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ILO: KI erschwert Berufseinstieg für junge Menschen

12. August 2026

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt. Insbesondere Bürojobs sind betroffen, was die Karrieremöglichkeiten für junge Leute stark einschränkt, warnt die Internationale Arbeitsorganisation.

Deutschland Stuttgart 2025 | Auszubildende arbeiten in einem Klassenraum in der Gewerblichen Schule für Holztechnik in einem Klassenraum an Computern (07.04.2025)
Auszubildende an einer Berufsschule in Stuttgart (2025): Rascher technologischer WandelBild: Bernd Weissbrod/dpa/picture alliance

Für Jugendliche wird der Einstieg ins Berufsleben weltweit schwieriger. Gründe seien das schwache Wirtschaftswachstum, eine zurückhaltende Einstellungspolitik, geopolitische Spannungen und der rasche technologische Wandel, berichtet die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO).

Künstliche Intelligenz (KI) erschwere die Einstiegschancen. Zwar seien die langfristigen Auswirkungen der KI nach wie vor ungewiss, doch sollten die Risiken laut dem Bericht nicht unterschätzt werden.

ILO-Zentrale in Genf: "Langfristige KI-Auswirkungen noch ungewiss"Bild: Vincent Isore/IP3press/IMAGO

Gerade Berufe, in denen bislang viele nach der Schule ihre Karriere starten, könnten sich durch Automatisierung und KI besonders schnell verändern. Die ILO in Genf in der Schweiz nennt kaufmännische und administrative Tätigkeiten, Jobs im Verkauf und im Dienstleistungsbereich sowie Stellen in der Produktion und in einigen technischen Berufen.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Bestimmte Berufe könnten durch sinkende Bezahlung unattraktiver werden. Zumindest sehen viele Unternehmen in Deutschland durch KI "eher sinkende Löhne in den nächsten fünf Jahren". Das hat eine Erhebung des Ifo-Institut am Mittwoch in München ergeben. Vor allem Arbeitskräfte mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung haben demnach "mit niedrigeren Löhnen zu rechnen".

Neue Kenntnisse nötig

"Ein Rückgang der Arbeitsplätze in mittelqualifizierten Berufen bedeutet längere Wartelisten und steigende Arbeitslosigkeit für junge Menschen mit mittlerem Schulabschluss, die solche Stellen suchen", heißt es von der ILO. In Entwicklungsländern könnten es sich viele junge Menschen jedoch nicht leisten, längere Zeit arbeitslos zu sein. Sie würden stattdessen prekäre Beschäftigungsverhältnisse annehmen.

Fast neun von zehn jungen Arbeitnehmern in Ländern mit niedrigem und unterem mittleren Einkommen sind weiterhin im informellen Sektor beschäftigt und verfügen nicht über einen angemessenen arbeitsrechtlichen und sozialen Schutz.

Auszubildende im ABB Ausbildungszentrum in Berlin (im Januar): Neue AnforderungenBild: Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance

In vielen Berufen - auch klassischen - gibt es neue Anforderungen. Gefragt seien deshalb digitale Kenntnisse, die Fähigkeit zur Kontrolle von KI-Ergebnissen und ein Verständnis dafür, wann menschliches Urteil notwendig bleibt.

Gleichzeitig wachse die Nachfrage in wissensintensiven technischen Berufen weiter, etwa Naturwissenschaften, Ingenieurwesen, Gesundheitswesen sowie Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Organisation fordert deshalb mehr Investitionen in gute Bildung, berufliche Ausbildung, lebenslanges Lernen und Ausbildungsplätze.

Jugendarbeitslosigkeit gestiegen

Die Jugendarbeitslosigkeit stieg zwischen 2023 und 2025 nach Angaben der ILO von 12,3 auf 12,4 Prozent. Das entspreche 67 Millionen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. 

Am höchsten war die Jugendarbeitslosigkeit zwischen 2023 und 2025 laut ILO in den arabischen Staaten mit 26,2 Prozent, gefolgt von Nordafrika mit 22,6 Prozent. Einige der deutlichsten Verschlechterungen traten in wohlhabenderen Volkswirtschaften auf, wobei die Jugendarbeitslosigkeit in Nordamerika von 8,3 Prozent im Jahr 2023 auf 9,8 Prozent im Jahr 2025 stieg. In Nord-, Süd- und Westeuropa lag die Quote bei 15 Prozent.

ILO-Chef Houngbo (Archivbild): "Verlust an Talent und Produktivität"Bild: Lian Yi/Xinhua/picture alliance

Mehr als 257 Millionen junge Menschen würden weder zur Schule gehen, eine Ausbildung machen oder einen Job haben, so die UN-Organisation. ILO-Generaldirektor Gilbert F. Houngbo warnte vor den Folgen der Jugendarbeitslosigkeit.

Es wachse eine Generation ohne Vertrauen heran, so Houngbo. Die Länder verlören Talent und Produktivität, und sie litten unter einem Mangel an gesellschaftlichem Zusammenhalt.

AR/haz (dpa, rtr, epd)

Redaktionsschluss 17.30 Uhr (MESZ). Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert! 

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