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Warum Quecksilber aus Kohlekraftwerken so gefährlich ist

Tim Schauenberg
21. Februar 2026

Die USA haben die Schadstoffgrenzwerte für Kohlekraftwerke gelockert. Dies betrifft unter anderem Emissionen des Nervengifts Quecksilber. Dabei ist schon lange klar, wie schädlich der Stoff für Umwelt und Menschen ist.

Rauchende Schornsteine eines Kohlekraftwerks im Sonnenuntergang, im Vordergrund sieht man Wasser.
Mit schwächeren Grenzwerten steigen die Gesundheitsgefahren durch Abgase aus US-Kohlekraftwerken. Bild: Branden Camp/AP Photo/picture alliance

Es schädigt die Lunge, das Hirn, die Nieren und die Haut, sowie die Entwicklung von Kindern und ungeborenen Babys: Quecksilber ist ein extrem starkes Nervengift und deshalb weltweit streng reguliert. In der Erdkruste kommt es als natürliches Element vor. In größeren Mengen gelangt Quecksilber aber vor allem durch menschliche Aktivitäten in den ökologischen Kreislauf. Dort reichert es sich in Wasser, Pflanzen, Tieren und schließlich auch in Lebensmitteln an. Schon sehr geringe Mengen können der Gesundheit erheblich schaden.

Die Abgase aus Kohlekraftwerken tragen erheblich zur Umweltbelastung mit Quecksilber bei. Sie sind laut der Nichtregierungsorganisation Natural Ressource Defense Council (NRDC) die Hauptquelle für Quecksilberbelastung in den USA. Dennoch hat die ​US-Regierung eine Lockerung der Umweltauflagen für Kraftwerke angekündigt.

Grenzwerte als Hindernis für die Wirtschaft?

Bereits im April 2025 hatte Donald Trump strengere Emissionsgrenzwerte ausgesetzt, die sein Vorgänger Joe Biden eingeführt hatte. In der Bekanntmachung des Weißen Hauses hieß es damals, die Auflagen für die fast 70 Kohlekraftwerke im ganzen Land würden der Energiewirtschaft schaden. Nun hat die Regierung die sogenannten MATS (Mercury and Air Toxics Standards) endgültig abgeschafft. 

US Präsident Trump leugnet den menschengemachten Klimawandel und lockerte seit Amtsantritt viele Umweltauflagen für Industriebetriebe. Bild: Daniel Torok/Avalon/Photoshot/picture alliance

Quecksilber ist ein Spurenelement und kommt natürlicherweise in vielen Gesteinen vor, etwa in Kalkstein, Kohle und auch Rohöl. In der Natur lagert es meist tief im Boden. Wenn fossile Brennstoffe verfeuert werden, gelangt es in die Luft. In der Atmosphäre kann es mehr als sechs Monate verweilen und über weite Entfernungen transportiert werden.

Das Problem mit der Kohle: Sie enthält Quecksilber zwar nur in geringen Mengen, wird aber in großen Mengen verbrannt. Menschen, die in der Nähe von Kraftwerken leben, sind besonders betroffen. Häufig sind das marginalisierte und benachteiligte Gruppen.

Wie sich hundert Milliarden Dollar sparen ließen

Der Klimawandel verschärft das Problem. Fast die Hälfte der natürlichen Quecksilbervorkommen steckt laut dem deutschen Umweltbundesamt in gefrorenen Permafrostböden. Wenn diese durch die Erderwärmung auftauen, könnten neben klimaschädigenden Gasen auch große Mengen Quecksilber freigesetzt werden.  

Kohlekraft und gelockerte Grenzwerte zur Luftverschmutzung verschlimmern diese Entwicklung gleich doppelt. Dabei könnten laut dem deutschen Naturschutzbund 85 Prozent der Quecksilberemissionen aus Kohlekraftwerken durch technische Verfahren vermieden werden. 

Die Kosten für Kraftwerkbetreiber sinken, wenn sie mehr Filter für die Eindämmung der Luftverschmutzung einsetzen. Bild: Charlie Riedel/AP Photo/picture alliance

Die US-Umweltschutzorganisation NRDC geht sogar davon aus, dass durch die strengeren Regeln aus der Amtszeit von Präsident Biden die Emissionen von Quecksilber (Mercury) und anderer Luftschadstoff (Air Toxics) aus Kohlekraftwerken um bis zu 90 Prozent reduziert wurden. Dadurch könnten insgesamt 11.000 Todesfälle vermieden worden sein. Die US-Umweltbehörde EPA schätze 2024, dass die strengeren Emissionsgrenzwerte in den folgenden 20 Jahren bis zu 390 Milliarden US-Dollar im Gesundheitswesen würden einsparen können.

Neue Entscheidung

Die EPA erklärte allerdings nun, eine Lockerung der Grenzwerte sei notwendig, um den steigenden Strombedarf durch den Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) zu ​decken. Die Rückkehr zu den weniger strengen Regeln aus dem Jahr 2012 würde den Betreibern rund 670 Millionen Dollar pro Jahr einsparen. Die EPA behauptet in diesem Zusammenhang, die älteren Vorschriften böten ​weiterhin "einen ausreichenden Sicherheitsabstand ‌zum Schutz der öffentlichen Gesundheit". 

Ärzte-, Gesundheits- und Umweltverbände widersprechen dieser Darstellung. Sie argumentieren, die Kosten für das Gesundheitssystem durch die erhöhte Umweltverschmutzung würden die Einsparungen bei Weitem übersteigen. 

Seit der Amtsübernahme von US-Präsident Donald Trump ist die Umweltbehörde auf politischen Druck hin teilweise von wissenschaftlichen Erkenntnissen abgerückt. Auf ihrer Website werden beispielsweise seit Dezember 2026 menschliche Aktivitäten als Hauptgrund für den Klimawandel zunehmend in den Hintergrund gerückt. Stattdessen spricht man dort vor allem über den Orbit oder Vulkane als Verursacher der Erderwärmung.

Einmal im Körper wird Quecksilber nicht mehr abgebaut

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) reichert sich Quecksilber besonders über den Verzehr von Fisch und Krustentieren im menschlichen Körper an. Kleine Organismen wie Algen und Kleinkrebse nehmen Quecksilber auf und wandeln es in giftiges Methylquecksilber um, das ihr Körper nicht abbauen kann. Über die Nahrungskette gelangt das Schwermetall in immer größere Tiere und schließlich auch zum Menschen.

Eine landesweite Umfrage zeigte: Bis zu 19 Millionen Menschen in den USA, die mindestens dreimal pro Woche selbst gefangenen Fisch aßen, könnten gesundheitschädlichen Quecksilberkonzentrationen ausgesetzt sein. Wenn sich Quecksilber einmal im Körper angesammelt hat, wird es nie wieder abgebaut.

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