"In der Bundeswehr ist kein Platz für Extremismus"
3. März 2026
"Für Extremismus und Sexismus ist kein Platz in der Bundeswehr", betonte Henning Otte, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, bei der Vorstellung seines Jahresberichts in Berlin. Dass Otte dies ausdrücklich hervorhob, hat einen Grund: 2025 erschütterte ein Skandal beim Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken die Bundeswehr. Dort soll es bereits 2024 zu sexuellen Übergriffen, extremistischen Handlungen und Drogenmissbrauch gekommen sein. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach von "erschütternden Fällen", die von den militärischen Vorgesetzten nicht mit der erforderlichen Konsequenz verfolgt worden seien.
Seither laufen umfangreiche Ermittlungen, die noch nicht abgeschlossen sind. Einige der Beschuldigten wurden bereits aus dem Dienst entlassen, der Kommandeur des Regiments abgesetzt. "Mögliche Verfehlungen sind konsequent zu ahnden", schreibt der Wehrbeauftragte in seinem Jahresbericht. "Das ist notwendig für den Schutz der Soldatinnen und Soldaten sowie für die Aufrechterhaltung von Disziplin und Wehrfähigkeit der Truppe."
Eine sogenannte Dunkelfeldstudie, die das Verteidigungsministerium in Auftrag gegeben hat, soll bis Ende des Jahres vorliegen. Sie soll Fälle von sexualisiertem Fehlverhalten im militärischen Alltag erfassen und beleuchten. "Jeder Fall ist einer zu viel", betonte Otte.
Der Wehrbeauftragte wacht im Auftrag des Parlaments darüber, dass die Grundrechte der Soldatinnen und Soldaten eingehalten werden. Er geht Beschwerden nach und kann ohne Voranmeldung Truppenbesuche machen. Angehörige der Bundeswehr können sich jederzeit direkt an ihn wenden. Davon machen Soldatinnen und Soldaten regen Gebrauch: Im Jahr 2025 erreichten 2819 persönliche Eingaben das Berliner Büro des Wehrbeauftragten. Die Beschwerden fließen ein in den Jahresbericht des Wehrbeauftragten, der wie kein anderes Dokument Auskunft über den inneren Zustand der Bundeswehr gibt.
Die Zahl der Abbrecher bleibt weiter hoch
Eine große Baustelle bleibt der Personalmangel bei der Bundeswehr, den Ottes Vorgängerin Eva Högl in den Mittelpunkt ihres letztjährigen Jahresberichts gestellt hatte. Bis Mitte der 2030er Jahre soll die Bundeswehr auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten anwachsen. Derzeit sind es rund 186.000. Zum schnellen Aufwuchs beitragen soll das neue Wehrdienstmodell, das auf Freiwilligkeit basiert.
Zwar ist die Zahl der jungen Männer und Frauen, die sich freiwillig verpflichten, in den letzten Monaten deutlich angestiegen. Doch die Quote derer, die den Dienst nach wenigen Monaten wieder quittieren, sei mit knapp 20 Prozent "viel zu hoch", erklärte Otte. "Es gibt ein Grummeln in der Truppe: Werden wirklich die Ziele schnell genug erreicht?"
Der Wehrbeauftragte, selbst Reserveoffizier und ein erfahrener Sicherheitspolitiker der Kanzler-Partei CDU, zweifelt am Erfolg des freiwilligen Wehrdienstes. Er hege diesbezüglich "eine gewisse Skepsis", räumte Otte ein.
Sollte das Modell der Freiwilligkeit der Bundeswehr nicht genügend zusätzliches Personal bescheren, sei die Rückkehr zur Wehrpflicht "der konsequente nächsten Schritt", heißt es im Jahresbericht. Darüber müsse im kommenden Jahr entschieden werden, wenn klar sei, wie viel neues Personal die Bundeswehr 2026 rekrutieren konnte.
Der neue, auf Freiwilligkeit beruhende Wehrdienst ist am 1. Januar gestartet. Seither sind junge Männer verpflichtet, einen Fragebogen auszufüllen, in dem ihre Bereitschaft für einen Dienst in der Truppe abgefragt wird. Junge Frauen können den Fragebogen ausfüllen, müssen dies aber nicht tun. Insgesamt sei der Frauenanteil in den Streitkräften mit knapp 14 Prozent zu gering, bemängelte Otte. "Wir müssen das Potenzial stärker ausschöpfen."
Auslandseinsätze auf den Prüfstand stellen
Angesichts der Kriegshandlungen rund um den Iran regte Otte an, die Auslandseinsätze der Bundeswehr zu überprüfen. Deutsche Soldaten sind unter anderem in Jordanien und im Irak stationiert, wo sie Sicherheitskräfte ausbilden und beraten. Bei diesen Einsätzen gelte es abzuwägen zwischen dem Auftrag und der Gefährdung der Soldaten. Die Bundeswehr müsse sich künftig auf die notwendigen Einsätze konzentrieren, so der Appell des Wehrbeauftragten, und die lägen primär in der Landes- und Bündnisverteidigung.