Im Zeichen des Irak-Krieges
11. April 2003Köln, 11.4.2003, DW-radio, Nina Bednarz, aus Sankt Petersburg
Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow hat am Freitag (11.4.) den dritten russisch-deutschen "Petersburger Dialog" in der Stadt Sankt Petersburg eröffnet. "Russen und Deutsche haben Großes geleistet, um nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zueinander zu finden", sagte Gorbatschow. Jetzt sei es die wichtigste Aufgabe, neben den staatlichen Kontakten den Dialog der beiden Gesellschaften zu stärken. Mehr als 150 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien diskutieren zwei Tage lang über Wege, wie die Menschen beider Völker zueinander finden und Vorurteile abbauen können. Nina Bednarz berichtet:
Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder riefen vor drei Jahren den Petersburger Dialog ins Leben. Die Idee: Die deutsch-russischen Beziehungen verbessern - durch regelmäßige Treffen führender Persönlichkeiten aus beiden Ländern. Und so kommen ein Mal im Jahr deutsche und russische Vertreter aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft zusammen. Das erste Treffen fand in Sankt Petersburg statt, der zweite Petersburger Dialog wurde in Weimar geführt. Und nun treffen sich die rund 150 Teilnehmer wieder in Russlands nördlicher Metropole. In Petersburgs staatlicher Universität.
Eigentlich soll der Petersburger Dialog auch die Zivilgesellschaften stärken. Doch gerade Nicht-Regierungsorganisationen, etwa die russische Menschenrechtsorganisation "Memorial", sind kaum vertreten in den Gesprächsrunden. Der Kreml schickt fast ausschließlich regierungstreue Funktionäre. Und die vertreten die offizielle Linie in besonders umstrittenen Fragen - etwa dem brutalen Krieg des Kreml gegen Tschetschenien oder der Pressefreiheit in Russland. Außerdem sind konkrete Ergebnisse der Gesprächsrunden oft Mangelware. Und so kritisieren viele den Petersburger Dialog als elitäre Nabelschau.
Dieses Jahr steht die Veranstaltung im Zeichen des Irak-Krieges. Wie wirkt er sich auf die deutsch-russischen Beziehungen aus - und: Was können Russland und Deutschland beitragen zur Nachkriegsordnung im Irak? Darüber sprechen die Regierungschefs beider Länder schon seit Wochen intensiv. Gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac hatten Wladimir Putin und Gerhard Schröder ja versucht, im UN-Sicherheitsrat den Krieg zu verhindern.
Freitagabend (11.4.) treffen sich die drei Kriegsgegner erneut. In Sankt Petersburg beraten sie über die Irak-Krise. Der Bundeskanzler wurde anlässlich des Petersburger Dialoges ohnehin erwartet an der Newa. Kurzfristig lud Russlands Präsident Wladimir Putin seinen französischen Amtskollegen mit ein.
Die zentralen Fragen des Gipfeltreffens: Welche Rolle spielen die Vereinten Nationen beim Wiederaufbau im Irak - und: Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Russland und der Europäischen Union zu verbessern? (TS)