die Schokolade erstmals 1908 in Bern auf den Markt.
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Aspirin - vom Zauber einer Marke
Bei Kopfschmerzen greifen Milliarden von Menschen auf die Aspirin, hinter der sich der Stoff Acetylsalicylsäure verbirgt, zurück. Ebenso viele schlucken die ASS-Pillen der Bayer-Konkurrenz. Längst sind alle Patente des Evergreens abgelaufen, doch die Geschäfte laufen prächtig. Mittlerweile grün-weiß verpackt, ist Aspirin überall rezeptfrei zu haben und ein Bestseller auf allen Kontinenten.
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Apple - Die Marke der Innovation
Apple gilt als die wertvollste Marke der Welt. Seit 2006 stieg ihr Wert um satte 859 Prozent. Heute ist der Name Apple 153,3 Milliarden US-Dollar schwer. Damit hat der Konzern sogar den Marken-Weltbesten Google hinter sich gelassen. Vom Computer bis zum I-Phone: Die Marke Apple steht für Innovation leicht bedienbarer Produkte.
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Maggi - Der Klassiker aus der Schweiz
Die gute alte Maggiwürze ist überall auf der Welt bekannt. Selbst in den entlegensten Regionen Afrikas findet man das braune Fläschchen mit dem unverwechselbaren gelben Etikett. Die Erfolgsstory des Unternehmens begann 1869 im schweizerischen Kemptthal. Mittlerweile ist Maggi Teil der Nestlé AG.
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Unvergleichlich sollte sie sein, im Dunkeln zu ertasten und selbst dann erkennbar, wenn sie in Splittern auf dem Boden liegt. Auch sollte ihre Form direkt an den Inhalt denken lassen – die bräunliche, süße Cola-Brause. Als Coca-Cola 1915 daran ging, sein 1886 erfundenes Getränk zu branden und damit unterscheidbar zu machen von den vielen nervigen Kopien, schrieb das Unternehmen einen Design-Wettbewerb aus. Mit durchschlagendem Erfolg.
Doch zunächst schien die Aufgabe, alle Design-Vorgaben unter einen Hut zu bringen, kaum lösbar. Erst die Aussicht auf einen Großauftrag der Coca-Cola-Company ließ Chapman J. Root, den Chef der Root Glass Company aus Vigo County in Indiana, zur Tat schreiten. Er beauftragte zwei seiner Mitarbeiter. Diese stießen in Botanik-Büchern auf Darstellungen der Kakaofrucht. Die Formidee war geboren: geriffelt und gerippt, oben und unten verjüngt, dagegen in der Mitte aufgebläht, bauchig wie eine prächtige Kakaobohne.
Missverständnis als Geburtshelfer?
Cacao liest sich ähnlich wie Coca. Und so könnte die Coke-Flasche ihre Form einem Buchstabendreher verdanken, einem Missverständnis also. Kakao enthält Coca-Cola nämlich nicht. Ihre einmalige Silhouette mit den prägnanten Konturlinien trug der Flasche schnell den Beinahmen "Hobbleskirt Bottle" ein, in Anlehnung an den damals modernen glockenförmigen "Humpelrock". 1915 schließlich wurde die Coca-Cola Flasche patentiert. Bis heute ist sie eine der wenigen Verpackungen, die vom US-Patentamt ein Warenzeichen erhielten. Entstanden ist eine Ikone des Produktdesigns.
Nicht nur ihrer Form wegen setzte sich die Coca-Cola-Flasche weltweit durch: Ihr dickes Glas ließ den Inhalt voluminöser erscheinen als er ist. Und es garantierte Stabilität – Voraussetzung für den mobilen Handel. Experten sprechen gar von einem frühen "Fingerzeit auf die Globalisierung". Im Lauf der Jahrzehnte büßte die Flasche dann immer mehr an Üppigkeit und Profil ein. Sie wurde schmalhüftiger und zwar ebenfalls aus kaufmännischen Gründen: Als schlanke Einheitsflasche passte sie besser in moderne Abfüllanlagen. So hat sich die Cola-Flasche, obwohl 100 Jahre alt, zumindest äußerlich ständig verjüngt.
Als Ikone der Moderne steht die Coca-Cola-Flasche heute im Museum of Modern Art in New York. Viele Künstler – von Salvador Dali über Andy Warhol bis zu Joseph Beuys haben sie zum Objekt ihrer Kunst gemacht. Das wohl berühmteste Werk ist Andy Warhols Serie "Coca-Cola Bottles" von 1962: Seine "Coca-Cola Bottle (3)" wurde im November 2013 in London für 42,7 Millionen US-Dollar (37,5 Mio Euro) versteigert. Auch Pop-Artist Keith Haring verewigte Coca-Cola in ihren Werken. Modedesigner wie Karl Lagerfeld, Matthew Williamson und das japanische Label Uniqlo ließen sich von der Coke Flasche inspirieren. Nicht zuletzt ist sie in die Film- und Musikgeschichte eingegangen: Marilyn Monroe, Cary Grant, Ray Charles, Greta Garbo und Elvis Presley zählen zu den größten Ikonen, die sich von der Coke "küssen" ließen.
Bild: Coca-Cola
So ist die Coke-Flasche in ihrem Jubiläumsjahr denn auch Ausstellungsobjekt. Das "High Museum of Art" in Atlanta, Georgia, widmet dem Design und Vermächtnis der legendären Flasche eine eigene Schau: "The Coca-Cola Bottle: An American Icon at 100".