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Politik

Impeachment: Reiche Männer, lauter Lügen

Marko Langer
16. Januar 2020

Wer über Donald Trump und das Amtsenthebungsverfahren redet, landet schnell bei seinem Anwalt Rudy Giuliani. Doch nun steht plötzlich ein anderer Mann im Zentrum der Affäre. Lev Parnas. Nie gehört, den Namen. Lev wer?

Lev Parnas
Bild: imago images/UPI Photo/J. Angelillo

Vielleicht kann diese Geschichte mit "Anatevka" beginnen, mit dem Musical "Fiddler on the Roof", in dem Milchmann Tevje seinen Traum von einem besseren Leben in diesem einen Lied zum Ausdruck bringt: "So what would have been so terrible, if I had a small fortune." Und dann die weltberühmte Zeile: "If I were a rich man, yubby dibby dibby dibby dibby dibby dibby dum."

Was hat Milchmann Tevje mit US-Präsident Donald Trump zu tun, dem wirklich reichen Mann? Nun ja, wer sich mit den Verstrickungen hinter dem Impeachment beschäftigt und mit dem jüngsten Kronzeugen namens Lev Parnas (Artikelbild), der stolpert unter anderem über "Anatevka". Was diesmal aber nicht das Musical ist, sondern eine gleichnamige Stiftung, die sich "Friends of Anatevka" nennt, gegründet vom ukrainischen Rabbi Moshe Reuven Azman. Die "Friends of Anatevka" verfolgen das Ziel, jüdischen Menschen im Osten der Ukraine eine Zukunft zu bieten. Und schon ist man in der Ukraine, dem Land, das im Mittelpunkt der Untersuchungen gegen den Präsidenten steht.

Wohltäter unter sich

Lev Parnas, der im Oktober in den USA wegen finanzieller Vergehen verhaftet wurde, kurz bevor er das Land verlassen wollte, dieser Parnas könnte zu einer zentralen Figur werden. Er war - und ist es vielleicht noch - Berichten zufolge im Board der Stiftung "Friends of Anatevka", auf deren Homepage man übrigens auch Trump-Anwalt Rudy Giuliani entdecken kann, auf einem Foto, wie er stolz neben Rabbi Azman steht. Wohltäter unter sich. Über solche Verbindungen fragte sich The New York Jewish Week schon im vergangenen Jahr besorgt: "Was würde Tevje darüber denken?"

Giuliani war der Mann, der die Strippen für Donald Trump in der Ukraine gezogen hat. Und Parnas, der manchmal als Geschäftsmann, manchmal als Partner von Giuliani bezeichnet wird, ist derjenige, der sich im Osten Europas wohl noch besser auskennt. Manchmal wird der in Odessa geborene US-Staatsbürger der "Fixer" genannt, derjenige, der die wichtigen Kontakte macht, der die richtigen Leute kennt.

Kaffee in der Hotellobby: Trump-Anwalt Rudy Giuliani (links) und Lev ParnasBild: Reuters/Aram Roston

Als man Trump jüngst im Rosengarten des Weißen Hauses auf Parnas und auf eine andere dubiose Figur in der Affäre ansprach, lautete die Antwort wenig überraschend: "Ich kenne diese Männer nicht." Lauter Lügen? Giuliani jedenfalls wäre heute wahrscheinlich froh, wenn er diesen Parnas nie getroffen hätte. Denn der rennt jetzt in die Redaktionen und erzählt die ganze Geschichte. Nun ja, seine Geschichte.

"Präsident Trump wusste genau, was ablief", sagte der ukrainisch-stämmige Parnas nun in einem Interview der "Rachel Maddow Show" im Fernsehsender MSNBC. "Er war sich über all meine Bewegungen bewusst. Ich hätte nichts ohne das Einverständnis von Rudy Giuliani oder des Präsidenten unternommen", sagte Parnas.

Etwas ähnliches erzählte Parnas auch der "New York Times". Und, aus Sicht von Donald Trump noch schlimmer, Parnas hat auch die Demokraten im Kongress mit Informationen versorgt.

Er dachte, er wäre ein Patriot

Doch was weiß Parnas wirklich? Trump habe gelogen, als er sagte, dass er ihn nicht kenne, sagte Parnas in dem MSNBC-Interview. Der "New York Times" hatte er zu Protokoll gegeben, dass er bedauere, Trump bei der Kampagne in der Ukraine unterstützt zu haben. "Ich dachte, ich wäre ein Patriot und helfe dem Präsidenten." Da könne man doch nichts falsch machen, habe er damals gedacht.

Nach der Festnahme: Lev Parnas (links) und Igor Fruman, der ebenfalls mit Giuliani zusammenarbeiteteBild: picture-alliance/AP Photo/Alexandria Sheriff's Office

Von wegen. Die US-Demokraten haben die Dokumente veröffentlicht, die zeigen sollen, dass Giuliani zusammen mit Parnas Druck auf die Regierung in Kiew ausübte, Ermittlungen gegen den demokratischen US-Präsidentschaftsanwärter Joe Biden einzuleiten. Demnach sollen die beiden zusammen mit ukrainischen Vertretern versucht haben, die US-Botschafterin in der Ukraine, Marie Yovanovitch, aus dem Amt zu drängen, die schließlich von Trump abberufen wurde. Und damit wären wir im Kern des Amtsenthebungsverfahrens.

Spannendere Zeugen?

Bald wird man sich im Senat darüber streiten, ob man nicht viel spannendere Zeugen wie Hunter Biden anhören wird, den Sohn des demokratischen Spitzenmannes, der in der Ukraine seinen Geschäften nachging. Vielleicht wird man dann von Lev Parnas nicht mehr viel hören. Ob der dann schon einen Deal in eigener Sache gemacht hat? Er ist der illegalen Wahlkampffinanzierung angeklagt, des verbotenen Umgangs mit Geld. Er wird nun etwas Glück brauchen. Wie seufzte Milchmann Tevje in "Anatevka" noch?: "So what would have been so terrible, if I had a small fortune." Und dann wieder, die weltberühmte Zeile: "If I were a rich man, yubby dibby dibby dibby dibby dibby dibby dum."

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