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Corona-Infektionen: Indien überholt Brasilien

7. September 2020

Nach Wochen mit rasant steigenden Coronavirus-Infektionen hat Indien Brasilien als Land mit den weltweit zweitmeisten Corona-Fällen abgelöst. Trauriger Spitzenreiter bei den Erkrankungen bleiben die Vereinigten Staaten.

Indien I Coronavirus I Mitarbeiter des Gesundheitssystems in Mumbai
Mitarbeiter des indischen Gesundheitssystems nehmen bei einem Mann einen Nasenabstrich für einen Corona-TestBild: Reuters/A. Dave

In Indien ist die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus binnen eines Tages um 90.802 auf mehr als 4,2 Millionen gestiegen. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, war es der dritte Tageshöchstwert in Folge. Nur die USA haben mit 6,2 Millionen Ansteckungen noch mehr Fälle registriert, in Brasilien gab es zuletzt 4,1 Millionen nachgewiesene Infektionen.

Bei der Zahl der Todesopfer der Pandemie liegt Indien aber weiter hinter den USA und Brasilien auf dem dritten Platz. Während in den USA fast 193.000 Menschen an dem Virus starben und in Brasilien rund 126.000, sind es in Indien etwa 71.600.

Für diese wie auch für andere Länder wird allerdings mit einer hohen Zahl nicht erfasster Fälle gerechnet. Indien testet inzwischen auch deutlich mehr, aber pro Kopf ist die Testrate in dem südasiatischen Land noch deutlich niedriger als in anderen Ländern. In absoluten Zahlen gerechnet steigen die erfassten Neuinfektionen in Indien seit Wochen schneller als in jedem anderen Land der Welt. Auch gibt es anders als in den USA oder Brasilien keinen Hinweis auf ein Abflachen der Kurve.

Indien wartet auf den Impfstoff

02:39

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Höhepunkt steht noch aus

Die indische Regierung vertritt die Ansicht, dass die Kontaktnachverfolgung und die Behandlung funktioniere und die Lage in dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde unter Kontrolle sei. Experten rechnen aber nicht damit, dass in Indien bald der Höhepunkt der rasanten Virus-Ausbreitung erreicht sein wird, da die Metropolen wie die Hauptstadt Neu-Delhi und das Finanzzentrum Mumbai kein Anzeichen für ein Abebben zeigen und die Ansteckungen in den ländlichen Gebieten immer mehr zunehmen. Dort ist die Gesundheitsversorgung besonders schlecht.

Viele der 1,3 Milliarden Inder haben kaum Zugang zu medizinischer Versorgung. Dennoch öffneten Neu-Delhi und andere Städte am Montag nach monatelanger Schließung wieder die U-Bahnen. Am Mittwoch sollen in der Hauptstadt mit ihren 20 Millionen Einwohnern auch die Bars wieder öffnen dürfen.

Indien droht historischer Wirtschaftseinbruch

Kritiker werfen der Regierung vor, dass der lange Lockdown nicht genutzt wurde, um Krankenhäuser besser auszustatten und Test-Kapazitäten aufzubauen. Ministerpräsident Narendra Modi steht unter Druck, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, die wegen der strengen Corona-Schutzmaßnahmen im vergangenen Quartal im Rekordtempo geschrumpft war. Millionen Indern verloren ihre Arbeitsstellen, ihnen droht der Rückfall in Armut.

Von April bis Juni gab es einen nie dagewesenen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts von 23,9 Prozent. Im Haushaltsjahr bis Ende März 2021 droht Experten zufolge ein BIP-Einbruch von rund zehn Prozent: Damit würde die Wirtschaft in dem asiatischen Schwellenland so stark schrumpfen wie nie zuvor seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947.

Er muss die Wirtschaft wieder in Schwung bringen: Ministerpräsident Narendra ModiBild: Reuters/A. Abidi

Deutsche Hilfsmaßnahmen

Angesichts der massiven Zunahme der Corona-Fälle in Indien weitet die deutsche Regierung ihre Hilfen für das bevölkerungsreiche Land deutlich aus. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller betonte am Sonntag im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe, jetzt gehe es darum, "das weitere Ausbreiten zu bremsen". Dazu stellt die Bundesregierung 330.000 Corona-Testkits und 600.000 Schutzausrüstungen für medizinisches Personal im Gesamtumfang von 15 Millionen Euro bereit.

Zusätzlich vergibt das Entwicklungsministerium kurzfristige Kredite in Höhe von 460 Millionen Euro. "So helfen wir gemeinsam, dass Nahrungsmittel an 800 Millionen Menschen verteilt und Überbrückungshilfen für 320 Millionen Menschen geleistet werden können, die in der Corona-Krise ihren Job verloren haben", erläuterte Müller. Es sprach von einer der größten Corona-Unterstützungsmaßnahmen weltweit.

kle/ww (rtr, epd, dpa, afp)

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