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Im Netz bestellt - per Drohne geliefert

Christoph Hartmann9. Dezember 2013

Nur PR-Coup oder doch realistisches Zukunftsszenario? Unternehmen wie Amazon oder Deutsche Post DHL wollen mit Drohnen Pakete zustellen. Das Hauptproblem des Onlinehandels wird damit jedenfalls nicht gelöst.

Deutsche Post testet Paket-Drohne
Bild: picture-alliance/dpa

Der Online-Versandhändler Amazon preschte mit seiner Ankündigung von Paket-Drohnen vor und sorgte damit vergangene Woche für Aufregung. Jetzt hat auch die Deutsche Post an diesem Montag (09.12.2013) erstmals Luftpost von einer Drohne ausliefern lassen - der fliegende Bote brachte ein Päckchen über den Rhein und bestand damit den firmeninternen Test. Konkrete Pläne, das unbemannte Kleinflug-Gerät im regulären Zustellbetrieb einzusetzen, hat die Post - genau wie Amazon - allerdings noch nicht.

Doch wäre eine solche Lieferoption überhaupt wirtschaftlich sinnvoll? "Auf jeden Fall interessant" findet das Herbert Kotzab, Wirtschaftswissenschaftler und Logistik-Experte von der Universität Bremen. Aus seiner Sicht könnte der Einsatz von Liefer-Drohnen vor allem die Straßen in Großstädten entlasten: "Zu viel Lieferverkehr fährt unkoordiniert herum, wir nutzen die bisherigen Konzepte nicht optimal aus."

Der Umsatz im deutschen Versandhandel wächst seit den 1980er Jahren stetig und liegt laut Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH) inzwischen bei rund 40 Milliarden Euro. Bestellungen über das Internet bestärken diese Entwicklung - am häufigsten lassen sich die Deutschen Kleidung, Spielzeug und Unterhaltungselektronik nach Hause liefern.

Sinnvoll für abgelegene Orte

Doch auch in ländlicheren Gegenden, wo reguläre Postautos für einzelne Lieferungen zu unwirtschaftlich wären, könnten Drohnen eine mögliche Alternative darstellen. So werden die Fluggeräte beispielsweise in Skandinavien oder Australien eingesetzt, um abgelegene Orte zu erreichen. Generell könnte dadurch der Straßenverkehr reduziert werden, erläutert Kotzab, fügt jedoch hinzu: "Aber es wird nur eine Verschiebung des Verkehrs sein - dann schwirren Drohnen durch die Luft und wir brauchen dort neue Verkehrsregeln."

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Vielfach gibt es noch keine klaren Richtlinien für den Betrieb der kleinen, unbemannten Drohnen. Technisch wäre bereits eine Satelliten-Steuerung per GPS möglich, aus Sicherheitsgründen dürfen Drohnen momentan jedoch nur in Sichtweite eines Piloten am Boden benutzt werden und nur bis zu einer bestimmten Höhe fliegen.

Darüber hinaus wird in Deutschland nach Art der Drohnen-Nutzung unterschieden: Private Flüge sind weniger streng geregelt als kommerzielle Angebote. Auch in den USA hat es laut Amazon-Chef Jeff Bezos noch keine Tests und Zulassungen von der Luftfahrtbehörde FAA gegeben.

Hauptproblem: Der Mensch

Für Herbert Kotzab sind die größten Probleme der Drohne jedoch nicht die Wirtschaftlichkeit, Wind und Regen oder bestimmte Gesetze - sondern es sind die Menschen, die sich etwas bestellen und liefern lassen wollen. "Man kann super etwas im Internet bestellen, es wird auch sehr toll im Verteilzentrum vorbereitet und auf den Weg gebracht. Aber wenn niemand zu Hause ist, kann auch die Drohne nichts zustellen."

Prof. Dr. Herbert KotzabBild: Universität Bremen

Die Frage, wo die Menschen etwas entgegen nehmen wollen, sei entscheidend, ist sich Kotzab sicher. Daran seien bislang alle Online-Belieferungssysteme gescheitert.

Nach Ansicht des Logistikexperten wäre der Drohnen-Einsatz eher auf einem abgegrenzten Gebiet sinnvoll. Beispielsweise auf großen Firmengeländen, die sich über mehrere Quadratkilometer erstrecken, könnten so bestimmte innerbetriebliche Sendungen abgewickelt werden. Doch was den Postverkehr in Innenstädten angeht, sieht Kotzab die Entwicklung eher skeptisch.

Für Lieferungen, die per Helikopter zu teuer seien, ist der Drohnen-Einsatz denkbar. "Doch die Frage, die sich mir stellt", wirft der Forscher ein, ist: "Ist die Drohne schneller als der Tunnel?" Denn auch das Konzept der Untertunnelung, also der unterirdischen Belieferung durch U-Bahnen, gilt als Szenario, um die Straßen zu entlasten. Eventuell verhilft das Nachdenken über den Einsatz der Drohne also auch der guten alten Rohrpost zu einer Renaissance.

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