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Im Fazit: Die Saison 2005/2006

Arnulf Böttcher

Bayern München ist Deutscher Fußball-Meister 2006 und hat zum 20. Mal die Meisterschale an die Isar geholt. Wir ziehen Bilanz einer Bundesliga-Saison, die wieder einmal endete, wie es vorhersehbar war:

Bundesliga 33. Spieltag 1. FC Kaiserslautern gegen FC Bayern München
Schon am 33. Spieltag machten die Bayern den Titel vorzeitig perfekt.Bild: AP

Der Rekordtitelträger aus München war nahezu konkurrenzlos und überhaupt nur an zwei Spieltagen nicht Tabellenführer. Den Bayern gelang zudem ein historischer Erfolg: Als erster Bundesligist verteidigte der Club von Trainer Felix Magath das Titel-Doppel. Magath: "Ich denke, wir haben etwas einmaliges erreicht mit der Verteidigung der Meisterschaft und mit dem Gewinn des DFB-Pokals. Deswegen ist es eine außergewöhnliche Saison, eine außergewöhnliche Leistung. Und darauf können wir alle stolz sein beim FC Bayern".

Stolz sein darf auch Mehmet Scholl. Der 35-Jährige feierte bereits seinen achten Meistertitel, womit auch er einen deutschen Rekord aufstellte. Daneben glänzten im Bayern-Kader vor allem der scheidende Spielmacher Michael Ballack sowie die Torjäger Roy Makaay aus den Niederlanden und der Peruaner Claudio Pizarro. Dennoch: Die Bayern konnten spielerisch eher selten begeistern. Neuen Schwung erhoffen sich die Verantwortlichen nun vom Duo Bastian Schweinsteiger / Lukas Podolski. Manager Uli Hoeneß will Nachwuchsstar Podolski vom Absteiger 1. FC Köln möglichst schnell Schweinsteiger an die Seite stellen: "Wir gehen davon aus, dass Podolski - was ich immer gesagt habe - zum FC Bayern kommt. Nur der Zeitpunkt ist noch nicht klar".

In der "Klassengesellschaft Bundesliga" konnten hinter den Bayern nur die norddeutschen Vereine Hamburger SV und Werder Bremen für Glanzlichter sorgen. Die Hansestädter lieferten sich bis zum Schluss ein spannendes Rennen um Platz Zwei und somit die direkte Champions-League-Qualifikation. Hier setzte sich Bremen in Hamburg mit 2:1 durch. Maßgeblichen Anteil an einer dennoch erfolgreichen HSV-Saison hatten Abwehrspieler Daniel van Buyten aus Belgien sowie der niederländische Mittelfeld-Stratege Rafael van der Vaart, die trotz längerer Verletzungspausen zu begehrten Objekten anderer Clubs

wurden. Routinier Bastian Reinhardt meint: "Die ganze Saison war ein ja irgendwie ein Vabanquespiel. Uns sind ja eine Menge Spieler wegen Verletzung weggefallen, die vorher als Leistungsträger ausgemacht wurden, wo dann gesagt wurde: Na, können die das kompensieren? Wir haben es dann trotzdem immer wieder geschafft, das Ganze wieder zu unseren Gunsten zu drehen. Wir haben sicherlich sehr gute Einzelspieler. Aber in erster Linie ist diese erfolgreiche Saison nur ein Produkt der Moral, die in dieser Mannschaft steckt, vom Teamgeist, der die ganze Mannschaft umgibt, und dass jeder sich und das was er kann, zu 100 Prozent eingibt".

Werder Bremen überzeugte vor allem durch seine Torfabrik. Das Duo Miroslav Klose / Ivan Klasnic erzielte zusammen mehr als die Hälfte aller 79 Bremer Tore. Vor allem Nationalstürmer Klose ist mit seinen 25 Saisontoren unangefochten die Nummer eins in der Bundesliga. Sportdirektor Klaus Allofs: "Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Wir haben eine sehr gute Mannschaft zusammen, nicht nur spielerisch, sondern auch was die Charaktere angeht. Und da sind wir sehr stolz drauf".

Gemessen an den eigenen Ansprüchen, belegte der FC Schalke 04 einen enttäuschenden vierten Platz vor Bayer Leverkusen, das sich nach einer überragenden Rückrunde noch den zweiten UEFA-Cup-Platz sichern konnte. Die großen Verlierer der Saison sind die Absteiger 1. FC Köln, MSV Duisburg und der 1. FC Kaiserslautern. Trotz der Langeweile im Meisterschaftskampf: Die Liga boomt im WM-Jahr und verzeichnet einen neuen Zuschauerrekord. Insgesamt strömten rund 12,6 Millionen Fans in die neuen oder modernisierten Stadien. Die Bestmarke aus der Vorsaison wurde somit um über eine Million übertroffen. International hat die Bundesliga weiter an Boden verloren. Bayern

München etwa schied bereits im Achtelfinale der Champions-League aus. In der Rangliste des Weltverbandes FIFA steht Deutschland nur noch auf Platz 19. Zu den möglichen Gründen: Es mangelt nach wie vor an qualitätsvollem Nachwuchs, die internationalen Topspieler schlagen weiterhin einen großen Bogen um die Liga und die überwiegend deutschen Trainer pflegen einen eher ängstlichen und destruktiven Fußball.

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